Macht Kaffee süchtig?
#Gerüchteküche

Gerüchteküche X: Macht Kaffee süchtig?

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Stephan Eicke

Ein Beitrag von Stephan Eicke in der Kategorie #Gerüchteküche vom 20. Juni 2022

In unserer Reihe “Gerüchteküche” nehmen wir uns regelmäßig Mythen im Bereich Kaffee an, die sich bereits seit langer Zeit halten. Hier untersuchen wir, ob sie komplett erfunden sind oder ob an ihnen nicht doch etwas dran sein könnte.

Die zwei Mythenkiller:
Stephan, Content Creator, und Jan, Content Strategist

Gerüchte, Mythen, Legenden
über Espressomehl und Kaffeesatz
Lasst uns etwas Wissen spenden,
hier hat alles seinen Platz

Gerüchteküche mit Jan und Stephan

Jan: Guten Morgen, Stephan. Hast du dich schon mal gefragt, warum wir eine offensichtliche Frage in unserer Gerüchteküche bislang noch nicht beantwortet haben?
Stephan: Wie schafft es Jennifer Lopez, so unglaublich gut auszusehen?
Jan: Ich dachte eher an ein Kaffee-bezogenes Thema.
Stephan: Wieso wir Jennifer Lopez nicht als Markenbotschafterin unter Vertrag genommen haben?
Jan: Ich kürze das hier mal ab. Das ist die Frage, die uns gestern gestellt wurde:

Hallo Coffee Circle,

Vielleicht eine doofe Frage, aber man hört sie ja so oft: Macht Kaffee eigentlich süchtig? Also, Kaffee ist bestimmt nicht so gefährlich wie Alkohol oder andere Drogen, aber kann man davon abhängig werden? Sorry, falls die Frage schonmal gestellt wurde.

Stephan: Eine gute Frage und kein Grund, in die Defensive zu gehen. Über die Frage hatten wir mal gesprochen, aber sie dann immer wieder hinten angestellt. Jetzt ist es an der Zeit, ein für allemal Klarheit zu schaffen.

Das Gerücht

Kaffee enthält Koffein, und Koffein ist ein Stimulant. Ergo, Koffein macht süchtig. Ergo, Kaffee macht süchtig. Wer regelmäßig Kaffee trinkt, dann aber versucht, eine längere Pause einzulegen, wird demnach mit Entzugserscheinungen wie erhöhter Nervosität zu kämpfen haben.

Der Versuch

Für den praktischen Versuch greifen wir in unsere Kiste, die reich ist an Erfahrungswerten. Sowohl Jan als auch ich haben in der Vergangenheit immer mal wieder ein paar Tage verbracht, die frei von Kaffee waren. Mal war es ein Experiment, mal den Umständen geschuldet, mal gab es keinen bestimmten Grund. Auch einige unserer Freunde haben über mehrere Tage versucht, keinen Kaffee zu trinken. Sie alle machten dieselbe Beobachtung: Am zweiten Tag stellten sich Kopfschmerzen ein, die in einigen Fällen sogar länger als 24 Stunden andauerten. Hängt das direkt mit dem Kaffee- bzw. Koffeinentzug zusammen?

Ja. Kopfschmerzen sind eines der Anzeichen für einen Koffeinentzug, ebenso wie Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder leichte, länger andauernde Angstgefühle. Diese Symptome hängen direkt mit der milden physischen Abhängigkeit von Koffein zusammen, denn der Stoff stimuliert das zentrale Nervensystem. In diesem Teil unserer Reihe gehen wir näher darauf ein: Koffein fördert die Produktion von Adrenalin und blockiert die Adenosin-Rezeptoren im Gehirn. Wenn Adenosin andockt, wird die neuronale Aktivität entschleunigt. Du fühlst dich schläfrig. Dieses Gefühl wird unterbunden, wenn statt Adenosin Koffein andockt.

Sage Barista Express

Die Erklärung

Wenn du plötzlich aufhörst, Kaffee zu trinken anstatt deinen Konsum schrittweise zu reduzieren, kannst du unangenehme Symptome wie die oben genannten spüren. Die verstärkte Müdigkeit erklärt sich durch die freien Adenosin-Rezeptoren. Sie sind nicht länger durch Koffein blockiert, also wirst du schneller müde.

Kopfschmerzen erklären sich durch die Blutgefäße im Gehirn: Durch Koffein verengen sie sich. Wenn du plötzlich auf Kaffee-Abstinenz setzt, weiten sich die Gefäße wieder. Das heißt, dein Blut fließt schneller. Kopfschmerzen sind die Folge.

Doch reichen diese physischen Abhängigkeiten, um von einer Sucht sprechen zu können? Nein. Denn die WHO definiert Sucht als einen “Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge.”

Koffein wirkt im Gegensatz zu den meisten klassifizierten Drogen wie Kokain im sensorischen Teil der Hirnrinde, sodass Konzentration und Merkfähigkeit erhöht werden. Diese Eigenschaften sind allerdings nicht gesundheitsschädlich, wie jene von Alkohol, Nikotin oder harten Drogen es sind, die dem Körper und seinen Organen direkt schaden. Der Konsum von Kaffee ist gesundheitlich unbedenklich.

Hinzu kommt, dass in der Medizin kein einziger Fall von Koffeinsucht beim Menschen dokumentiert ist.

Sage Barista Express

Das Fazit

Jan: Kaffee kann physisch abhängig machen, aber nicht süchtig.
Stephan: Richtig. Daher sollte niemand alarmiert sein, wenn man bei einer Kaffeepause von mehreren Tagen Symptome wie Kopfschmerzen oder starke Müdigkeit verspürt. Das sind natürliche, wenn auch unangenehme, Reaktionen auf eine Abstinenz, die ebenso ungefährlich ist wie der Konsum des Stoffes, von dem man eine Abstinenz nimmt.
Jan: Ich schlage trotzdem vor, dass man schrittweise den Koffeinkonsum reduziert, wenn man eine Pause machen will, anstatt einfach plötzlich aufzuhören. Denn wenn man ausschleicht, reduzieren sich die Symptome deutlich. Merk dir das, wenn du das nächste Mal Kaffeemehl vom Klodeckel durch die Nase ziehen willst.
Stephan: Hab ich mir notiert. Und ich bin jetzt auch ein bisschen beruhigt. Komm, wir brühen uns noch eine Tasse. Die letzte ist schon zehn Minuten her.

Ein Beitrag von Stephan Eicke

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