Pünktlich zum Start der Fußball-WM 2014 werfen wir einen Blick auf das Gastgeberland. Unangefochtener Weltmeister sind die Brasilianer schon seit jeher in einer ganz besonderen Disziplin: Sie produzieren den meisten Kaffee!

Eine von rund 220.000 Fazendas - landwirtschaftliche Großbetriebe

Brasilien ‒ allein der Klang des Wortes löst Fernweh aus. Die Kette der Assoziationen mit dem größten südamerikanischen Land ist lang: Copacabana und Ipanema, Amazonas und Regenwald, Rio und der Zuckerhut, Strandschönheiten, Caipirinha, Samba, Karneval. Und natürlich auch: Fußball.

Dabei ist Brasilien so viel mehr als nur eine exotische Projektionsfläche für sehnsuchtsgeplagte Europäer. Aus unserer Perspektive hier bei Coffee Circle steht das fünftgrößte Land der Erde natürlich vor allem auch für eines: Kaffee!

Brasilianische Kaffeekultur

Schon der große österreichische Schriftsteller Stefan Zweig, der das Land in den 1940er Jahren bereiste und seine Erlebnisse in dem Buch „Brasilien ‒ Ein Land der Zukunft“ schilderte, zeigte sich beeindruckt von der dortigen Kaffeekultur: „Besucht man in Brasilien ein Haus, so wird einem zu jeder Stunde des Tages Kaffee angeboten, köstlicher schwarzer Kaffee in kleinen Tassen, es ist hier eine Selbstverständlichkeit. Man trinkt ihn auf andere Art als bei uns ‒ oder vielmehr, man trinkt ihn gar nicht, sondern stülpt ihn mit einem einzigen scharfen Ruck hinunter wie einen Likör, ganz heiß, so heiß, dass, wie man hierzulande sagt, ein Hund heulend davonlaufen würde, wenn man ein paar Tropfen auf ihn schüttete.“ 

Der berühmte cafezinho ‒ klein, stark, schwarz ‒ prägt heute wie damals den brasilianischen Alltag. Aus Cafés, Privathäusern oder Büros nicht wegzudenken, wird er vielerorts sogar kostenlos angeboten. Mit einem jährlichen Konsum von fast 20 Millionen Säcken Rohkaffee (à 60 Kilogramm) ist Brasilien der weltweit zweitgrößte Kaffeekonsument und wird Prognosen zufolge bis zum Jahr 2019 sogar den aktuellen Spitzenreiter USA ablösen.

Brasilien ist weltgrößter Kaffeeproduzent und -exporteurDer berühmte cafezinho - klein, stark, schwarz

Primus auf dem Weltmarkt

Weltgrößter Kaffeeproduzent und -exporteur ist Brasilien schon ‒ und das seit 150 Jahren! Mit 2,7 Millionen Tonnen pro Jahr ist das Land heute für fast ein Drittel der Weltproduktion verantwortlich. Mit 80 Prozent der Weltproduktion besaß Brasilien in den 1920er Jahren sogar ein Quasi-Monopol. Mit dem Aufstieg anderer Produzentenländer sank diese Quote jedoch kontinuierlich.

Nach wie vor hat der Kaffeeanbau eine enorme Bedeutung für die brasilianische Wirtschaft und macht ungefähr 10 Prozent des Bruttosozialprodukts und 20 Prozent des Exports aus. Ungefähr 3,5 Millionen Menschen sind in rund 220.000 Fazendas (landwirtschaftlichen Großbetrieben) beschäftigt, die sich über 2 Millionen Hektar Land und in Höhenlagen zwischen 200 und 1200 Meter erstrecken.

Kaffeebauer in Brasilien

http://cafedomoco.blogspot.de/2010/02/cafe-organico.html

Anbaugebiete und Sorten

Wegen der günstigen klimatischen Bedingungen werden über 90 Prozent des brasilianischen Kaffees in den südöstlichen Bundesstaaten Espírito Santo, Minas Gerais, Paraná und São Paulo angebaut. Überwiegend geschieht dies auf Plantagen, auf denen der Kaffee in Monokultur und ohne Schatten wächst. Die Schattenseite dieses Systems, das Höchsterträge bei schnellen, hohen Gewinnen anstrebt, ist der großzügige Einsatz von Pestiziden, der in Brasilien enorme ökologische und gesundheitliche Schäden verursacht.

Neben Arabica wird seit einigen Jahren auch vermehrt Robusta angebaut. Die bekanntesten brasilianischen Arabica-Sorten, die wenig Säure haben und im Geschmack leicht süßlich sind, heißen Santos und Bourbon Santos. In westlichen Industrieländern wird brasilianischer Kaffee gern für Mischungen verwendet, so dass er in fast keinem Espresso fehlt, der in den USA, Europa oder Japan getrunken wird.

Legendäre Anfänge

Angesichts der tiefen Verwurzelung von Kaffee in der brasilianischen Kultur und der vielen Superlative, mit denen sich die brasilianische Produktion schmücken kann, mag es verwundern, dass die Kaffeepflanze hier ursprünglich gar nicht vorkommt. Originär aus Äthiopien, gelangten die ersten Kaffeesamen erst im Jahr 1727 nach Brasilien ‒ als Schmuggelgut!

Dem in Brasilien lebenden Portugiesen Francisco de Melo Palheta war es auf einer Reise ins angrenzende Französisch-Guayana nicht gelungen, den dortigen Gouverneur davon zu überzeugen, ihm einige Kaffeepflanzen zu überlassen. Der französische König hatte dem Wunsch aus brasilianischer Richtung vehement widersprochen.

Der Legende nach zeigten die charmanten Avancen des jungen Portugiesen bei der Frau des Gouverneurs jedoch schnell Wirkung. Mit ihrer Hilfe konnte Melo Palheta einige Kaffeesamen ‒ versteckt in einem Blumenstrauß! ‒ über die Grenze bringen. Dieser abenteuerliche Vorgang markiert die Geburtsstunde des brasilianischen Kaffee-Booms, der das gesamte 19. Jahrhundert prägen sollte.

Wie der Kaffee nach Brasilien kamEine historische Fazenda

Kaffee und WM

Was kennzeichnet brasilianischen Kaffee? Stefan Zweig beschrieb ihn als „zauberhaft würzig, stark und nervenbelebend, ein schwarzes Feuer, das die Sinne heller und die Gedanken klarer macht“. Angesichts dieser Wirkung und mit Blick auf WM-Spiele, die wir Europäer erst zu mitternächtlicher Stunde verfolgen können, wird die Essenz aus der schwarzen Bohne vielleicht sogar zum beliebten WM-Getränk avancieren. Wir sind gespannt!

Bildquellen

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