Nach unserem Umzug nach Berlin schrieben wir zuerst unseren so genannten Business Plan. Da wir uns um einen Förderkredit bei einer Bank bemühen, war dies für uns unverzichtbar. In einem sehr zu empfehlenden Leitfaden lasen wir, dass es rund 200 Stunden dauert, eine gute erste Version zusammenzustellen. Wir hielten dies für übertrieben, wurden aber eines besseren belehrt. Hauptvorteil eines Business Plans, egal welchen Umfang man wählt, ist, dass man sich selbst alle kritischen Fragen stellen muss — auch die unangenehmen. Wer partout der Meinung ist, dass die eigene Idee Erfolg haben würde und auch über das nötige Kleingeld verfügt, dem sei das Buch „Kopf schlägt Kapital“ empfohlen. Es zeigt an vielen Beispielen aus dem Umfeld des Autors auf, wie unkompliziert Gründen sein kann und dass sich mittlerweile sehr vieles günstig einkaufen lässt.

Nun, wir schrieben unseren Business Plan und reichten ihn kurz vor Ostern bei vier Banken ein. Der Kreditentscheidungsprozess dauert insgesamt rund zwölf Wochen, denn drei Banken sind beteiligt: Unsere Hausbank, die Förderbank (bspw. die KfW) und die Bürgschaftsbank. Wir mussten uns darüber Gedanken machen, wer für die Umsetzung der vielen verschiedenen Aufgaben zuständig ist. Bei uns gilt, dass einer von uns dreien jede Entscheidung vorbereitet und wir diese anschließend einvernehmlich treffen.

