"Ich steige am Nairobi Internation Airport aus dem Flieger, laufe Richtung Terminalgebäude, und schon nach wenigen Metern beginnt mir der Schweiß auf der Stirn zu perlen. Endlich habe ich sie wieder, diese wohlige, alles durchdringende afrikanische Wärme. Manche mögen dies Hitze schimpfen, aber als ich Mitte März aus Deutschland abflog, hatte ich mich genau hierauf gefreut.

Doch in Addis Ababa, Äthiopiens Hauptstadt, hatte ich gebibbert. Addis war kühler, und viel grüner, und hügeliger, und überhaupt war Addis Ababa ganz anders, als die Länder der Ostafrikanischen Union: Uganda, Kenia, Tansania, Burundi, und Rwanda – die allen um den Lake Victoria gruppiert sind. Aber auch in vielen anderen Dingen ist Äthiopien einzigartig.

Das mag an vielen verschiedenen Dingen liegen. Zum Beispiel war Äthiopien nicht kolonialisiert, was stolze Menschen hervor gebracht hat, die auch bei nahenden Autos den gemächlichen Schritt niemals, und ich meine niemals, beschleunigen würden. Angeblich gibt es im Norden ein Völkchen mit dem Glauben, dass man ewig weiter leben wird, wenn man vor ein Auto springt und überlebt. Tony, ein britischer Senior-Banker hat mir das bei einem Bier erzählt. Ein Freund von ihm sitzt im Gefängnis, weil ein Familienvater vors Auto gesprungen ist. Allen ist klar, dass der ewig leben wollte, aber das Recht sieht nun mal Strafen vor. Noch stehen ein paar Bestechungsgelder aus, dann wird auch er wieder frei kommen.

Und noch von vielen anderen einzigartigen Begebenheiten kann man hier berichten: Äthiopien hatte mal einen König namens Hale Selassie, der nach Jamaika flog. Als er ankam, herrschte seit langer Zeit eine Dürreperiode auf der Insel; und Hale brachte den Regen mit. Daher wird er auf Jamaika so verehrt, und daher auch die enge Verbindung zwischen Rastas und Äthiopien. Bob Marleys Geburtstag habe ich dann im Mai, einige Wochen später, in Kigali, Ruandas Hauptstadt in einem Reggae Club „One Love“ gefeiert. Aber dazu später.

In Äthiopien gab es auch mal eine Königin namens Sheba. Der Legende nach war sie wunderschön und hat König Salamon besucht. Der hatte sie wohl auch toll gefunden und ihr einen Sohn geschenkt. Und nicht nur das; man sagt, Sheba habe die Bundeslade, die die 10 Gebote enthält, mit nach Äthiopien gebracht, wo sie noch heute versteckt ist. Und noch so vieles mehr gibt’s hier: Kaiser Lalibela ist wohl eines Morgens aufgewacht und dachte sich: Hey, lass uns mal keine Kirche aufbauen, sondern ausgraben. Also hat er mit der Hilfe von Engeln und einfach Schabwerkzeugen Kirchen aus massivem Fels heraus höhlen lassen. Wenn ihr euch die Bilder anschaut, dann macht euch das mal klar… zu krass. Und dann gibt es noch diese Säulen von Axum. Also ich weiß ja nicht, man sagt dass sie den Göttern zu Ehren gebaut wurden. Für mich sehen die stark nach mehrstöckigen normalen Gebäuden aus. Anyway…

Im 2. Weltkrieg hatten die Italiener Äthiopien mal versucht zu besetzen. Anschließend hat sich Djibouti, dann Eritrea von Äthiopien abgespalten. Somit haben die jetzt keinen Meerzugang mehr, was alle Transportkosten für Güter um ein vielfaches ansteigen lässt – auch wegen der Zugangsunsicherheit. Daher ist Äthiopien "non-landlocked", wie man so schön sagt.

So, also nach einer Woche in Addis bin dann wie gesagt in Nairobi angekommen. Und für die 20 km von Flughafen in die Stadt haben wir mal entspannte 3 Stunden gebraucht. Nairobi ist der WAHNSINN, was Verkehr angeht. Naja, Kampala (Uganda) steht dem nicht viel hinterher. Mein Projekt in Nairobi war super spannend. Aber wirklich toll war die Microcredit-Konferenz, auf der ich Mohamad Yunus, Gründer der Grameen Bank und Friedensnobelpreisträger 2006 getroffen habe. Wirklich inspirierend. Ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen, außer dass ich wirklich viel gearbeitet habe. Und dass wir einen Waisenhaus-Park für Elefanten besucht haben, was wirklich herzallerliebst war!"

Danke, Norbert!