Eins gleich vorweg: Ich war zwei Tage lang auf der Messe unterwegs. Und am Ende wußte ich einmal mehr, warum wir Coffee Circle gegründet haben: Kaffee mit Erdbeer, mit Rhabarber, mit Pfirsich- oder Schokoladen-Noten — das gab es alles. Und da war nichts mit Geschmacksstoffen und Zucker vergesetzt. So gut kann Kaffee schmecken! Ist wahrscheinlich nichts für jeden Tag, aber eine interessante Abwechslung. Man muss solche Kaffees nur finden und gut rösten. So extravagante Kaffees bieten wir noch nicht an. Aber wir denken über entsprechende Kleinserien nach, die dann natürlich jeweils nur den Geschmackswunsch einiger Kunden treffen. Deshalb müssen wir noch etwas wachsen. Aber das kommt. :)
Doch wofür steht SCAE? Für "Speciality Coffee Association of Europe", dem europäischen Verband der Unternehmen, die nach dem ultimativ guten Kaffee suchen. Ziel des 1998 in London gegründeten Verbandes ist die gemeinsame Interessenvertretung aller kleinen Röster und Unternehmen, die gute Kaffees anbieten.

Die diesjährige Europa-Messe fand zusammen mit fünf Weltmeisterschaften im holländischen Maastricht statt. Neben Ausstellern von Espresso- und Kaffeezubehör sowie zahlreichen Kleinröstern und Vertretern vieler Anbauländer fielen vor allem die Schlachtenbummler der Nationalmannschaften auf. Denn die Landesmeister aller interessierten Länder nahmen an fünf Weltmeisterschaften teil, von denen einige zum ersten Mal stattfanden. Kaffee ist im kommen; finden wir ja auch. ;)

Oben im Bild seht Ihr den italienischen und griechischen Landesmeister bei der Meisterschaft "Coffee in Good Spirits", also Kaffee-Kreationen mit Alkohol. Was hier geboten wurde, ließ erkennen, dass die meisten Teilnehmer tagsüber in Restaurants und Bars arbeiten. Dänisches Joghurt mit andalusischem Honig und frischem Apfel-Kompott gemischt mit Eis und einem nach allen Regeln der Kunst gebrautem Espresso. Da möchte man Preisrichter sein... Diese erkennt Ihr jeweils im Hintergrund bei der Geruchs- und Geschmacksbewertung.

Besser gefiel mir da schon die Meisterschaft in der Filterkaffee-Zubereitung (mit der Chemex-Karaffe, der AeroPress und dem Hario v60 Porzellanfilter). Die Wettkämpfer, oben rechts im Bild, wurden von einem Moderator vorgestellt und interviewt. Nach der Zubereitung konnte man die eingereichten Kaffees verkosten. Das erklärt die lange Schlange rechts im Bild. Oben links seht Ihr den polnischen Champion bei der parallel stattfindenden Cupping-WM. Bei dieser bestand die Aufgabe darin, durch Verkosten der Kaffees innerhalb von acht Minuten acht Mal aus drei Kaffeetassen die beiden identischen auszuwählen.

Oben links im Bild seht Ihr einen weiteren Titelanwärter bei der Kaffee-Zubereitung mit dem Hario Buono-Kessel und dem Hario Server. Schön zu wissen, dass wir auch jeden Morgen unseren Kaffee so zubereiten. Und oben rechts der Kracher: Was Ihr dort seht, ist ein Refraktometer. Dieses Gerät misst, nachem man eingegeben hat, wie viel ml Wasser und wie viel g Kaffee verwendet wurden, die Lichtbrechung im Kaffee und schließt daraus auf die Extraktion der Kaffeearomen. Cool, dass das bei den Meisterschaften verwendet wird! Ich überleg immer, ob ich es mir als iPhone Add-on kaufe (hier geht's zu einer App). Bitte Bescheid sagen, wenn eine LeserIn weiß, wo man es in Europa kaufen kann.
Und dies sind die Weltmeisterschafts-Trophäen in Form von Espresso-Tampern. Gewonnen haben:
- World Latte Art Champion: Chris Loukakis (Griechenland)
- World Coffee in Good Spirits Champion: Gerard Meylaers (Belgien)
- World Cup Tasters Champion: Kyriakos Ouzoundis (Griechenland)
- World Brewers Cup: Keith O’Sullivan (Irland)
- World Cezve/Ibrik Champion: Bae Jin-Saol (Südkorea)
Unseren herzlichen Coffee Circle-Glückwunsch!

