Da es mir immer große Freude macht, andere über das Thema Spezialitätenkaffees zu informieren und meinen Wissensschatz zu teilen, haben mich die anderen Coffee Circler schon liebevoll „Coffee Evangelist“ getauft. Täglich bin ich unterwegs in Kaffeeblogs und verschlinge alles, was mir an Literatur über die flüssige Köstlichkeit in die Finger kommt. Da war meine Vorfreude natürlich groß, als zum ersten Mal eine Reise zum Ursprung des Kaffees anstand. Endlich würde ich das erleben, was ich bisher nur von Fotos und Videos kannte. Ende Januar begab ich mich mit Moritz also auf die Wallfahrt nach Äthiopien. 

 
 

Äthiopien ist das Dach Afrikas

Ziel des Sourcing Trips war es, gemeinsam mit Moritz die besten Kaffees der aktuellen Ernte ausfindig zu machen. Als Naturprodukt ist Kaffee stets von zahlreichen Faktoren wie z.B. Sonneneinstrahlung und Niederschlag beeinflusst, was den Kaffeegeschmack von Jahr zu Jahr variieren lässt. Darum ist Coffee Circle jedes Jahr vor Ort, um die erlesensten Kaffees auszuwählen und für euch nach Deutschland zu bringen.

Athiopien  - Land und Leute

Äthiopien - das „Dach Afrikas“ - ist ein Land der Extreme. Gebirgsketten, teils schneebedeckt in über 4.000 m Höhe liegend, sind nur wenige tausend Kilometer entfernt von der heißesten Region der Erde. Äthiopien hat zwar nicht (mehr) die Big Five Safaritiere zu bieten, aber die Fauna ist reichhaltig und der Lebensraum für viele exotische Vogelarten. Der Regenwald im Westen des Landes ist Ursprungsort der Coffea Arabica Pflanze und beherbergt eine enorme genetische Vielfalt. Mehr als 3000 Arabica Varietäten haben Wissenschaftler hier ausfindig machen können. Doch der Wald und sein Artenreichtum sind durch den starken Bevölkerungswachstum und Infrastrukturmaßnahmen von der Abholzung massiv bedroht.

Die Strassen stellen einen Lebensmittelpunkt dar

 

In den Städten und Dörfern findet man belebte Straßen, die für viele Bewohner einen Lebensmittelpunkt darstellen. Menschen und Tiere koexisterien mit Fahrzeugen (vorrangig alte russische Lada Autos und Toyota Wagen); Esel transportieren Waren, Ziegen weiden am Straßenrand, Kinder spielen auf den Bürgersteigen, Taxifahrer warten auf Kundschaft, Straßenverkäufer bieten alle erdenklichen Waren (Kaugummis, Zahnbürsten) an und Schuhputzer sind bei ihrer sorgfältigen Arbeit zu beobachten. Die Menschen sind sehr freundlich, hilfsbereit und oftmals gut gelaunt. Immer wurden wir von Äthiopiern mit offenen Armen empfangen und auf eine Tasse Kaffee eingeladen.

Äthiopien – Das Schlaraffenland für gute Kaffees

Die Kaffeekirschen wachsen in einer Mischkultur

Als ich die westlich von Jimma gelegene Kaffeekooperative Ilketunjo besucht habe, erfüllte sich ein kleiner Traum von mir.  Zum ersten Mal kam ich in eine Region, in der Kaffee angebaut wurde. Die Anbaubedingungen hier glichen jedoch in keiner Weise  den Bildern von Kaffeeplantagen, die ich aus Büchern kannte. Anders als in Brasilien oder Kolumbien, wo riesige Kaffeeplantagen die Landschaft dominieren, wachsen die Kaffeepflanzen hier im Westen Äthiopiens in Waldgärten, also ganz verstreut in dem Waldgebiet der Farmer.  Ich war erstaunt über die enorme Biodiversität in den Waldgärten: Kaffeesträucher stehen direkt neben anderen Pflanzen wie Bananen- und Mangobäumen und das nicht ohne Grund. Reife und unreife Kirschen riechen unterschiedlich
Diese hochwachsenden Bäume liefern den Kaffeepflanzen Schatten und begünstigen so eine schonende Reifung der Kaffeekirschen. Kaffeepflanzen und -kirschen zu sehen, anzufassen, das Fruchtfleisch zu essen, den unterschiedlichen Geruch zwischen unreifen grünen und reifen roten Kaffeekirschen festzustellen, war eine einzigartige Erfahrung für mich. Die Aufbereitung der Kaffeekirschen in der „Washing Station“ (der Ort an dem die Kaffeekirschkerne vom Fruchtfleisch abgetrennt und gewaschen werden) war für die jetzige Ernte zwar schon vorüber. Dennoch war es spannend diese Anlagen zu sehen und genau nachzuvollziehen, wie der Prozess der Kaffeeernte funktioniert.

