Äthiopien ist das Ursprungsland des Kaffees - darüber hinaus gibt es noch viele weitere faszinierende Dinge über das Kaffeeland Äthiopien, von denen die wenigsten wissen. Wir haben die zehn interessantesten Fakten rund um den Kaffeeanbau in Äthiopien für dich zusammengefasst.

 

1. Das Ursprungsland von Arabica Kaffee und die Legende um Kaldi

Die Legende um Kaldi

Bildquelle: Cafe ma passion

Äthiopien gilt als das Ursprungsland von Arabica Kaffee (Coffea Arabica), darauf deuten alle bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen hin. Der genaue Ursprung liegt wahrscheinlich im Westen des Landes, bis heute ist jedoch unklar ob Kaffee ursprünglich aus Kaffa oder aus Limu stammt. Auch über die Entdeckungsgeschichte ranken sich die Legenden. Die bekannteste Legende ist die des Ziegenhirten Kaldis. Irgendwann zwischen den Jahren 500 und 1.000 nach Christi sollen der Legende zufolge Kaldis Ziegen eines Tages verrückt gespielt haben. Sie waren außergewöhnlich energiegeladen und tanzten aufgedreht umher. Als Kaldi die Ziegen genauer beobachtete, fiel ihm auf, dass die Ziegen die roten Kirschen einer ihm unbekannten Pflanze aßen. Von Neugier geweckt, probierte auch Kaldi die roten Kirschen und begann schwungvoll in den Tanz seiner Ziegen miteinzusteigen. Als ein Mönch vorbeilief und die ausergewöhnliche Szene beobachtete, pflückte auch er ein paar dieser Kirschen und brachte sie ins Kloster. Zusammen mit einigen Mönchen verzehrte er die roten Früchte und war sogleich von ihrer stimulierende Wirkung fasziniert. So also erhielt Kaffee der Legende nach Einzug in den Konsum der Menschheit. Erfahre hier mehr dazu.

 

2. Äthiopien hat die weltweit größte genetische Vielfalt an Coffea Arabica Pflanzen

weiße Kaffeeblüten reife Kaffeekirschen

In Äthiopien, im Ursprungsland der Coffea Arabica, haben sich die Kaffeepflanzen im Laufe der Jahrhunderte von alleine laufend genetisch weiterentwickelt. Dadurch ist der genetische Pool an Coffea Arabica Varietäten in Äthiopien riesig. Von Äthiopien aus wurde nur eine einzige Coffea Arabica Varietät in den Yemen gebracht und dort kultiviert. Von Yemen aus wurde die Arabica Pflanze später weiter in der Welt verbreitet und nach Asien und Amerika gebracht. Dies hatte zur Folge, dass quasi nur eine einzige Arabica Varietät aus Äthiopien über den ganzen Globus verteilt wurde. Bis heute gibt es in den meisten Anbauländern deshalb nur ca. 40 Arabica Varietäten, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben. In Äthiopien gibt es hingegen aufgrund der natürlichen Evolution weit mehr als 1000 Varietäten. Eine exakte Angabe zur Varietäten-Vielfalt gibt es allerdings noch nicht, da bis heute noch nicht alle Varietäten im Land entschlüsselt wurden. Häufig stehen mehrere hunderte Varietäten auf engstem Raum beisammen. Da unter den Kaffeebauern nur wenig Wissen darüber besteht, welche Varietäten in ihrem jeweiligen Waldgarten stehen, kann eine genaue Varietätenbezeichnung nur in den seltensten Fällen vorgenommen werden. Deshalb werden die lokalen Varietäten meistens unter dem Sammelbegriff „mixed heirloom“, also gemischte ursprüngliche Varietät, zusammengefasst. Genau diese genetische Vielfalt ist ein Grund dafür, weshalb die äthiopischen Kaffees eine so außergewöhnliche geschmackliche Komplexität aufweisen.

