Anfang Dezember waren wir genau zur richtigen Zeit während der Kaffeeernte in Äthiopien. Die Ernte befand sich auf dem Höhepunkt und wir konnten an allen Prozessen teilhaben. Wir haben euch Fotos und ein Video von der aktuellen Ernte in Ilketunjo in der Limu Region mitgebracht.

 

2015 begann die Ernte Mitte November und endete Ende Dezember, sodass wir genau während des Höhepunkts der Ernte vor Ort waren. Da die Kaffeekirschen nicht zeitgleich den idealen Reifegrad bzw. die ideale Rotfärbung erreichen, werden die Kirschen über mehrere Wochen hinweg gepflückt. Die weitere Verarbeitung der Kirschen bis hin zum fertigen Kaffee haben wir begleitet.

Täglich ernten die Farmer mehre Kilo Kaffeekirschen

Vormittags, wenn es noch nicht so warm ist, beginnen die Farmer mit dem Pflücken der Kirschen und sammeln sie bis zum Mittag. Am frühen Nachmittag bringen die Farmer ihre Kirschen entweder direkt zur Wet Mill in der Kooperative oder, wenn sie weiter entfernt leben, zu zentralen Sammelstellen. Von dort aus werden die Kirschen mit Eseln zur Wet Mill transportiert. Täglich ernteten die Farmer so viele Kirschen, dass die Verarbeitungsmaschinen an der Wet Mill dauerhaft in Betrieb genommen wurden.

reife Kaffeekirschen

Warteschlangen an der Wetmill

Warteschlangen an der Wetmill

Abwiegen der Kaffeekirschen

Warten vor der Wet Mill

Nach der Anlieferung der Kirschen wird zunächst die Qualität geprüft. Entspricht die Qualität nicht den Ansprüchen der Kooperativenleitung, können die Farmer ihre Kirschen dort nicht verkaufen. In diesem Fall bringen sie die abgewiesenen Kirschen zu lokalen Händlern, die damit lokale Kaffeeware produzieren. Die akzeptierten Kirschen werden anschließend gewogen und direkt bezahlt.

Die Kaffeekirschen sind bereit für die Wet Mill

Bezahlung für die gebrachten Kaffeekirschen

Nach der Ernte werden die Kirschen mithilfe der Wet Mill weiterverarbeitet

Sobald eine ausreichende Menge an roten Kirschen an der Wet Mill eingegangen ist, beginnt das "Processing", die Weiterverarbeitung der Kaffeekirschen. Dafür starten die Maschinen zum „Depulpen“ und „Demucilagen“ und die roten Kirschen werden über ein Einlaufbecken in die Anlagen geleitet.

Martin und ein Kaffeebauer bei Biftu Gudina

Die Kaffeekirschen im EinlaufbeckenDie Kaffeekirschen im Einlaufbecken

Zunächst transportiert eine Förderanlage die Kirschen in den „Depulper“, der die Pulpe bzw. die Haut der Kirsche mechanisch unter Zufluss von Wasser abtrennt. Die Maschine separiert die Pulpe von der Bohne und leitet sie in ein separates Sammelbecken. Die getrennte Pulpe wird am Ende des Tages aus dem Becken aufgelesen und zum Kompost überführt.

Übrigens, nachdem die Pulpe wenige Wochen später kompostiert ist, können die Farmer diesen Kompost zum Düngen der Kaffeepflanzen verwenden. Dieser Kaffeekirschenkompost birgt wertvolle Nährstoffe für den Boden und die Kaffeepflanzen.

Kaffeekirschenkompost

Kaffeekirschenkompost

Zurück zur Verarbeitung: Nach dem Entpulpen befindet sich um die Bohne noch eine klebrige Zuckerschicht, die Mucilage. Diese wird im nächsten Schritt mechanisch und unter Zulauf von Wasser von der Bohne getrennt. Anschließend wandern die Bohnen, die jetzt nur noch von der Parchmenthaut umschlossen sind, mit dem Wasserstrom in einen Wassertank aus Beton. Dieser Tank fasst bis zu 1000 kg Bohnen. Pro Stunde wandern so circa 200kg Parchment Kaffee in die Tanks. Die Bohnen bleiben dort über Nacht unter Wasser, sodass sich die restliche Mucilage ablöst.

Übrigens, diese Demucilage-Maschinen gibt es erst seit wenigen Jahren und sie arbeiten vergleichsweise wassersparsam im Unterschied zum traditionellen „washed processing“. Bei diesem traditionellen Verfahren werden die Bohnen nach dem Entpulpen direkt mit der Mucilage in Wassertanks geleitet. Dort bleiben die Bohnen dann 48 bis 72 Stunden im Wasser, damit die sich Mucliage durch Fermentationsprozesse von der Bohne ablöst. Dieses Verfahren steht in der Kritik, da das Wasser mehrmals ausgewechselt werden muss. Kritiker halten diese traditionelle Methode für wenig nachhaltig, da Wasser in vielen Kaffeeanbauländern ein knappes Gut ist. Genau aus diesem Grund befürworten auch wir die neueren Demucilage-Maschinen, wie sie hier in Ilketunjo verwendet werden.

Rohkaffee wird zu den Drying Beds getragen

Zurück zum Processing: Am nächsten Morgen wird das Wasser im Tank erneuert, so dass die Mucilage Reste abgespült werden. Anschließend werden die Parchment Bohnen vom Wassertank auf die sogenannten „Drying Beds“ überführt. Dyring Beds sind erhöhte Gestelle, auf denen die Bohnen auf Draht-, Jute- oder auf Plastiknetzen zum Trocknen ausgelegt werden.

Drying Beds in Doyo

Nach dem Trocknen des Kaffees werden die besten Bohnen ausgewählt

Insbesondere am ersten Tag ist es wichtig, dass die noch feuchten Bohnen keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, damit das Parchment nicht aufplatzt. Die Parchmenthaut ist eine Schutzschicht der Bohnen, die möglichst bis kurz vor dem Export um die Bohne herum bleiben sollte. So werden Geschmack und Aroma des Kaffees so gut viel möglich konserviert.

Frauen an den Drying Beds

Nachdem die Bohnen am ersten Tag behutsam auf den Drying Beds im Schatten trocknen, werden sie in den nächsten Tagen mehr Sonne ausgesetzt. Nach ca. 10 bis 14 Tagen verbleibt eine Restfeuchtigkeit der Bohne von ca. 10,5% bis 11,5%. Der fertig getrocknete Parchment Kaffee wird anschließend für den Export vorbereitet und in 60kg Jutesäcke gefüllt. Die gefüllten Kaffeesäcke lagern in Hallen der Kooperative. 

Von dort aus wird der Kaffee mit LKWs nach Addis Abeba zu den Lagerhäusern der jeweiligen Unions transportiert. Vor dem Export wird dort der Kaffee in der „Drying Mill“ maschinell vom Parchment getrennt. Anschließend werden defekte Bohnen sowohl maschinell als auch von Hand selektiert. Die ausgewählten Bohnen werden erneut in 60kg Jutesäcke gefüllt und auf LKWs nach Dschibuti gebracht. Von dort aus verlässt der Kaffee Afrika mit dem Schiff und trifft in Containern bei uns in Hamburg ein. 

Die fertigen Bohnen sind bereit zum Export

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