Von Oktober bis Januar, wenn es bei uns eher grau und eisig ist, werden im Kaffeeland Kolumbien die Kaffeekirschen gepflückt. Um an die besten Bohnen zu gelangen, versuchen wir während der Ernte vor Ort zu sein. Im folgenden Beitrag berichtet euch Hannes von seinen diesjährigen Erfahrungen. 

Kolumbien-2017

Kolumbien - Sierra Nevada de Santa Marta, Januar 2017

Nachdem wir mit Kolumbien letztes Jahr ein weiteres Land in unser Kaffeesortiment aufgenommen haben, waren Martin und ich im Januar 2017 erneut dort, um uns einen Eindruck von der Kaffeeernte in der Sierra Nevada de Santa Marta zu verschaffen und unsere Handelsbeziehung zu unserer Direct Trade Partnerkooperative Coocafe zu stärken. Die Kaffeeernte beginnt in der Sierra Nevada circa Ende Oktober und reicht bis in den Januar, d.h. Mitte Januar können wir sowohl die letzten Züge der Ernte verfolgen, als auch die ersten Kaffeemuster der frischen Ernte degustieren.

Kaffeeland Kolumbien

Drei Koorperativen in 10 Tagen

Insgesamt haben wir dieses mal drei Kooperativen besucht. Am ersten Tag waren wir bei unserer Partnerkooperative Coocafe zu Besuch, von der wir unseren Sierra Nevada Kaffee beziehen. Wir wurden sehr herzlich in der Zentrale der Kooperative empfangen und haben uns bei einem Tinto ausgetauscht. Wir erfuhren, dass die Kooperative ihre Mitgliederzahl im letzten Jahr von 38 auf 67 erhöhen konnte. Dies ist ein toller Erfolg, denn alle Kooperativen-Mitglieder profitieren de facto von der Mitgliedschaft, da die Erlöse für ihren Kaffee durch die Kooperative höher sind. Ohne die Kooperative können die Farmer ihren Kaffee nicht exportieren und verkaufen ihn zu niedrigeren Preisen an die Federación National de Cafeteros (FNC).

Als kleines Präsent haben wir eine unserer Sierra Nevada Kaffeeverpackungen mitgebracht, um der Kooperative zu zeigen, wie ihr Kaffee an unsere Kunden gelangt. Die Kooperativenleitung um Alexis hat sich über diese Geste sehr gefreut und wollte direkt ein Gruppenfoto mit der Verpackung machen. Anschließend wurde die Packung im Foyer des Kooperativenbüros ausgestellt. Am Nachmittag haben wir die fünf Hektar Große Finca von Farmer Hugo besucht. Hugo ist seit zwei Jahren Mitglied von Coocafe und seine Situation hat sich durch den Beitritt zur Kooperative immens verbessert. Für Hugo war die Ernte gerade zu Ende gegangen und wir konnten noch sehen, wie das letzte Parchment auf seinen Patios getrocknet wurde. Es war toll zu sehen, wie hingabevoll Hugo den Kaffeeanbau betreibt und wie stolz er uns durch seine Finca führte.

zu Besuch bei einer KooperativeKolumbien-2017

Luis, ein leidenschaftlicher Kaffeefarmer

Am folgenden Tag besuchten wir die Kooperative "Agronevada". Am Vormittag fuhren wir die Sierra auf 1.800 Meter hinauf, wo die Finca von Luis liegt. Luis ist kein typischer „Cafetero“, der Kaffee seit mehreren Generationen, sondern erst seit 10 Jahren kultiviert - damals übernahm er die Finca. Nichtsdestotrotz ist Luis, wie alle kolumbianischen Kaffeeproduzenten, ein leidenschaftlicher Kaffeefarmer. Er achtet nicht nur darauf, dass die Pflücker akribisch genau pflücken, sondern legt sehr hohen Wert auf die korrekte Trocknung des gewaschenen Kaffees.

Luis trocknet den Pergamino-Kaffee auf erhöhten Patios, ganz nach dem Vorbild der äthiopischen Drying Beds, was dazu führt, dass der Pergamino etwas gleichmäßiger und langsamer trocknet und das Aroma des Kaffees ideal konserviert wird. Beeindruckt hat uns das ökologische Abwassersystem, das Luis bei seiner Wetmill installiert hat. Dazu wird das gesamte Abwasser, das bei dem „washing processing“ entsteht, mehrfach gefiltert und bis zu 98% gereinigt, bevor er es zur Wässerung nutzt.

Am Nachmittag haben wir im Qualitäts-Labor der Agronevada Kooperative verschiedene Lots probiert. Es war erstaunlich, dass wir im Blind-Cupping feststellen konnten, dass sich die akribische Arbeit von Luis tatsächlich in der Tasse niederschlägt. Luis' Kaffee war sehr süß und komplex, eine sehr schön ausbalancierte Tasse.

Die Arhuecos haben ihren ersten Q-Grader

Als Letztes besuchten die Kooperative ANEI. Interessant an dieser Kooperative ist, dass die meisten Mitglieder den indigenen Bevölkerungsstämmen Arhuacos, Koguis, Wiwas und Kankuamos angehören. Diese spirituellen Stämme glauben daran, dass die Sierra Nevada das Herz der Erde ist und leben in enger Verbundenheit mit der Natur. In der Vergangenheit haben die Arhuacos immer wieder durch Kolonialherren und Kämpfe zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillas und Paramilitärs leiden müssen. Umso erfreulicher ist, dass sich durch die Bildung der ANEI Kaffeekooperative ein profitables Kaffeegeschäft für die Bevölkerungsgruppen gebildet hat, was ihre Einkommensmöglichkeiten verbessert und die Entwicklung ihrer Community gefördert hat. Die Kooperative ist mit ca. 800 Mitgliedern vergleichsweise groß und wächst weiter an. In dem verschlafenen Ort Pueblo Bello haben wir eines ihrer Lagerhäuser und Qualitäts-Labs besucht. Der Leiter des Labs, Bunchanawi, hat vor kurzem seine Prüfung zum Q-Grader bestanden und ist damit der erste zertifizierte Q-Grader der Arhuecos! Gemeinsam haben wir uns durch 8 verschiedene Lots der Kooperative gecuppt und es war erstaunlich, wie unterschiedlich die Geschmacksprofile innerhalb der Kooperative waren. Von schokoladig, über nussig bis hin zu blumig süßlich konnten wir große Unterschiede feststellen.

Kolumbien-2017Kolumbien-2017

Es war hart, aber es hat sich gelohnt!

Neben den Besuchen vor Ort haben wir in vier Cupping Sessions, insgesamt über 30 verschiedene Kaffees degustiert. Neben dem Kaffee aus Coocafe haben wir weitere Highlights entdeckt, die wir im Laufe des Jahres in unser Kaffee Sortiment aufnehmen werden. Noch wollen wir nicht zu viel verraten, aber soviel ist sicher - Du kannst gespannt sein!

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