 

3. Kaffee ist tief verankert in der äthiopischen Kultur

Kaffee aus der Jebana

Die Äthiopier sind stolz auf ihren Kaffee und darauf, dass der Ursprung von Kaffee in ihrem Land liegt. Äthiopier sind starke Kaffeetrinker und konsumieren knapp die Hälfte des im Land produzierten Kaffees im heimischen Markt. Damit weisen sie den größten Kaffeekonsum pro Kopf auf. In Äthiopien beginnt das Kaffeetrinken häufig schon im Kindesalter, nicht selten trinken Schulkinder schon ein oder zwei Tassen „Buna“ am Tag. In manchen Regionen geben Farmer ihren Kühen sogar in regelmäßigen Abständen eine Tasse Kaffee zu trinken, da dies den Tieren Glück und Gesundheit bringen soll. Dass Kaffee eine ganz besondere Bedeutung für die Menschen hat, spiegelt sich auch in der täglichen „Kaffeezeremonie“ wieder.

 

4. Die äthiopische Kaffeezeremonie

tägliche Kaffeezeremonie tägliche Kaffeezeremonie

tägliche Kaffeezeremonie tägliche Kaffeezeremonie

Die Kaffeezeremonie ist ein Ritual, das täglich morgens und nachmittags bei fast allen Familien in Äthiopien durchgeführt wird. Für die Kaffeezeremonie sind die Frauen verantwortlich. Zunächst wird ein kleines Feuer entfacht und etwas Glut in einer Tonschale mit Weihrauch vermengt, so dass ein angenehmer Duft entsteht. Dann werden die Bohnen auf einer runden und leicht konkaven Eisenschale über dem Feuer geröstet. Die Schale wird ständig in Bewegung gehalten, um die Bohnen gleichmäßig zu rösten. Nach wenigen Minuten paart sich der Geruch von geröstetem Kaffee mit dem Weihrauchduft. Die Bohnen knacken auf und werden bis zu einer sehr dunklen Farbe geröstet. Anschließend wird die Jebana, ein Kaffeekrug aus Ton, mit Wasser gefüllt und auf das Feuer gestellt, um das Wasser aufzukochen. Nun werden die gerösteten Bohnen mit einem Holzmörser (Mukecha) zerstampft bis sie fein gebrochen sind. Sobald das Wasser kocht wird das Kaffeemehl in die Jebana gegeben und der Kaffee wird für wenige Minuten über dem Feuer aufgekocht. Dann wird die Jebana von der Flamme genommen und beiseite gestellt, so dass sich das Kaffeemehl absetzen kann. Auf einem Tablett werden mehrere kleine Tassen eng beieinander aufgestellt und das Eingießen kann beginnen. Aus ca. 30 cm Höhe wird der Kaffee eingeschenkt, das geschieht ohne abzusetzen und der Strahl wird von einer Tasse direkt in die nächste überführt. Zu dem Kaffee wird häufig Zucker, in manchen Regionen auch Salz hinzugegeben. Der Kaffee schmeckt in der Regel sehr stark und kräftig. Wenn wir den Äthiopiern einen Kaffee nach europäischer Zubereitung probieren lassen, schmeckt ihnen dieser meistens viel zu dünn und schwach. Häufig wird die Jebana nach dem Eingießen wieder zurück auf’s Feuer gestellt, so dass es noch eine zweite und manchmal sogar eine dritte Runde Kaffee gibt.

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5. Kaffee ist das Rückgrat der äthiopischen Wirtschaft

Kaffeesäcke aus der Kooperation Yirgacheffe

Äthiopien ist der größte Kaffeeproduzent in Afrika und der fünftgrößte weltweit. 2015 hat Äthiopien 6,5 Millionen Säcke á 60 kg Rohkaffee produziert und hat fast 10% der globalen Kaffeeproduktion erzeugt. Kaffee ist das wichtigste Exportgut des Landes. 1,2 Millionen Smallholder Farmer produzieren über 90% des gesamten Kaffees im Land und insgesamt sind circa 15 Millionen direkt oder indirekt in der Kaffeeindustrie beschäftigt (was ca. jeden zehnten Äthiopier entspricht).

