Während seiner Asien-Reise ist Christophe in die fernöstliche Kaffee-Kultur eingetaucht. In Japan besuchte er ein ganz spezielles Café: das Irukaya Café von Hiroshi Kiyota. Gut versteckt im Herzen Tokios erlebte er hier eine Kaffeezeremonie der besonderen Art.

Kaffee in Fernost
  
  

In Tokio hatte ich die Gelegenheit, dem Irukaya Café einen Besuch abzustatten, einem der wohl berüchtigtsten Cafés der Gegend. Im Vorfeld erfuhr ich von einer japanischen Freundin, dass man hierfür einen Termin vereinbaren muss. Da der Besitzer, Herr Hiroshi Kiyota, kein Englisch spricht, musste ich mich dafür auf die Hilfe meiner japanischen Begleitung verlassen. Bereits im Vorfeld hatte ich von den strikten Regeln erfahren, darunter der Beschränkung auf 2 Gäste, dem Foto- und Handyverbot sowie der Anweisung, dass man während der Zubereitung nicht mit Herrn Kiyota sprechen darf. Diese zuerst unüblich anmutenden Regeln lassen sich im Nachhinein aber gut nachvollziehen, da sie zum einzigartigen Erlebnis beitragen.

Gut versteckt im Westen Tokios

Mit der Adresse gewappnet machten wir uns nun auf den Weg zum Café. Dieses zu finden, stellte sich aber als ziemlich schwierig heraus. Das Irukaya liegt in einem unscheinbaren und ruhigen Wohnquartier in der Gegend um Mitaka, einem Stadtteil im Westen Tokios. Noch dazu ist das Café von außen beinahe nicht zu erkennen. Die Eingangstür befindet sich leicht unter dem Niveau der Straße und ist nur mit einem haftnotizgroßen Logo versehen. Nachdem wir an der Tür geklopft hatten, öffnete uns ein lächelnder Herr, begrüßte uns freundlich und bat uns hinein. Wie in Japan beim Betreten eines Wohnraumes üblich, mussten wir zunächst unsere Schuhe ausziehen. Danach setzten wir uns auf die Stühle, die sich auf einer erhöhten Plattform befanden, und blickten uns neugierig um. Wir saßen an einem langen, aus Ulmenholz gefertigten Tresen, an dessen Ende sich ein ganzes Sammelsurium an Kaffeezubereitern und Hilfsmitteln befand. Die kleine Arbeitsstation war außerdem mit einer Tischlampe versehen, während sich daneben mehrere Glasbehälter mit Kaffeebohnen aufreihten.

Kaffeeutensilien

 Herr Kiyota

  
  

Die Menükarte: Kaffee in allen Varianten

Nach einer kurzen Einführung bekamen wir die Menükarte überreicht. Diese war schlicht und dennoch schön verziert – und auf Japanisch. Jedem Kaffee ist eine eigene Seite gewidmet, in dem er detailliert beschrieben wird. Meine japanische Freundin und Herr Kiyota halfen mir zum Glück bei der Übersetzung. Als erstes probierte ich einen mit dem Nel Drip (Drip Pot Woodneck) zubereiteten Kaffee aus Indonesien („Demitasse“). Die Wahl meiner Freundin fiel auf einen Zitronenkaffee. Zugleich machte sich Herr Kiyota an die Zubereitung der beiden Kaffees.

Ein echtes Geschmackserlebnis

Für jeden Kaffee nahm er sich etwa 15-20 Minuten Zeit und bewegte sich währenddessen immer wieder von seiner Arbeitsstation zu seiner kleinen Küchennische und zurück. Es war unglaublich spannend zu sehen, mit welcher Präzision und Hingabe er die Kaffees unter dem grellen Licht der Tischlampe zubereitete. Insbesondere bei der Zubereitung mit dem Nel Drip war ich von dem beinahe perfekten „Pilz“ hin und weg. Auch geschmacklich war dieser Kaffee ein Meisterwerk, genauso wie der Zitronenkaffee. Zuerst war ich aufgrund dieser Kombination ein wenig skeptisch, doch ich sollte mich zu meinen Gunsten irren. Dieser mit einem feinporigen Schaum versehene Kaffee war etwas vom Besten, was meine Geschmacksknospen bisher erleben durften. Für das Trinken des Kaffees soll man sich nach Herrn Kiyota’s Aussage bis zu 30 Minuten Zeit nehmen. Nach einer anfänglichen (traditionell japanischen) Distanz kamen wir in ein angenehmes Gespräch mit Herrn Kiyota über Kaffee und seine(n) Beruf(ung). Anschließend ließ er mich, entgegen der strikten Regeln, ein paar Bilder machen.

Kaffee aus dem Drip Pot

  
  

Das Highlight: Kaffee mit Whiskey und Sahne

Nach rund einer Stunde bestellten wir beide einen weiteren Kaffee – darunter einen Kaffee zubereitet mit schottischem Whiskey und einer Schicht Sahne. Dieser war der Höhepunkt meines Besuchs im Irukaya Café. Der in einem Champagnerglas servierte Kaffee war in jeder Hinsicht ein harmonisches Gedicht. Dabei sollte ich noch anfügen, dass das Irukaya über eine umfangreiche Auswahl an hochwertigen Whiskeys verfügt (die allerdings nur zusammen mit einem Kaffee bestellt werden können).

Zurück im Alltag und um eine Kaffee-Erfahrung reicher

Am Schluss bezahlten wir unsere Kaffees und verabschiedeten uns. Nach einem zweistündigen Abtauchen in die Oase des Kaffees waren wir wieder auf der ruhigen Seitenstraße, umgeben von der kühlen Tokioter Abendluft.

Infos:
Irukaya, 5-7-39 Inokashira, Mitaka-shi, // Tokio // +81 (0) 90 3042 4145 // Mo-So: 14-0 Uhr, Mi geschlossen // http://yubisaki.exblog.jp/  

In seinem zweiten Beitrag berichtet Christophe von seinen Kaffee-Erfahrungen in Seoul.

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