Seit einer Woche sind Martin und ich jetzt schon in Äthiopien – dem Land unserer Kaffees.
Obwohl ich schon relativ viel gereist bin, habe ich mich am Anfang von den vielen neuen Eindrücken der Kultur, der Geographie und den Menschen ein wenig überrannt gefühlt. Durch Fotos, Videos und den direkten Kontakt mit unseren äthiopischen Partnern hatte ich im Vorhinein versucht, einen Eindruck von diesem Land zu bekommen, jetzt weiß ich, dass man das alles hier nicht in Worte fassen oder mit Fotos abbilden kann.

 
 

Im Land des schwarzen Goldes

Addis AbebaMartin und ich wohnen momentan in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Für mich gleicht sie einem Teppich aus vielen kleinen Flicken. Slums und Hochhäuser gehen fließend ineinander über, sodass es mir am Anfang schwer gefallen ist, ein Gefühl für verschiedene Stadtteile zu bekommen. Zudem ist die Infrastruktur sehr mäßig. Es gibt verhältnismäßig wenig ausgebaute und befestigte Straßen und zudem herrscht hier momentan ein totales Verkehrsdesaster, weil eine der zwei Hauptverkehrsstraßen (Bole Road) für die nächsten zwei Jahre komplett gesperrt ist und ausgebaut wird. Dennoch hat Addis Abeba und vor allem das Umland wunderschöne Ecken und man spürt richtig, wie sich die Stadt entwickelt. An jeder Ecke wird neu gebaut und die Menschen sind sehr optimistisch und wollen gemeinsam energievoll in eine bessere Zukunft gehen.

Addis AbebaDas Straßenbild der Hauptstadt erscheint zunächst sehr schmutzig. Es liegen und sitzen viele Obdachlose und Kinder auf der Straße und verbringen ihren Tag zwischen Müll und Schutt. Einkäufe erledigt man hier zumeist in kleinen Wellblechhütten an den Straßenrändern, die nett eingerichtet sind und alle Grundnahrungsmittel sowie Obst und Gemüse anbieten.
In der Nacht wirkt die Stadt sehr ruhig, es gibt kaum Straßenlaternen, aber man sieht viele kleine Lichter an den Häusern und der Smog des Tages senkt sich in die Stadt. Zudem hört man überall den Lärm der Flugzeuge, die kein Nachtflugverbot haben. Tagsüber ist die Stadt zwar laut, aber sich in ihr zu bewegen fühlt sich sehr entspannt an. An Tagen mit wenig Wind fällt es mir nach ein paar Stunden im Freien schwer zu atmen, weil der Geruch von Abgasen und Kohleöfen gemischt mit einer Art Eukalyptus die Luft stickig macht.

In den letzten Tagen…

An das Essen muss ich mich gewöhnen, aber es ist leckermusste ich mich erst daran gewöhnen, dass ich mit meinen blonden Haaren eine kleine Besonderheit in dieser großen Stadt bin. Am lustigsten sind die kleinen Kinder, die dauernd um Martin und mich herum laufen,  „Hello, Hello“ rufen und uns ganz fasziniert angrinsen.

So konnten wir in der letzten Woche schon Einiges erreichen. Wir haben unsere neue Partner NGO getroffen und viele andere interessante Menschen, die uns immer wieder Neues aus dem Kaffeegeschäft berichten konnten. Am Wochenende waren wir zu einem Barbecue eines Mitarbeiters von TechnoServe eingeladen, der mit seiner äthiopischen Frau und deren Familie hier lebt. Wir haben abends am Lagerfeuer gesessen und in einer Blechschale gebratenes Ziegenfleisch (sehr scharf) und alle möglichen Beilagen gegessen. Man benutzt dabei  traditionell die rechte Hand zum Essen und nimmt die Speisen mit einer Art säuerlichem Fladenteig (Injera) auf, den man sich versucht um die Finger zu legen. Obwohl ich erst ein wenig skeptisch war, hat mir das würzige Essen sehr geschmeckt und ich war begeistert von der gemütlichen Atmosphäre. Bei dem Barbecue habe ich dann auch endlich meine erste richtige äthiopische Kaffeezeremonie miterlebt. Dabei wird der Kaffee auf dem Feuer geröstet, danach klein gestampft, also gemahlen, und dann ganz frisch aufgegossen. Köstlich!  Mir war gar nicht bewusst, wie traditionsverbunden die Menschen hier sind. Es war ein schönes Gefühl mit so viel Wärme aufgenommen zu werden, auch wenn man sich größtenteils nur durch Mimik und Gestik verständigen konnte.

Beim Cupping

Ein wunderschönes LandAm Montag konnten Martin und ich dann bei einem Trader die ersten Kaffees der aktuellen Ernte cuppen und ich war begeistert von deren Körper und Geschmack. So werden wir in den nächsten Tagen in die Kaffeekooperativen fahren, alte Projekte besuchen, und bei der ersten Ernte der Kaffees zuschauen. Du darfst also auf die weiteren Berichte aus Äthiopien gespannt sein.

Anne

 

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