kaffee kirschen äthiopien fairtrade qualität bedeutungAus seiner täglichen Entwicklungsarbeit mit Kaffeekooperativen in Westäthiopien zieht Carl Cervone von TechnoServe* eine klare Bilanz: „Die beste Art das Einkommen der Kaffeebauern zu verbessern, ist mit ihnen die Qualität ihrer Kaffeebohnen zu verbessern.“ „Und was ist mit Fairtrade…?“ ist der verantwortungsbewusste Genießer geneigt nachzufragen. Thomas, der diesen Artikel geschrieben und stundenlang recherchiert hat, hat im Juni 2011 mit Carl Cervone ein Interview durchgeführt. Die Bill Gates Stiftung finanziert mit 47 Mio. Dollar Technoserve , die widerum den Bauern vor Ort unterstützt. Und so lohnt es sich, das Zusammenspiel zwischen Qualität und Fairtrade Siegeln genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei stellt sich die Schlüsselfrage, ob mit dem Anstieg der Kaffeepreise und mit höheren Qualitätsansprüchen die herkömmlichen Fairtrade Marken an Bedeutung verlieren.  Die tatsächlichen Finanzströme der Siegel bleiben jedenfalls weitgehend undurchsichtig. Diese Intransparenz ist ein gewichtiger Kritikpunkt an den großen Siegeln. Forscht man nach, stellt sich heraus: bis Anfang 2011 gingen im Fall der FLO €0,22 pro Kilo direkt an die Vermarktungsorganisation TransFair (TransFair, 2011), gegenüber einer sozialen Prämie von €0,30 pro Kilo für die Kooperativen beim Einkauf des Rohkaffees (0,20 USD/Pfund). „Bei den derzeitigen Preisen verlieren die Siegel aus Sicht der Bauern klar an Relevanz. Insofern werden sich FLO & Co. wohl Gedanken machen über einen Strategiewechsel“, kommentiert Cervone. 

fairtrade premium mindespreiseZunächst einmal hat die FLO erst vor kurzem, im August, die Prämien erhöht (vorher €0,15), und auch die Mindestpreise angehoben (FLO, 2011). Damit verschlimmern sich aber die erwähnten Qualitätsanreize weiter. Auch beklagen Branchenkenner, dass die Zweckgebundenheit und Zusammensetzung der gezahlten Preise und Prämien für Kleinbauern teilweise schwer nachzuvollziehen sind. Das führt zu Konflikten innerhalb der Kooperativen. Im Zuge der aktuellen Erhöhung ist die Verwendung der Prämien nun noch komplizierter geworden. Fakt bleibt also: Bezüglich seiner sozialen Relevanz und bezüglich der Kaffeequalität steckt der faire Handel nach dem ursprünglichen „Max Havelaar“ Prinzip trotz beeindruckenden Wachstums in der Krise.

 

kaffee qualität äthiopien geruch geschmackQualität und Geschmack spielen für Fairtrade-Siegel nur eine untergeordnete Rolle. Das ist die zweite gewichtige Schwäche der großen Siegel. Kombiniert mit dem Mindestpreis der FLO bedeutet das unter Umständen sogar, dass Fairtrade Kaffee systematisch schlechter ist: Bei den aktuell hohen Marktpreisen kann guter Kaffee problemlos ohne Siegel über dem Mindestpreis verkauft werden (s. Grafik). Somit wird zum Mindestpreis - also mit Siegel - am ehesten schlechtere Qualität angeboten (Haight, 2011). Nicht zuletzt deswegen warnt Cervone vor Siegeln als Selbstzweck. „Den Produzenten drängt sich der Trugschluss auf, dass ein Siegel automatisch eine Wertsteigerung für ihren Kaffee bedeutet. Tatsächlich aber bedarf es systematischer Ansätze um die Kaffeequalität und Organisationstandards zu verbessern. Ein Siegel sollte eher als i-Tüpfelchen auf diesem Verbesserungsprozess gesehen werden.“ Dieses Missverständnis führt zu großen Mengen an zertifiziertem Kaffee, der mangels Nachfrage ohne Siegel verkauft wird (FLO, 2010).

Teil 3: Direkter Handel statt Fairer Handel

Teil 1: Vetrauen statt Fairtrade
* TechnoServe unterstützt seit über 40 Jahren Menschen in Entwicklungsländern dabei Unternehmen zu gründen und aufzubauen, um aus eigener Kraft der Armut zu entkommen. In Ostafrika richtete sich diese Hilfe allein seit 2008 an etwa 70‘000 Kaffeebauern.