 

6. Der Großteil des äthiopischen Kaffee wird organisch angebaut

traditioneller Kaffeeanbau traditioneller Kaffeeanbau

Kaffeeanbau lässt sich in Äthiopien in vier Typen einteilen: Waldkaffee (forest coffee) mit 8-10% der gesamten Produktion, Semi-Waldkaffee (semi forest coffee) mit ca. 30-35%, Gartenkaffee (garden coffee) mit ca. 50-55%, und moderne Kaffee Plantagen mit ca. 5% Anteil an der gesamten Produktion. Fast alle Smallholder Farmer bauen Kaffee ganz traditionell an und nutzen keinerlei Pestizide. Aus diesem Grund ist der Großteil des äthiopischen Kaffees ohnehin biologisch angebaut.

 

7. Die drei bedeutendsten Schattenbäume für den Kaffeeanbau

Schattenbäume

Schattenbäume sind wichtige “Zwischenpflanzen” im Kaffeeanbau. Zum einen liefern sie Schatten für die Kaffeepflanze, so dass diese vor direktem und zu starkem Sonnenlicht geschützt wird. Und zum anderen haben Schattenbäume im Idealfall kleine und feine Blätter, die starken Regen brechen, so dass das Wasser gleichmäßig und fein auf die Kaffeepflanze tropft. Die drei wichtigsten Schattenbäume sind: Esbania sesban, Acacia abyssinica und Albizia (Albizia grandibracteata, Albizia schimperiana und/oder Albizia gummifera).

 

8. ECX – Die äthiopische Kaffeebörse

Die Kaffeeproduktion muss über die ECX gehandelt werdenDie Kaffeekirschen sind bereit für die Weiterverarbeitung

90% der Kaffeeproduktion muss gesetzlich vorgeschrieben über die äthiopische Kaffeebörse ECX gehandelt werden. Die ECX wurde 2008 gegründet, um Kontraktintegrität, Zahlungsflüsse und Preistransparenz zu verbessern. Sie wurde eingeführt, um Kaffee als austauschbares Produkt zu handeln, allerdings gehen sie nicht auf Aspekte der Nachhaltigkeit ein. An der ECX wird Kaffee in homogenen Mengen zusammengefasst, bedingt nach Qualität eingeteilt und anschließend über die Börse an Exporteure verkauft. Über die ECX gekaufter Kaffee kann nur Regionen zugeordnet werden, und nicht dem genauen Ursprung in der Region. Über die Börse wird per Gesetz kein Bio oder Fair-Trade zertifizierter Kaffee verkauft. Zertifizierter und rückverfolgbarer Kaffee macht die restlichen 10% der Gesamtmenge an Export-Kaffee aus, der entweder über Unions (Vertreter der Kooperativen) oder über private Farmen verkauft wird. Das heißt, Direct Trade Beziehungen, wie wir es mit Coffee Circle tun, sind in Äthiopien nur über die Unions oder private Farmen möglich. Wir beziehen alle unsere äthiopischen Kaffees über Kooperativen und den jeweiligen Unions.

 

9. Die größten Herausforderungen für die Kaffeefarmer

Kaffeebauern an den drying beds

Zu den größten Herausforderungen in Äthiopien zählt, dass die Smallholder-Farmer relativ wenig über die richtigen Anbau-Techniken im Kaffeeanbau wissen und sich daher nur wenig um ihre Kaffeebäume kümmern. Aus diesem Grund zählt die Produktivität der Kaffeepflanzen in Äthiopien zu den geringsten der Welt. Wir sehen viel Potential, Trainings bei Kooperativen und Farmern in diesem Bereich durchzuführen, damit die Farmer mehr und effektiver Kaffee produzieren und verkaufen können.

 

10. Gut zu wissen

Es braucht ca. 7 kg rote Kaffeekirschen um 1 kg Röstkaffee zu produzieren. Ein Kaffeebaum liefert ca. 1 kg rote Kirschen. Im Durchschnitt hat ein Farmer in Äthiopien 0,67 ha Land als Kaffeegarten. Im Durchschnitt produziert ein Farmer in Äthiopien 267 kg Rohkaffee. Ein weiterer Fun Fact: Buna Dimaa bedeutet rote Bohne.

Herkunft des Kaffees

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