Wenn uns jemand fragt, was wir beruflich machen und wir mit einem schlichten „Kaffee verkaufen“ antworten, dann kommt zu 99% die zweite Frage: „Der ist aber hoffentlich auch Fairtrade und so?“ Ist er. Ich antworte dann gerne damit, dass wir unser eigenes Fairtrade-System entwickelt haben. Nur, dass unsere Verpackungen keines dieser schicken Siegel als Accessoire tragen...

fair trade coffee kaffee

 

 

 

 

 

 

 

 

Besinnen wir uns doch auf den ursprünglichen Sinn dieses so beliebten Begriffes. Fairtrade – Fairer Handel. Und das tun wir. Es nimmt nur meistens mehr Zeit in Anspruch, dem Gegenüber die Unterschiede zum Fairtrade-Siegel zu erklären, als das derjenige wirklich Zeit hat oder Zeit haben will. Oft reicht der Blick auf das Siegel im Supermarktregal und der Konsument greift zu, ohne zu hinterfragen, was das ganze nun ökonomisch und politisch bedeutet. Ohne zu wissen, dass ein Fairtrade-Siegel nicht automatisch auch bessere Qualität bedeutet. Doch der Käufer hat mit dem Fairtrade-Siegel ein gutes Gefühl beim Kaufen. Das ist ja auch okay. Und ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass das vor meiner Zeit bei Coffee Circle anders war. Erst hier habe ich mich tiefer mit dem Thema beschäftigt und gelernt, dass man die Dinge doch mehr hinterfragen sollte.

Thomas, unser lieber Ex-Kollege, der nun wieder seinen Weg ohne uns geht, hat sich tiefgründig mit diesem Thema auseinander gesetzt, stundenlang recherchiert und einen tollen Artikel darüber geschrieben (Danke Thomas!). In diesem und den nächsten 3 Blogartikeln werden wir euch einen tiefgründigen Einblick in diese Thematik geben.

1. Die drei großen Fairtrade Siegel 

Im Wesentlichen treiben drei große Marken die Zertifizierung voran. Am bekanntesten ist das Siegel der Fairtrade Labeling Organizations, FLO. Ähnlich verbreitet ist UTZ Certified, das sich eher als Minimalstandard versteht, und auch industrielle Produktion nicht ausschließt. Besonders schnelles Wachstum erreicht derzeit das am grünen Frosch erkennbare Siegel der Rainforest Alliance, die multinationale Firmen wir McDonalds, Tchibo oder Nestle zertifizieren und so zweistellige Wachstumsraten erzielen können.

fair trade flo

FLO Fairtrade
- Zu den Besonderheiten des früheren „Max Havelaar“ Siegels zählt die Spezialisierung auf Kooperativen von Kleinbauern, ebenso wie vieldiskutierte Mindestpreise und eine festgelegte soziale Prämie. Allerdings sind auch die Gebühren, die für die Vermarktung des Siegels berechnet werden sehr hoch.

UTZ certifiedUTZ - Eher als Mindeststandard für den Massenmarkt versteht sich dieses lange auf Kaffee spezialisierte Siegel. Niedrigen Vermarktungsgebühren stehen Standards gegenüber, die teilweise nur dem gesetzlichen Minimum entsprechen.

rainforest alliance fair tradeRainforest Alliance - Durch Partner wie McDonalds, Nestlé und Tchibo gewinnt der grüne Frosch an Präsenz. Trotz relativ hoher Umweltstandards ruft vor allem die Tatsache Kritik hervor, dass Packungen das Siegel tragen, auch wenn nur 30% des Inhalts zertifiziert sind.

fair trade wachstum utz rainforest allianceErklärtes Ziel der Siegel ist es schließlich, die Kaffeeproduktion nachhaltiger zu gestalten – das heißt sozial gerechter, umweltfreundlicher und wirtschaftlich langfristig wertschaffend. Und die Siegel haben durchaus schon viel erreicht: der Konsument hat ein nie dagewesenes Verantwortungsbewusstsein und zum anderen haben die detaillierten Produktionsstandards seitens der Bauern zu besserer Organisation und zu besserem Management geführt. Durch den Zusammenschluss von einzelnen Bauern zu Kooperativen hat zudem gerade die FLO dazu beigetragen, dass Kleinbauern durch bessere Marktinformationen und größere Verhandlungsmacht bessere Preise für ihre Bohnen erzielen. Nur FLO unterstützt gezielt Kooperativen von Kleinbauern, und vor allem garantiert nur sie einen Mindestpreis. So gibt es zwei konkrete Kritikpunkte: Qualität und Transparenz.

 

Teil 2: Transparenz und Qualität