Wein… man trinkt ihn nicht nur, sondern man genießt und erlebt ihn. Für Weinliebhaber ist er nicht nur ein Mittel zum Zweck. Es ist nicht ein einzelner Inhaltsstoff, wie zum Beispiel der Alkohol, der im Vordergrund steht, sondern vielmehr das im Idealfall kunsthandwerkliche Zusammenspiel aus Aroma, Säure- und Alkoholgehalt. Ein solcher Umgang mit Wein ist der Mehrheit der Menschen nicht fremd. Zwar wird er nicht von allen so gepflegt, aber ihm haftet unbestritten etwas vornehmes, kultiviertes an. Das beweist vielleicht diese (rhetorische) Frage: Gefällt Ihnen der Gedanke, auf Knopfdruck ein Glas Wein aus einem Getränkespender zu erhalten?

Wein aus einem Getränkespender trinken? Unvorstellbar. Warum machen wir das dann mit Kaffee?Komischerweise findet dieses Phänomen, Genussgetränk auf Knopfdruck, große Verbreit- ung in unseren Breitengraden. Und das ausgerechnet beim Lieblings- und meistgetrunk- enen Getränk der Deutschen (nach Mineralwasser): Beim Kaffee!  Pad- und Kapsel- maschinen sind schon lange keine Seltenheit mehr. Sie profitieren von der Vorliebe vieler Konsumenten für ‚Convenience‘ (Bequemlichkeit) und von den vielen eine-Person-Haus- halten. Viele Kunden fragen uns, warum wir nicht mit diesem offensichtlichen Trend mitgehen und Pads bzw. Kapseln mit unserem Kaffee anbieten. Wir haben intensiv darüber nachgedacht, uns dann aber letztendlich dagegen entschieden, Pads oder Kapseln zu produzieren, die mit einer gängigen Pad- bzw. Kapselmaschine kompatibel sind. Darin liegt nämlich schon der erste Nachteil: Bisher haben sich die großen Marken (z.B. Nestlé mit Nespresso oder Philips mit Senseo) auf keine standardisierte Größe geeinigt. So muss sich der Kunde also schon beim Kauf einer Kaffeemaschine, die im Übrigen meist sehr günstig ist, entscheiden, welchen Kaffee er für die nächsten Jahre trinken möchte.  

Teuer wird das ‚Kapseltrinken‘ (z.B. Nespresso von Nestlé) erst im alltäglichen Gebrauch. „Bei dem Kaffee bedeutet das je nach Sorte zwischen fünf und sechs Gramm für gut 30 Cent. Das macht im billigsten Fall 25 Euro für das Pfund (=500g)“, rechnet die Zeitung Die Welt hier vor. Ein sehr hoher Preis dafür, dass der Kaffee nur ‚UTZ certified‘ ist, denn dieses Siegel versteht sich eher als Minimalstandard. So lassen der Anbau und die (oft industrielle) Verarbeitung an Qualität vermissen (mehr zur Bedeutung und zum Anspruch der bekanntesten Fair Trade-Systeme findet ihr hier).


100 Tassen Kaffee produzieren unterschiedlich viel MüllHinzu kommt, dass die Kapseln, egal ob sie aus Aluminium oder Plastik bestehen, sehr viel Müll bedeuten. Im Idealfall werden sie vom Kaffee gesäubert, bevor sie in den gelben Müll entsorgt werden. „Aber selbst wenn jeder so vorbildlich wäre: Eine Kapselmaschine produziert je nach System 2 bis 3 Gramm Abfall pro Tasse, bis zu 15 mal mehr Müll als Filterkaffee, und bis zu knapp 4 mal so viel wie Pad-Kaffee.“ stellt HR Online hier entzürnt fest. Das passt einfach nicht zu unserem Verständnis von Nachhaltigkeit.

Bekanntlich geht nichts über frisch gemahlenen Kaffee, denn bei Sauerstoff-, Wärme- und Lichteinfluss verflüchtigt sich neben dem typischen Kaffeegeruch die vielen feinen Kaffeearomen, die einen Kaffee so besonders machen. In einem Kaffeepad ist der Kaffee konstant diesen Aromaventil: Verhindert das Platzen unserer Kaffeepackungen auf Grund von KohlenstoffdioxidUmwelteinflüssen ausgesetzt und verliert dadurch in kurzer Zeit an Geschmacks- qualität. Der Verbraucher kann selbst bei schnellem Verbrauch diesen unerwünschten Nebeneffekt nicht mehr rückgängig machen, weil der Kaffee, bevor er verpackt wird, nach der Röstung schon ein paar Tage offen lag. Das wird in der Industrie oft so gemacht, weil Kaffee in den ersten ein bis drei Tagen Kohlenstoffdioxid abgibt, welches eine herkömmliche Vakuumverpackung zum Platzen bringen würde. Für diesen Zweck haben unsere Kaffeeverpackungen übrigens ein Aromaventil. Wir packen unseren Kaffee direkt nach der Röstung ab und schützen ihn so vor diesem Aroma- und Qualitätsverlust.

Aber einmal abgesehen von allen qualitativen Einbußen und  den negativen Umwelteinflüssen-  halten wir uns doch mal vor Augen, was Kaffeetrinken im Ursprungsland des Kaffees, Äthiopien, bedeutet: So gut wie jede äthiopische Familie trifft sich ein bis drei mal am Tag zum gemeinsamen Kaffeegenuss. Die jüngste der anwesenden Frauen übernimmt die Rolle der Zeremonienmeisterin. Sie röstet und mahlt die Kaffeebohnen vor den versammelten Teilnehmern. Zusammen trinkt man drei Runden Kaffee - woraufhin die Zeremonie beendet ist. In Äthiopien ist das Kaffeekochen ein Gemeinschaftsritual. Kaffee wird nicht als Energielieferant, sondern als ein verbindendes Glied zwischen den Menschen betrachtet. Ein ‚anonymes‘ Kaffeekochen, mit Kapseln oder Pads, würde dort diesem Grundgedanken widersprechen. 

Ich denke, dass die meisten unserer Kunden, um nicht zu sagen alle, bewusste Genießer in vielen Bereichen des Lebens sind. Man muss das Kaffeekochen ja nicht in dem Ausmaß zelebrieren, wie es die Äthiopier tun- immerhin unterscheiden sich unsere Kulturen doch entscheidend. Trotzdem ist es schön, für bestimmte Dinge, die uns täglich erfreuen, ein größeres Bewusstsein zu entwickeln, ihren tatsächlichen Wert wieder schätzen zu lernen und sich aus diesem Grund mehr Zeit für sie zu nehmen.