Cory Andreen ist ein echter Kaffee-Experte, in der Zubereitung als auch im Kaffee-Cupping. Cupping wird in der Kaffee-Szene mit dem Wort Schmecken gleichgesetzt und bezeichnet die Verkostung von Kaffee - Cory ist in dieser Disziplin 2012 Weltmeister geworden. Wir haben ihn im Café CK besucht und ihm 5 Fragen über Geschmack und die fantastische Welt des Kaffees gestellt.

  
 
  

"I get up. Make some coffee. Make some more coffee. Talk about coffee. Make some more coffee. Talk about coffee. Go to sleep." ( Cory Andreen im Gespräch mit Freunde von Freunden)

Cory und Theresa im CK CaféCory Andreen ist Cupping-Weltmeister und Mitinhaber des CK-Café’s in Berlin, Prenzlauerberg. In der Kaffee-Szene ist er eine bekannte Größe und ein echter Experte, wenn es um die Zubereitung und den Geschmack von Kaffee geht. Cory kommt aus Washington D.C., lebt aber seit einigen Jahren in Berlin - so viele Jahre, dass er sie aufgehört hat zu zählen. Sein Interesse an den verschiedenen und komplexen Aromen von Kaffee entstand durch kostenlose Cupping-Seminare, die er als Teenager in seiner Heimat in den USA besuchte. Dabei stellte er fest, dass Kaffee nach so viel mehr schmecken kann, als einfach nur "Kaffee."  Nach vielen Jahren des ständigen Übens und Probierens hat er einen außergewöhnlichen Sinn des Schmeckens entwickelt und sagt, er habe immer noch nicht ausgelernt.

01 Du bist 2012 Weltmeister im Cuptasting geworden und trittst auch dieses Jahr wieder in einer anderen Disziplin bei der deutschen Meisterschaft an. Wie bereitest Du dich darauf vor?

Das hängt natürlich von der Art der Meisterschaft ab. Bei der Cuptasting-Meisterschaft zählt vor allem das ständige Üben und Testen von verschiedenen Kaffees. Außerdem habe ich einen Monat lang auf scharfes und stark gewürztes Essen verzichtet und auch keinen Alkohol getrunken - im Prinzip war die Vorbereitungsphase eine ziemlich langweilige Zeit. Aber eben notwendig, um wirklich die ganzen Aroma-Komponenten der verschiedenen Kaffees zu schmecken.

02 Das Sprichwort besagt „Geschmack ist subjektiv.“ Würdest Du das unterschreiben oder gibt es auch objektive Bewertungskriterien für Geschmack?

Bestimmte Spezialitätenkaffees haben eine gewisse Säure, die einen schätzen sie, die anderen nicht - das ist eben Geschmackssache. Es lässt sich also sagen, dass Geschmack sicherlich zum einen Teil subjektiv bestimmt ist.  

Es lassen sich aber auch einige objektive Kriterien festhalten, wie zum Beispiel: je länger die Ernte und Röstung des Kaffees zurückliegt, desto holziger oder plumper schmeckt er. Wichtig ist auch den Kaffee selbst zu mahlen, denn er verliert nach kürzester Zeit eine Menge seiner Aromen. Das ist Fakt und hat nichts mit dem subjektiven Geschmack zu tun.

Außerdem besteht eine Tasse Kaffee aus 98.5% Wasser, was die Relevanz von gutem Wasser hervorhebt, das bei der Kaffeezubereitung verwendet wird. In Berlin ist das Wasser ziemlich hart, deswegen sollte man es besser filtern bevor man seinen Kaffee damit zubereitet.

03 Die meisten Menschen gehen mehrmals wöchentlich auf den Markt oder in ein Geschäft, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Bei dem Kauf von Kaffee achten die meisten allerdings nicht so auf die Frische des Produkts. Woran könnte das Deiner Meinung nach liegen?

Das hat viele Gründe. Es fängt ja schon damit an, dass man immer von "der Kaffeebohne" spricht, dabei handelt es sich bei der vermeintlichen Bohne um einen Fruchtkern - das vergessen viele. Ein anderer Grund könnte der Urpsrungs-Kaffeekonsums in Europa sein. Zunächst wurden nur die grünen Kaffeebohnen importiert und man wusste damals noch gar nicht so richtig wie man sie richtig verarbeitet, röstet und aufbewahrt.

04 Du hast einmal gesagt „Cupping takes elements of arts and science.“ Kannst Du das für uns noch einmal näher erläutern?

In erster Linie ist es vor allem Wissenschaft. Man muss zum einen auf die Wassertemperatur achten, denn Kaffee schmeckt bei jeder Temperatur anders. Außerdem gibt es natürlich noch viele äußere Einflüsse, die sich auf das Cupping auswirken. Qualität und Herkunft des Wassers beispielsweise. Die Wasserqualität ist überall anders und wenn das Wasser sehr hart ist und dann nicht richtig gefiltert wird, schmeckt der Kaffee einfach nicht. Was ich als Kunst bezeichnen würde, ist das Erlernen dieser Wissenschaft, dass man lernt zu verstehen, was alles den Geschmack von Kaffee beeinflussen kann.

Cory und Theresa im CK Café05 Du erklärst den Leuten oft, dass es sich bei der Kaffeezubereitung lohnt auf die Maschine zu verzichten und stattdessen auf den Handfilter zurückzugreifen. Hast Du den Eindruck, dass dieses „back-to-basic“ Prinzip bei der Kaffeezubereitung funktionieren kann, wo doch der Kaffee heute am liebsten aus dem Siebträger „To go“ bestellt wird?

Das kann auf jeden Fall funktionieren - braucht aber definitiv noch Zeit. Die Leute müssen noch überzeugt werden, dass der Kaffee aus dem Handfilter mindestens genauso gut schmecken kann wie aus dem Siebträger. In einem Geschäft ist die Verwendung einer Maschine aber völlig in Ordnung, da hat sie ihren Platz, aber für zu Hause ist es eigentlich Quatsch. Es ist viel zu schwierig alles richtig einzustellen, manchmal etwas problematisch das Wasser richtig zu filtern und sie auch gut sauber zu halten - das ist recht aufwendig und nicht unbedingt für den Eigenbedarf notwendig. Handgefiltert oder aus der Aeropress ist für zu Hause ideal und auch deutlich günstiger in der Anschaffung.

Café CK l Marienburgerstr. 49 l 10405 Berlin l cafeckberlin.com