Weiter geht es mit dem Messe-Rundgang: Am Stand von Dalla Corte konnte ich etwas ausprobieren, wovon ich bislang nur gehört hatte. Eine Espresso-Maschine, an deren drei Brühköpfen sich die Temperatur separat einstellen lässt. Das braucht zwar kein Mensch (jedoch vielleicht einige sehr große Cafés), aber es erlaubt ein eindrucksvolles Experiment. Wie schmeckt der exakt gleich gemahlene Espresso, wenn die Brühtemperatur 92°C, 94°C und 96°C beträgt? Sehr unterschiedlich bzw. recht fad, sehr gut und bitter. Gerade beim Espresso hängt, das wird einmal mehr klar, sehr viel vom richtigen Mahlgrad und der richtigen Wassertemperatur ab. Und richtig ist von Espresso zu Espresso unterschiedlich. Wenn Ihr also unseren Bio-Espresso oder einen anderen kauft, dann stellt Euch darauf ein, dass Ihr erst einmal mit 10-20 Espressi probieren müsst, bis die Einstellungen stimmen. Oben rechts im Bild der Chef-Techniker von Dalla Corte.

Neben den professionellen Messeständen gab es auch ein "The Village" genanntes Areal, in dem sich Kleinröster und Zubehör-Händler aus den BENELUX-Ländern tummelten und in dem man in entspannter Athmosphäre Kaffee probieren konnte. Oben links der Überblick über das Village und oben rechts eine Kaffeeverkostung am langgezogenen Stand der indischen Delegation.

Zurück an den Ausstellerständen gefielen mit zwei Geräte besonders. Die mit 2.300 Euro recht teure Maschine oben links zaubert in 20-30 Sekunden einen exzellenten French Press-Kaffee. Die Dauer, Stärke und Art der Verwirbelungen im Trichter sind dabei auf den Kaffee anpassbar. Wenn ich ein Café oder Hotel hätte und in hoher Frequenz sehr guten French Press-Kaffee servieren müsste, käme diese Maschine nur aufgrund des Geschmacks in die engere Auswahl. Und oben rechts seht Ihr einen Gast aus Japan, der perfekten Syphon-Kaffee kredenzte. Kaffee aus dem Syphon ist auch bei unseren Kaffeeverkostungen immer ein Spektakel (z.B. hier).

Außerdem gab es sehr schöne, aus Original-Kaffeesäcken gefertigte Taschen. Diese könnt Ihr bei der liebenswerten Designerin des traditionsWerks Fürth hier online bestellen. Es gibt Sie in vielerlei Art, Form und Größe (Laptop-Tasche, Handtasche, Strandtasche) und die Verarbeitung ist erstklassig!

Bei der Kaffeeauswahl und -verkostung orientiert man sich am so genannten Coffee Flavor Wheel. Dieses Geschmacksrad hat 34 grobe und 36 feinere Abstufungen für mögliche Kaffee-Aromen und Geschmäcker. Wie dem auch sei: Ein belgischer Röster hat einige Geschmacksarten gebraut und an einer Tafel nebeneinander aufgestellt. Das war eine gute Idee! Außerdem habe ich, noch bevor er bei uns im Shop eintraf, den neuen Tassenaufsatz der deutschen Firma Wallküre sehen können. Auch der ist in Design und Funktionalität ein Volltreffer.

Und zu guter Letzt findet Ihr unten ein Video mit dem Ablauf der Filterkaffee-Weltmeisterschaft. Ich weiß, dass der zukünftige Champion unter Euch ist! :)


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