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#Gerüchteküche

Gerüchteküche XI: Ist Kaffee gut fürs Herz?

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Stephan Eicke

Ein Beitrag von Stephan Eicke in der Kategorie #Gerüchteküche vom 28. Juni 2022

In unserer Reihe “Gerüchteküche” nehmen wir uns regelmäßig Mythen im Bereich Kaffee an, die sich bereits seit langer Zeit halten. Hier untersuchen wir, ob sie komplett erfunden sind oder ob an ihnen nicht doch etwas dran sein könnte.

Die zwei Mythenkiller:
Stephan, Content Creator, und Jan, Content Strategist

Gerüchte, Mythen, Legenden
über Espressomehl und Kaffeesatz
Lasst uns etwas Wissen spenden,
hier hat alles seinen Platz

Gerüchteküche mit Jan und Stephan

Jan: Guten Morgen, Stephan. Na, wie gehts?
Stephan: Ich weiß nicht. Ich habe montags immer Herzrhythmusstörungen.
Jan: Da sind wir auch gleich beim Thema, denn uns hat eine E-Mail für unsere Reihe “Gerüchteküche” erreicht:

Hallo ihr beiden,
meine Mutter ist leidenschaftliche Kaffeetrinkerin und trinkt jeden Tag mehrere Tassen. Mein Vater trinkt aber seit einigen Jahren gar keinen Kaffee mehr, weil er denkt, er sei schlecht für sein Herz, weil er sich danach immer so nervös gefühlt hat. Wisst ihr, ob er Recht hat? Ich glaube, es würde das Spannungsfeld zwischen meiner Mutter und meinem Vater lösen. Ihr könnt vielleicht eine Ehe retten.

Stephan: Da lastet eine große Verantwortung auf unseren Schultern. Ich weiß nicht, ob ich mich jetzt an das Thema heranwage.
Jan: Ich habe dich schon immer als wandelnde Abrissbirne gesehen, ich würde mir da an deiner Stelle keine Sorgen um deinen Ruf machen.
Stephan: Okay, wenn du das sagst. Dann machen wir uns mal an die Arbeit.

Das Gerücht

Kaffee ist schlecht für das Herz, da das Getränk über Koffein verfügt und die Ausschüttung von Adrenalin anregt. Dies führt zu einem beschleunigten Herzschlag, der das Organ wiederum beansprucht und über längere Zeit hinweg schwächt. Durch das Koffein kann es bei übermäßigem Kaffeekonsum zu Herzkrankheiten wie Infarkten kommen.

Der Versuch

Sowohl Jan als auch ich trinken täglich sieben Tassen Kaffee, zwei mehr als der Bundesdurchschnitt. Wir fühlen uns zwar nach der letzten Tasse etwas aufgekratzt und hibbelig, bemerken aber keinen Unterschied in Bezug auf unseren Herzschlag. Muss der Versuch über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden, oder kann der verstärkte Konsum von Kaffee bzw. Koffein zu anderen Herzkrankheiten führen, die sich nicht physisch wie durch einen beschleunigten Herzschlag bemerkbar machen?

Wir stürzen uns in die Literatur und untersuchen mehrere Studien, die im Laufe der Jahrzehnte von internationalen Universitäten zum Thema der Wirkung des Kaffeekonsums auf die Gesundheit des Herzens durchgeführt wurden.

2021 wurde eine Analyse von Forschern aus Colorado veröffentlicht, die drei verschiedene Langzeitstudien zum Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Herzkrankheiten ausgewertet haben: die Framingham Heart Study, die Atherosclerosis Risk in Communities Study, und die Cardiovascular Health Study, für die insgesamt mehr als 21.000 Erwachsene untersucht worden waren, die jeden Tag bis zu drei Tassen Kaffee tranken. Die Forscher werteten nicht nur die Auswirkungen von koffeinhaltigem Kaffee auf die Herzgesundheit der Probanden aus, sondern auch die von entkoffeiniertem Kaffee.

