Ja, wir haben eine goldene Ananas gewonnen, um eine beliebte Sport-Analogie aufzuwärmen: Beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg haben wir am 22. Juni den vierten Platz erreicht. Doch der Reihe nach.

Martin und Moritz sind nach wie vor in Äthiopien. Am Donnerstag, 17. Juli rufen mich (Robert) die Ausrichter des Wettbewerbs an und teilen mit, dass wir es mit unserem Coffee Circle-Business Plan von über 200 Teilnehmern unter die letzten 6 geschafft haben. Große Freude! Nun sind wir eingeladen, am 22. Juni in den Räumen der Berliner KfW-Niederlassung vor einer 13-köpfigen Jury unser Konzept in einer 5-minütigen Präsentation vorzustellen. Leider leichter gesagt, als getan ..

.. Denn wo und wie erreicht mich der Anruf: Ende Januar zogen wir nach Berlin. Ende März beginnt meine Pechsträhne. Erst bricht man in meinen Keller in Berlin Neukölln ein, dann brennt die Wohnung unter mir und die Feuerwehr bricht meine Tür auf, um meine Wohnung als Rauchabzug zu benutzen, während ich mit fünf Freunden unterwegs bin, die an jenem Wochenende zu Besuch waren. Dann breitet sich aus dem Keller eine biblische Kleidermottenplage durch das ganze Haus aus, man stiehlt mir beide Fahrradreifen und schließlich kugele ich mir beim Kite-Surfen an der Ostsee das linke Knie aus und sitze seitdem bei meinen Eltern im Garten. Das 5. OG (kein Aufzug) meiner Berliner Wohnung ist zurzeit unerreichbar.

Fünf Tage später also die Präsentation. Fünf Stunden Anfahrt für fünf Minuten Vortrag und fünf Minuten Fragen. Und 24 Stunden vorher noch eine kleine Operation: Fixateur externe entfernen.

Im Wettbewerb so weit zu kommen, ist eine schöne Leistung. Außerdem geht es nun zum einen um stattliche Prämie (1. Platz 10, 2. Platz 8 und 3. Platz 6.000 Euro) und zum anderen wird uns das Erreichen der ersten sechs Plätze hoffentlich auch einige Erwähnungen in der Presse bescheren. Deshalb ist nach einem unseren regelmäßigen Skype-Telefonate schnell entschieden, dass ich fahre.

Die weitere Ausarbeitung der Inhalte unserer Webseite stellten wir genauso zurück wie den Feinschliff an unserem Logo. Mit einer kurzen Präsentation und einem Grußwort-Video von Moritz und Martin aus Addis Abeba (ohne Bettsy) fuhr ich nach Berlin.

Nach vier Wochen im Krankenhaus und im elterlichen Garten ist die Berliner Kulisse und die Reise mit Gepäck und Krücken durchaus eine Abwechslung. Das erste, was ich nach verlassen des Zuges sehe, sind zwei im Stil der 20er-Jahre ausstaffierte Damen mit Unmengen von Einkaufstüten. Sie sprechen Russisch und werden von drei Kunst-Studentinnen mit großen Kameras umschwärmt, die amerikanisches Englisch sprechen. Berlin.

Endlich im Gebäude der KfW im Zentrum von Berlin angekommen treffe ich zuerst einen alten Bekannten: Den Gründer des Stadtmagazins Berlin & I, der wie wir im Betahaus arbeitet. Wir sind als erste an der Reihe. Es präsentieren je sechs Teams in den Kategorien Service und Technologie. Im großen Vortragsraum wartet eine L-förmig-sitzende 13-köpfige Jury sowie weitere zehn Beobachter: Durchaus eine einschüchternde Kulisse. In der Jury sitzen Vertreter zahlreicher Banken, zwei Staatssekretäre, das Energieunternehmen Vattenfall, die lokale Immobilienagentur ORCO GSG und drei Beteiligungsgesellschaften. Die Präsentation läuft gut und auch die vier anschließenden Fragen sind fair und gut zu beantworten:

Noch ist nicht bekannt, in welcher Reihenfolge die ersten drei Plätze vergeben wurden. Im Bereich Service sind die Träger der prämierten Ideen You|Se (mit Senioren Produkte für Senioren entwickeln), Berlin & I (kostenloser, zweisprachiger Stadtführer für gehobene Berliner Hotels) und ein Anbieter von eLearning-Software für Hobby-Piloten. Wir wünschen allen das nötige Glück und freuen uns auf den Festakt am 1. Juli in den Räumen der Investitionsbank Berlin!