Isi und Adrian gehörten lange Zeit zu Coffee Circle. 2015 gingen die Zwei zusammen für ein Jahr nach Laos, um dort für eine NGO zu arbeiten, die die laotischen Kaffeebauern unterstützen und den Spezialitätenmarkt fördern will. Hier erzählen die beiden, was sie erlebt und gelernt haben.

Jhai Coffee House

Ein halbes Jahr voller Aufregung liegt hinter uns. Was wir über laotischen Kaffee und Kooperativenaufbau gelernt haben und warum deine Unterstützung für einen Roadtrip durch die USA, laotischen Kaffeefarmern direkt helfen kann, erzählen wir dir hier.

Das Jhai Coffee House 

Wir, Adrian und Isabell (ehem. Coffee Circle), haben in Laos für die US-amerikanische NGO Jhai Coffee House gearbeitet. Jhai versucht den Spagat zwischen Spezialitätenkaffee sowie Bildung und Trinkwasserversorgung auf dem Bolaven Plateau, in Laos zu meistern. Kommt euch bekannt vor? Uns auch. Trotzdem ist alles ganz anders als in Äthiopien. Das Jhai Coffee House ist ein tatsächliches Kaffeehaus. Touristen können frisch gerösteten laotischen Kaffee probieren und mehr über die Kooperative erfahren.

Jhai Coffee House

Die Gewinne des Cafés werden in Bau von Trinkwasserbrunnen und Hygienetrainings an den Grundschulen in den Kaffeedörfern reinvestiert. Gleichzeitig ist das Café auch Treffpunkt für die Farmer der Jhai Coffee Farmer’s Cooperative (JCFC). Zur JCFC gehören 64 Kaffeedörfer, die auf dem Bolaven Plateau verstreut sind. Für uns war das Café unser Zuhause, Schlafplatz und Ort von vielen verschiedenen Begegnungen mit Farmern und Touristen. Zum Jhai-Team gehören Tyson, der Gründer, Jackie Thao und Wock, seine laotischen Partner sowie Michael und Cana von der NGO Filanthrope.

Wir schaffen das – 12 Tonnen Spezialitätenkaffee

Beim ersten großen Kooperativentreffen Mitte Oktober, entschieden die Mitglieder ein noch nie dagewesenes Spezialitätenkaffeeprogramm zu starten. Acht Modelldörfer wurden dafür ausgewählt. Ziel des Programms: 12 Tonnen Arabica Typica in die USA zu exportieren. Laos soll auf dem Spezialitätenkaffeemarkt bekannt gemacht werden. Kaffee auf Spezialitätenniveau (Cup score >80) gab es aus Südostasien in dieser Menge noch nie - schon gar nicht transparent gehandelt. Laos hat als ursprüngliches Teeland keine lange Kaffeekultur. So mussten wir zu unserer Überraschung schnell feststellen, dass die Kaffeefarmer ihr eigenes Produkt selten selbst trinken, geschweige denn benennen können, was geschmacklich einen guten Kaffee von einem schlechten Kaffee unterscheidet.

Kooperativentreffen

Trainings vom Pflücken über die Verarbeitung bis zum Trocknen der Kaffeekirschen

Das Potential ist da. Das hatte uns bereits der erste Schluck von der Vorjahresernte verraten. Die Kaffeefarmer waren motiviert. Bei den täglichen Dorfbesuchen wurden Tipps jeglicher Art gerne angenommen. Diese Tipps fangen bei den Kaffeesetzlingen und Kompost an und hören bei der Verarbeitung und dem Export des Kaffees auf. Zu abstrakt? Einige Beispiele: Kann man Trocknungstische aus gespaltenem Bambus bauen? Wie lagert man den Kaffee im Dorf am besten? Sind ungefließte Fermentierungstanks auch ok? Warum hat das Parchment eine rötliche Färbung? So haben wir in den gewählten acht Kaffeedörfern den Aufbau von neuen Verarbeitungsstationen begleitet. Dazu gehören Wasch- und Fermentierungstanks, ein Waschkanal und überdachte Trocknungstische.

Trainings zum Trocknen der Kirschen

Mit der Unterstützung der Vibrant Village Foundation konnten wir sogar neue Pulper finanzieren. Pulper sind Maschinen, die das Fruchtfleisch von den Bohnen trennt. Insgesamt ist in Laos die Verarbeitung deutlich dezentraler organisiert als z.B. in Äthiopien. Hier hat fast jede zweite Familie ihre eigene kleine Verarbeitungsstation. Das ist eine große Herausforderung für das Qualitätsmanagement und jede Dorfsituation ist anders. Mit dem Bau der neuen Verarbeitungsstationen wurden drei Qualitätsmanager pro Dorf gewählt. Sie sollten den gesamten Verarbeitungsprozess anleiten. Es folgten etliche Trainings zum Pflücken, Verarbeiten als auch zum Trocknen und Handselektieren der Kaffeekirschen.

„There are no shortcuts in development aid“

Jetzt stellt euch das nicht wie eine „Weiterbildung“ in Europa vor. Weit gefehlt. Alles benötigt mehr Zeit. Als Europäer mit dem Wissen um den Spezialitätenmarkt trafen wir auf interessierte Kaffeefarmer, für die „Weltmarkt“ und „Profilröstungen“ vollkommen abstrakte Wortgebilde sind. Wir kamen nach Laos für Kaffee- und Hygienetrainings und nach kurzer Zeit befanden wir uns am Anfang von Basisentwicklungsarbeit. Unsere wichtigste Lehre: Bei erfolgreicher Entwicklungsarbeit gibt es keine Abkürzungen. Sie beginnt mit dem Investment von viel Zeit für die Situation und die Menschen vor Ort, nicht mit viel Geld. Wir können viele Geschichten davon erzählen, was wir gemacht haben und warum es die „ideale“ Lösung nicht gibt. Wenn euch das interessiert, zögert nicht uns eine Mail zu schreiben an adrian@jhaicoffeehouse.com oder isabell@jhaicoffeehouse.com.