Das Ergebnis: Je mehr Kaffee ein Mensch trank, desto geringer war das Risiko, eine Herzkrankheit zu entwickeln. Dasselbe galt nicht für Menschen, die hauptsächlich oder ausschließlich entkoffeinierten Kaffee zu sich nahmen. Der Hauptautor der Studie fasste zusammen: “Kaffee und Koffein werden von der allgemeinen Bevölkerung oft als schlecht für das Herz bewertet, weil Menschen sie mit Herz-Rhythmus-Störungen und hohem Blutdruck in Verbindung bringen. Aber die Beziehung zwischen wachsendem Koffeinkonsum und sinkendem Risiko, Herzkrankheiten zu entwickeln, stellt diese Annahme auf den Kopf.”

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Die Erklärung

Sowohl in der Framingham und Cardiovascular Health Study fiel das Risiko, eine Herzkrankheit zu entwickeln, um 5-12 % pro Tasse Kaffee am Tag im Vergleich zu jenen Probanden, die gar keinen Kaffee tranken. Keine Veränderung war zu bemerken bei den Testpersonen in der Atherosclerosis-Studie, die pro Tag nur eine Tasse Kaffee tranken. Das Risiko sank jedoch um 30 % für all jene in der Studie, die jeden Tag zwei Tassen Kaffee oder mehr tranken. Ergo: Je mehr Kaffee, desto besser. Ein Unterschied zwischen verschiedenen Zubereitungsmethoden (Aeropress, Filterkaffee, Espresso) wurde nicht gemacht. Auch wurde nicht unterschieden, woher der Kaffee kam und wie die Bohnen geröstet wurden oder wie viel Koffein im Getränk steckte.

Allerdings: Jene Probanden, die ausschließlich entkoffeinierten Kaffee tranken, sahen sich einem deutlich erhöhten Risiko ausgesetzt, Herzkrankheiten zu entwickeln.

Eine weitere Studie, aus London, kam 2019 zu einem ganz ähnlichen Ergebnis: Es konnten keine Belege gefunden werden, dass Kaffee sich negativ auf die Herzgesundheit der knapp 8.000 Probanden auswirkte.

Aber woran liegt das? Kann Koffein wirklich gut für das Herz sein? Einige Studien legen nahe, dass die positiven Auswirkungen von Koffein an Polyphenolen liegen, sekundären Pflanzenstoffen, die auch in Tee, Gemüse und Wein stecken. Versuchspersonen, die mehr Flavonoide (eine Art von Polyphenolen) zu sich nehmen als andere, hatten ein um 47 % geringeres Risiko, an einer Herzerkrankung zu leiden. Diese Polyphenole, so die Theorie, haben entgiftende und entzündungshemmende Wirkungen.

Die Studie aus Colorado macht jedoch auch deutlich: Tiefergehende Untersuchungen zu diesem Thema müssen noch angestrengt werden. Das Ergebnis ist kein Freifahrtschein, 25 Tassen Kaffee am Tag trinken zu dürfen, ohne negative gesundheitliche Effekte fürchten zu müssen.

Das Fazit

Jan: Die Mutter unseres E-Mail-Schreibers kann die Kaffeekanne auf den Tisch hauen und ihrem Mann ins Gesicht schreien: “Ich hab’s dir ja gesagt.”
Stephan: Szenen einer Ehe. Muss Liebe schön sein.
Jan: Die Sorge ihres Mannes ist aber natürlich verständlich. Das Gerücht, Kaffee sei schlecht fürs Herz, zirkuliert seit vielen Jahrzehnten, und ausführliche Studien, wie die von uns zitierten, gab es verstärkt erst in jüngerer Zeit. Aber man lernt ja nie aus.
Stephan: Ja, ich bin froh, dass wir uns mit dem Thema beschäftigt haben. Ich war mit diesen neuen Studien nicht vertraut.
Jan: Dann kannst du jetzt wieder mit deinem Wissen angeben, wenn die Unterhaltung am Mittagstisch stockt.
Stephan: Meine Selbst-Profilierung ist auch meine Hauptmotivation, diese Reihe zu gestalten.
Jan: Das musst du nicht extra betonen. Ich arbeite seit einem Jahr mit dir.

Ein Beitrag von Stephan Eicke

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