kaffeekirsche alter mannAls vielversprechenden Ansatz um den Fairtrade Gedanken nun einen Schritt weiter zu tragen sehen aktuelle Fachartikel den „direkten Handel“ (Haight, 2011 & Runge, 2011). Carl Cervone stimmt aus eigener Erfahrung zu: „Wir erleben derzeit große Erfolge bei jenen Röstern, die die Suche nach höchster Qualität mit engen Beziehungen zu Produzenten verbinden.“ Aufbauen tut dieser Ansatz auf das ebenfalls rapide Wachstum im Markt für hochwertige Spezialitätenkaffees: auf geschätzte 10% des Weltmarkts im letzten Jahr (ITC, 2011). „Im Laufe der letzten zehn Jahre hat eine massive Verlagerung hin zu höherwertiger Produktion stattgefunden“, so Cervone. Die relativ jungen Firmen im direkten Handel setzen auf langfristige persönliche Beziehungen zwischen Röstern und Kooperativen, mit möglichst wenigen Zwischenhändlern. Dadurch übernehmen die Bauern persönlich Verantwortung für die versprochene Qualität, und andererseits fühlen sich die Röster dem Wohl der Bauerndörfer wahrhaftig und langfristig verbunden. So können sie soziales Engagement für diese Dörfer glaubhaft mit ihren Kunden teilen. Da hochwertige Kaffeekirschen ohnehin nur im Schatten anderer Bäume wachsen und dann von Hand gepflückt werden müssen, sind auch wichtige Aspekte der ökologischen Nachhaltigkeit indirekt durch die Qualitätsanforderungen abgedeckt.

kaffee freudeFestgemacht wird das Funktionieren der direkten Beziehungskette also im Wesentlichen an einem einzigen Faktor: der Qualität des Kaffees. Statt in minutiösen Standards Herstellungsprozesse festzulegen und diese mit beeindruckenden Bürokratien zu kontrollieren, wird einfach auf das Ergebnis geschaut, und ein entsprechend hoher Preis gezahlt – vom Endkunden bis zum Kaffeebauern. Die Einfachheit dieser Vorgehensweise setzt seitens der Endkunden ein gewisses Maß an Vertrauen voraus: Vertrauen in den eigenen guten Geschmack, um wirklich hochwertigen Kaffee von mittelmäßigem zu unterscheiden; aber auch Vertrauen in den Röster, der meist mit seinem Namen für die Qualität und das soziale Engagement steht, statt mit Zertifikaten teurer Kontrolleure. Dieses Vertrauen, so scheint es, schenken Kunden gerne, wenn sie dafür statt anonymen Massenprodukten hohe Qualität, Transparenz, und einen persönlichen Bezug zum Produzenten bekommen, ob in Äthiopien, Kolumbien oder Ecuador.

martin moritz kaffeeverkostungDer direkte Kaffeehandel zeichnet sich insofern vor allem als Alternative für jene Kunden ab, die sich verantwortlich fühlen für die Menschen am anderen Ende der Handelskette. Es ist damit klar, dass es diese neue Form des Handels ohne die herkömmlichen Siegel, die dieses Bewusstsein geschaffen haben, nicht hätte geben können. Auch wird auf absehbare Zeit der Kaffeemarkt klar dominiert bleiben von industriell verarbeitetem Plantagenkaffee, bei dem die bestehenden Siegel die wertvolle Aufgabe erfüllen, die Einhaltung von Minimalstandards sicherzustellen. Bezüglich der zukünftigen Rolle der Direkthändler hat Carl Cervone ebenfalls eine klare Vorstellung: Wie bei Wein, mögen die Kenner „sich auf die Suche machen nach all der Vielfalt und Einzigartigkeit die es noch in den Kaffees dieser Welt zu entdecken gibt.“


Teil 1: Vetrauen statt Fairtrade
Teil 2: Transparenz & Qualität