100% Arabica – Kaffee verspricht im Supermarkt meist höchste Qualität - minderwertige Robusta-Bohnen werden nur aus Kostengründen beigefügt. So zumindest das Vorurteil, doch was ist dran? Und worin unterscheiden sich die zwei wirtschaftlich wichtigsten Arten überhaupt?

 
 

Insgesamt kennen wir mehr als 60 Kaffeesorten, die alle unter dem Gattungsnamen Caffea benannt sind. Neben Arabica und Robusta machen die beiden Sorten Caffea liberica und Caffea excelsa aber nur 1% Prozent des gehandelten Volumens aus.

Wie also lassen sie sich unterscheiden?

Aussehen: schon die Bohnen sind auf den ersten Blick verschieden. Während die Arabica-Bohne überwiegend eine ovale Form mit ungeradem, schmalen Schnitt besitzt, erscheint die Robusta hingegen fast rund mit einem geraden, breiten Schnitt. Ausnahmsweise spielt die Größe hier keine Rolle. Auch in ihrer Herkunft sind die zwei sehr verschieden. Die Arabicapflanze wurde bereits im 7. Jahrhundert in Äthiopien entdeckt, die Robusta erst viel später im Kongo.
anbauorte

Arabica und Robusta pflegen also kein sehr enges Verwandtschaftsverhältnis und auch was ihren Anbau angeht sind sie verschieden. Am wohlsten fühlt sich die Arabica-Pflanze, die mittlerweile ca. 70% des angebauten Kaffees ausmacht,  bei 15-25°C auf 600-2300m Höhe. Wie der Name schon verrät ist die Robusta wesentlich resistenter, was Schädlingsanfälligkeit und Temperaturtoleranz angeht. Sie wächst auch bei Temperaturen von bis zu 36°C und bereits ab 300m Höhe. (brgl. T.Leeb, I.Rogolla: Perfekt zubereitet, TomTom Verlag 06)

Aber Schluss mit Fakten, zu der für uns alles entscheidenden Frage: wie sieht’s mit den geschmacklichen Unterschieden aus? Schon die Tatsache, dass Arabica und Robusta in verschiedenen Regionen zu verschiedenen Bedingungen angebaut werden, lässt vermuten, dass sie sich auch im Geschmack nicht gerade ähneln. Schließlich sind Anbauort und -bedingungen auch für unseren Kaffee ausschlaggebend für den guten Geschmack.

arabica robusta kaffee unterschiede bohnenArabica-Kaffee ist bekömmlicher und geschmacklich nuancierter

Den Arabica-Kaffee erkennt man an seinem starken Duft, seiner hellhaselnussbraun-rötlichen Creme und die feinere, fruchtigere Geschmacksnote. Damit entspricht er eher dem klassischen Geschmack eines nordeuropäischen Kaffeegenießers. Zudem ist Arabica-Kaffee weniger bitter und hat einen geringeren Chlorogensäuregehalt, was ihn magenverträglicher als den Robusta macht.

Robusta-Kaffee hat aufgrund des geringeren Ölanteils eine länger haltbare Crema

Der typische Robusta-Geschmack wirkt oft unangenehm, holzig und bitter. Doch gerade Süditaliener schätzen dies, da der härtere Ton mit Zucker zu einem Karamellton verschmilzt. Außerdem besitzt Robusta-Kaffee einen geringeren Ölanteil, was sich in einer länger haltbaren Crema auswirkt.  Das ist auch der Grund, warum süditalienische Espressomischungen meist einen Robusta-Anteil von fast 50% haben. Auch in Osteuropa erfreut sich der Robusta dank Gewohnheitsrecht hoher Beliebtheit; hier konnte früher ausschließlich diese Kaffeeart importiert werden. Koffeinbedürftige wird interessieren, dass Robustaa-Kffee im Vergleich zu Arabica die doppelte Menge der anregenden Substanz enthält.

Zurück zur Ausgangsfrage

Bestätigt sich somit das Vorurteil? Leider ist die Antwort wie so oft nicht eindeutig, da guter Kaffee von soviel mehr als nur Name und Preis abhängt. So ist nicht jeder Robusta billig und schlecht verarbeitet und nicht jeder Arabica ein Musterbeispiel an Gourmetkaffee. In der Tat gehören sogar nur knapp 5% des weltweit gehandelten Arabicas zum Spezialitätenkaffees - unter anderem unsere Kaffees. ;)