Herausforderung Kooperativenaufbau – Eine Gemeinschaft entwickelt sich

Die Kaffeekultur steckt in Laos noch in den Kinderschuhen. Das gilt auch für die Kooperativenstruktur. Dabei war und ist die größte Herausforderung das „Wir-Gefühl“. Die JCFC funktioniert so: Vier Männer stehen als Management an der Spitze. Diese sind für Finanzen, Lagerhaus, Verkauf und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Darüber hinaus gibt es in jedem Ort einen Dorfchef. Es finden relativ regelmäßig Kooperativentreffen statt, bei denen das Management und die Dorfchefs zusammenkommen. Dabei wird vor allem über den Kaffeeverkauf diskutiert. In diesem Jahr haben wir festgestellt, dass kein Dorfchef einen Überblick über die Finanzen der Kooperative hat. Zudem zahlte das Management nur nach Gewicht, nicht nach Qualität. Das schürt natürlich viel Misstrauen und Unmut. Deshalb haben sich die Dorfchefs darauf geeinigt, dass sie nach Qualität bezahlt werden wollen.

CupingKooperativentreffen

Außerdem wurde beschlossen, dass der gesamte Erlös zu 90% direkt an die Farmer ausgezahlt wird und die restlichen 10% der Kooperative zur Verfügung stehen. Über die Verwendung der 10% sollten dann Management und Dorfchefs zusammen entscheiden. Denn der Strom vom Lagerhaus sowie der Transport der Bohnen muss bezahlt werden und finanzielle Rücklagen für Notfälle sollen aufgebaut werden. Das wäre ein Kooperativenmodell nach dem Grundsatz „Von Farmern für Farmer“ - ein völlig neues Konzept. Es brauchte viele Diskussionen, Geduld und Transparenz über die Finanzen. Letztlich sahen auch die Dorfchefs den Vorteil und die Dringlichkeit des 10% Anteils, um als Kooperative handlungsfähig zu sein. Für das Funktionieren der Kooperative ist es enorm wichtig, dass der Gedanke der transparenten Bezahlung verstanden und über die Mittelverwendung gemeinsam diskutiert wird.

Der Faktor Bildung – Was laotischen Kaffeefarmern fehlt

Wie so oft: Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg. Einige Dörfer haben dieses Jahr bis zu 30% ihrer Kaffeeernte verloren. Der Grund dafür waren zu kleine Bohnen oder Insektendefekte. Diesen minderwertigen Kaffee können die Farmer nur zu einem deutlich geringeren lokalen Marktpreis verkaufen. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: 1. Die Farmer haben nie gelernt wie man Kompost macht und welche Nährstoffe die Kaffeepflanze zu welchem Zeitpunkt der Wachstumsphase benötigt. 2. Es gibt in Laos keine Schulungen wie man Insektenbefall erkennt und (auf natürliche Weise) bekämpft. Es geht sogar soweit, dass das vom GIZ-finanzierte „Coffee Research Center“ auf dem Bolaven Plateau defekte Setzlinge an die Farmer verkauft. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt fällt in den Bereich Kaffeeverkauf. Wenn ich nicht weiß, wie gut mein Kaffee tatsächlich ist, wie kann ich dann den angemessenen Preis auf dem Markt dafür bekommen? Seit Jahren schon kommen immer wieder v.a. vietnamesische Kaffeeeinkäufer nach Laos und zahlen unabhängig von Qualität den „Marktpreis“. Da die Sparkultur in Laos nicht sehr großgeschrieben ist, wird oft schnell Cash benötigt und so in schlechte Deals eingewilligt. Mit der Hilfe von Filanthrope und unserem Partner Good Coffee, eine Art kanadischer Coffee Circle, konnten wir dieses Jahr einen Einkommensanstieg je Farmer von 30-64% im Vergleich zu den Vorjahren erreichen. Neben der erforderlichen Kaffeekompetenz, ist auch die Sprache eine weitere große Hürde. Nur sehr wenige Laoten sprechen Englisch und wenn, dann nicht verhandlungssicher. Dass Englischkompetenz, Kaffeewissen und Marktverständnis in einer Person zusammenkommen, haben wir so nicht erlebt. Dieser Strukturaufbau wird noch einige Jahre benötigen.

Direkte Hilfe – Ein Roadtrip für die Zukunft laotischer Kaffeefarmer

Und nun? Ziel ist es den laotischen Kaffee in der Spezialitätenkaffeewelt bekannt zu machen. Größere Bekanntheit = mehr Rohkaffeekäufer = langfristiger Absatzmarkt mit fairen Preisen für die Farmer. Dafür werden Michael und Cana (Filanthrope) und Tyson (Jhai Coffee House) diesen Sommer einen Roadtrip entlang der Ost- und Westküste der USA machen. Laotischer Kaffee soll bei den 40 besten und am fairen Handel interessierten Röstereien vorgestellt werden. Wenn du das unterstützen möchtest und so die Grundlage für ein besseres Leben der laotischen Kaffeebauern legen möchtest, dann schau dir ihre Crowdfunding Kampagne hier an:

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