  • First and foremost: Kaffee. Wir mussten unsere Kontakte nach Äthiopien und zu äthiopischen Bauern und Kooperativen nutzen, um Herauszufinden, wer noch richtig gute Kaffees, vielleicht sogar einen Geheimtipp, liefern kann. Denn geerntet wird von November bis Februar. Wir waren also spät dran. Außerdem müssen unsere Farmer bereit sein, sich Entwicklungsprojekte finanzieren zu lassen. Klingt nach keiner großen Hürde, aber man kennt uns nicht, auch der Projektansatz ist neu und überhaupt: Wo ist der Haken? Das haben wir größtenteils gelöst. Moritz und Martin sind nun für vier Wochen in Äthiopien und schließen Verträge und Abmachungen.
  • Der Kaffeetransport nach Berlin ist auch nicht ohne. Denn Kaffee wird Container-weise verschifft. In einen Standard-Container passen 18 Tonnen. Den muss man bezahlen, auch wenn man weniger verschifft. Da unser Kaffee immer frisch sein soll und wir in diesem Jahr nicht mal eine halbe Container-Ladung kaufen werden, standen wir vor einem teuren Problem. Außerdem sollte Kaffee nicht mit anderen Gütern zusammen verschifft werden. Denn die Kaffeebohnen nehmen sehr schnell fremde Aromen an. Vor drei Wochen fanden wir schließlich jemanden, der sich mit uns einen Container teilt. Puh.
  • Und schließlich die Röstung. Erste Frage: Heissluft- oder Trommelröstung. Erstere dauert 1-8 Minuten und belässt einen Großteil der bei der Röstung entstehenden strengen und aggressiven Säuren in den Bohnen. Das kann auf den Magen schlagen. Aber die Methode ist sehr billig. Kein Wunder, dass sie beim Großteil der günstigen, in den Supermärkten erhältlichen namhaften Kaffees zur Anwendung kommt. Die traditionelle Röstung in einer sich langsam drehenden, von außen beheizten Trommel dauert 12-18 Minuten. Entstehende Säuren werden während des Röstvorgangs größtenteils wieder abgebaut und die Aromen kommen stärker zur Entfaltung. Unser Kaffee will in die Trommel. Zweite Frage: Wer macht‘s? Die Geschmackserwartungen, Röstgewohnheiten und Brühverfahren sind nach Land und Kultur sehr unterschiedlich. Das heißt, das wir einen Röster brauchen, der uns bei der Auswahl der Kaffees unterstützt und der unsere Kaffees schließlich auch so rösten kann, dass sie ihr maximales Geschmackspotenzial entfalten und unseren Kunden „richtig“ schmecken. Eine Studienfreundin konnte den Kontakt zu einem der besten deutschen Röster herstellen. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Letztlich war es wohl unser neuartiger Geschäftsansatz, der uns seine Mithilfe sicherte.
  • Auch beim Design und in der Vermarktung haben wir uns viel vorgenommen. Wir möchten frischen Wind in den Kaffeemarkt bringen. Unseren Verpackungen, unser Logo, das Design unserer Webseite und unsere Kommunikationsbotschaften sollen uns, unsere Vision und das Lebensgefühl unserer Kunden verkörpern. Keine leichte Aufgabe. Wir haben trotz unseres knappen Budgets einige der namhaftesten Agenturen Deutschlands besucht (bspw. 2ghKakoiiZum Goldenen HirschenPentagramjustblue und Kveln). Und wir haben mit Freelancern gesprochen, die uns empfohlen wurden. Insgesamt haben wir wunderbar kreative und erfahrene Menschen getroffen, von denen wir viele kleine Weisheiten mitgenommen haben. Schreibt uns, wir teilen sie gerne! Es war schön zu sehen, wie begeistert unsere Vision aufgenommen wurde. Wir haben gewählt und unser Logo und Verpackunsgdesign sind gerade in der dritten Bearbeitungsrunde. Wenn es fertig ist, werden wir es Euch zusammen mit unserer Designerin kurz vorstellen.
  • Nun muss unsere Webseite so schnell wie möglich programmiert werden. Denn im August soll es losgehen. Von befreundeten Gründern hatten wir gehört, dass die Suche nach geeigneten Programmierern zu den wichtigsten und langwährendsten Aufgaben zählt. Denn neben der Erfahrung in der von uns favorisierten Programmiersprache, der Chemie und dem Preis muss auch die Verfügbarkeit stimmen. Selbst wenn alles rosarot und großartig ist, muss man auch im Juni und Juli Zeit für unsere Webseite haben. Die besten Erfahrungen haben wir mit dem Betahaus-internen Email-Verteiler (über 100 Empfänger plus die Weiterleitungen) und der Xing-Suche gemacht. Nächste Woche geht es hoffentlich schon los. Einige gelungene und für uns inspirierende Webseiten sind La VialaDoorstep DairyImmersive GardenKeds und Human Empire. Könnt Ihr uns weitere empfehlen? Dann hinterlasst doch bitte einen kurzen Kommentar!
  • Neben Banken wollen wir auch geeignete Stiftungen im Bereich Social Business ansprechen. Wir glauben, dass es viele Möglichkeiten der Kooperation gibt. Da es in Deutschland 16.500 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts gibt, ist die Vorauswahl recht anstrengend. Bei Business Plan-Wettbewerben haben wir uns auch angemeldet. Neben etwas Publicity gibt es oft auch Beratungsleistungen namhafter Anwälte und Agenturen zu gewinnen.
  • Es gibt diverse Gründungsformalitäten, die viel Zeit beanspruchen und langfristig einen großen Einfluss haben können. Bspw. mussten wir einen Steuerberater und einen Anwalt wählen, mit denen wir gerne zusammenarbeiten und denen wir zutrauen, uns rundherum und mit dem nötigen Weitblick beraten zu können. Die Rechtsform unserer Gesellschaft stand ebenso zur Debatte wie die einzelnen Vertragsklauseln. Diese sollen stets faire und möglichst reibungslose Übereinkünfte ermöglichen.
  • Zuguterletzt noch zum Thema Namensfindung: Nach drei Workshops, einer Facebook-Umfrage, Vorschlägen aus dem Familienkreis, Geistesblitzen und derlei scheiterte es über Monate an der Umsetzung: Manche Namen waren bereits eingetragen (Coca Cola scheint afrikanische Geister und Legenden zu mögen) oder nicht schutzfähig. Das Markenrecht ist eine kleine Wissenschaft für sich. Und wenn Domains und gleichartigen Namen nicht erhältlich waren, half alles nicht. Auch die bis vor kurzem unbekannte Größe "Klangresonanz" spielt bei Namen eine wichtige Rolle. Aber das wirkt ohne Erklärung schnell etwas esoterisch. Deshalb erzählen wir‘s gerne bei einem unserer guten Kaffees. Und mit Coffee Circle sind wir nun sehr glücklich.

Schreibt uns an, wenn Ihr Fragen habt. Wir helfen gerne!

Robert