Spezialitätenkaffee birgt für die Region im Westen Äthiopiens übrigens einen doppelten Vorteil: Er sorgt nicht nur dafür, dass die Farmer mehr verdienen und ihre Lebensbedingungen verbessern können, sondern schützt gleichzeitig auch den Wald. Denn sollte sich der konventionelle Kaffeeanbau finanziell nicht mehr lohnen (was in Zeiten geringer Weltmarktpreise leicht der Fall sein kann), wäre es für die Bauern attraktiver, den Wald zu roden und stattdessen Getreide zu kultivieren.

Cuppings – spektakuläre Geschmacksvielfalt

Moritz beim Cupping

Vorbereitung zum Cupping

Hannes bereitet sich auf das Cuppen vor

 

Während meines Aufenthalts haben Moritz und ich an acht Cuppings, d.h. Kaffeeverköstigungen, teilgenommen. Ich bin immer wieder hingerissen von der spektakulären Geschmacksvielfalt der äthiopischen Kaffees. Kaffees aus dem Westen (z.B. der Region Limu) schmecken ganz anders als aus dem Süden stammende (z.B. Yirgacheffe). Sogar innerhalb dieser Regionen gibt es noch erstaunliche Unterschiede, selbst wenn die Kooperativen nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen. Denn jeder Standort ist so einmalig (andere Höhenlage, andere Bodenbeschaffenheit) und weißt ein spezielles Mikroklima auf, wodurch individuelle Geschmackseigenschaften entstehen. So kann ein Kaffee süßlich nach reifen Brombeeren schmecken, während der Kaffee der Nachbarkooperative Aromen von Orange und Zimt offenbart.

Vorbereitung zum Cupping

Das Flavour-wheel

Hannes beim Cupping

 

 

Die Auserwählten

Limu: Wie in den letzten Jahren hat uns auch die diesjährige Ernte des Limu Kaffees aus Ilketunjo überzeugt. Zartbitterschokolade gepaart mit einer zitrusartigen Spritzigkeit verleihen diesem Kaffee mit viel Körper ein rundes Geschmacksbild. 
Yirgacheffe: Dieses Mal stach der Kaffee der Kooperative Adame Gorbetu in Yirgacheffe heraus. Sein ausergewöhnlich feiner Geschmack, die floralen Noten und die intensive Süße haben Moritz' und meinen Gaumen verzaubert. Das Cupping

Duromina: Die Kooperative Duromina, die den letztjährigen Taste of Harvest Contest gewonnen hat, hat auch bei dieser Ernte wieder einen fantastischen Kaffee geliefert. So gut, dass sich das Geschmackserlebnis kaum in Worte fassen lässt. Daher nur ein Annäherungsversuch: Orangenaromen, würziger Geschmack, feine Säure und sanfter Abgang.
Lelisa Hara: Zum ersten Mal haben wir in diesem Jahr einen Kaffee aus der Wellega Region im Westen ausgewählt. Hier wurden in dieser Ernte zum ersten Mal gewaschene Kaffees von besonderer Güte hergestellt. Wir waren begeistert von dem ausdrucksstarken Körper, der melonenartigen Süße und den delikaten Fruchtaromen.

Es ging bei der Wallfahrt jedoch nicht allein um Kaffee. Auch unsere Projekte werden von Anne vor Ort weiter angetrieben. Dazu wird sie euch selbst bald mehr erzählen, ihr könnt also gespannt sein!