Auf einem Presseevent in der Münchner Aroma Kaffeebar haben wir Jürgen Altmann kennengelernt. Außer dem Café hat er eine ganz besondere Mission: So viele gebrauchte und neue Sonnenbrillen wie möglich zu sammeln, um sie in der nordindischen Himalaya-Region Ladakh zu verteilen.

Jürgen in Ladakh

1. Mit Deinem Projekt “Shades Of Love” sammelst du Sonnenbrillen, die in die Ladakh Region im Himalaya gebracht werden. Auf einer Höhe zwischen 3500 und 5000 m sind die Bewohner dort das ganze Jahr intensivem Sonnenlicht ausgesetzt. Wie kommt ein Café-Inhaber aus München auf eine derartige Idee?

Vor 10 Jahren habe ich mir eine Auszeit genommen und bin zum ersten mal in die Ladakh Region in den Himalaya gereist. Dort habe ich für eine Hilfsorganisation mit Kindern gearbeitet; zum ersten Mal bin ich auf die Problematik gestoßen, dass dort viele Leute an Augenentzündungen oder grauem Starr leiden, ausgelöst durch die permanente Sonneneinstrahlung.

Das Hochland ist einzigartig: In der steinigen, wüstenähnlichen Hochebene leben Menschen zwischen 3500 und 5000 m. Ich habe mich sofort in das Land und die Leute verliebt. Vor vier Jahren bin ich dann ein weiteres mal hochgereist und wieder auf die Augenproblematik gestoßen. Daraufhin habe ich in meinem Café, der Aroma Bar, eine Sammelaktion gestartet, woraufhin nach einer Woche über 300 Brillen zusammengekommen sind. Beim nächsten Besuch habe ich mir dann ein Motorrad gekauft und die Brillen in der Ladakh Region verteilt. Da habe ich dann auch die Entscheidung getroffen, ein größeres Projekt zu initiieren.

Jürgen verteilte Sonnenbrillen im Himalaya mit dem Motorrad

Jürgen verteilte Sonnenbrillen im Himalaya mit dem Motorrad

2. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Menschen in der Ladakh Region noch nie im Leben so etwas wie eine Sonnenbrille gesehen haben. Wie waren die Reaktionen aus der Bevölkerung?

Ganz unterschiedlich, manche zweifeln erst und müssen sich daran gewöhnen. Viel Erklärungsarbeit ist notwendig, daher arbeite ich mit dem tibetischen Gesundheitszentrum zusammen, die die Problematik vor Ort an den Mann bringen kann. Mir ist es wichtig, die Leute zu erreichen, die in den abgelegensten Gegenden wohnen und eigentlich ganz andere Probleme haben.

Ich möchte jetzt dieses Projekt nach Nepal bringen und werde mit Nepals größter Augenklinik in Kathmandu zusammenarbeiten. Die organisieren 20 bis 30 mal im Jahr Camps in den abgelegenen Bergregionen und führen dort unter anderem auch Augen OPs durch. In Ladakh gibt es ebenfalls eine Anzahl von Augencamps, die ich unterstütze.

3. Was ist eine besondere Herausforderung bei der Umsetzung des Projektes? 

Die größte Herausforderung ist die Logistik. Ich bin auf der Suche nach einem Logistikpartner, der das Projekt sponsern will und je nachdem wo ich sammle die Brillen nach Ladakh oder nach Nepal bringt. Es ist nicht einfach Hilfsgüter in diese Länder zu bringen. 

4. Wie wird das Projekt vor Ort konkret umgesetzt, wer verteilt die Sonnenbrillen?

Momentan habe ich über 12000 Brillen gesammelt und größtenteils selber verteilt. In Zukunft, wenn die Menge größer wird, werde ich mit dem tibetischen Gesundheitszentrum zusammenarbeiten, die die Verteilung übernehmen.

Die Augenklinik in Nepal wird ebenfalls präventiv Brillen verteilen, aber ich werde weiterhin dabei sein, damit ich kontrollieren kann, dass alles gut verläuft.

5. Wie kann ich an diesem Projekt teilnehmen?

Als Privatperson kann man gerne nicht benötigte Sonnenbrillen nach München in mein Café schicken. Innerhalb des Freundeskreises kannst Du Sammelaktionen starten. Wenn man eine Firma ist oder aus der Brillenbranche kommt, kann man das Projekt mit nicht verkaufbarer Ware oder leichten Fehlerprodukten – das betrifft nicht die Gläser – unterstützen. Jeder Optiker, kann eine Sammelstation kreieren. Sie werden dann von mir mit Werbematerial, Postkarten und Plakaten unterstützt.

Shades of Love

Shades of Love

Shades of Love

6. Was sind Deine Ziele für die Zukunft von Shades of Love?

Erst einmal Ladakh mit Sonnenbrillen abzudecken. Das ist eine große Herausforderung, weil ich dadurch Sechzig- bis Siebzigtausend Sonnenbrillen benötige. Auch in anderen Himalaya Regionen aktiv zu werden und damit das gesamte Himalaya Gebiet abzudecken, wäre mein ganz großes Ziel. Dabei hilft mir mittlerweile der French Ambassador of Shades of Love, der Aktionen speziell in Frankreich ausführt.

Bürointern haben wir auch eine Sammelaktion gestartet und verschicken am 6. Juni ein Paket an Jürgen. Wenn Du in Berlin wohnst, komm doch bis dahin vorbei und beteilige Dich an unserem Päckchen! Die Brille sollte einen UV-Schutz von mindestens 300/400 aufweisen. Wenn Du von außerhalb kommst, kannst Du Deine Brille direkt an Jürgen Altmann, Pestalozzistraße 24, 80469 München schicken.

Weitere Infos auf shadesoflove.org

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