Coffee Circle Kaffeebohnen in unserer Rösterei
#Kaffeewissen

Prohibition im 18. Jahrhundert: Als Kaffee verboten war

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Stephan Eicke

Ein Beitrag von Stephan Eicke in der Kategorie #Kaffeewissen vom 10. August 2022

Kannst du dir ein Land vorstellen, in dem Kaffee verboten ist? Es gab davon mehrere im Laufe der Geschichte. Heute geben wir einen kleinen Einblick in die Kaffee-Prohibition unter Friedrich dem Großen im 18. Jahrhundert.

Stell dir folgende Szenarien vor und beginne mit der glaubwürdigsten Annahme: Du kennst dich mit Kaffee aus. Du wirst von Olaf Scholz zu einem Termin geladen. Olaf Scholz ernennt dich zum offiziellen Kaffeeschnüffler. Du verbringst die nächsten Monate damit, um die Häuser zu schleichen und jene Menschen zu verpetzen, aus deren Haus ein Kaffeeduft strömt. Die Menschen hassen dich, aber dafür verdienst du gut. Wie ein Influencer, quasi.

Eine derartige Situation hätte dir im Preußen des 18. Jahrhunderts tatsächlich widerfahren können, wenn auch nicht unter Olaf Scholz, sondern unter Friedrich dem Großen. Der König hatte nämlich ein erhebliches Problem mit Kaffee. Er genoss ihn zwar selber gerne, versuchte aber mit allen Mitteln zu verhindern, dass die breite Gesellschaft – das gemeine Volk – dasselbe Privileg hat. Wie Korruption, quasi.

Warum?

Das beliebteste Getränk Mitte des 18. Jahrhunderts war nicht Kaffee, sondern Bier. Für Preußen war das ideal, schließlich konnten alle Bestandteile, die für den Brau notwendig waren, im eigenen Land angebaut werden. Kaffee hingegen musste importiert werden, war entsprechend teuer. Zudem verfügte Kaffee damals aufgrund der Röstmethoden über einen höheren Koffeingehalt als heute. Kaffeehäuser waren ohnehin ein Treffpunkt von Philosophen, Dichtern und Denkern und dem König war es ein Dorn im Auge, dass das aufputschende Getränk wahrhaftig zur Planung des nächsten Putsches antreiben könnte. Stupor ist zu bevorzugen. Wie heute, quasi.

Kurz, der “alte Fritz” machte sich Sorgen. Der Kaffeekonsum im gemeinen Volk stieg rasant. Bierbrauer verdienten immer weniger, da Gefahr drohte, dass ihr Produkt vom ersten Platz als beliebtestes Getränk verdrängt wird. Deshalbn erhöhte Friedrich der Große die Einfuhrzölle auf Kaffee und erhob zusätzlich eine Luxussteuer. (Eine Kaffeesteuer gibt es übrigens heute noch.) Das hatte zur Folge, dass sich hauptsächlich der wohlhabende Teil der Bevölkerung (legalen) Kaffee leisten konnte. Wie Eigentumshäuser, quasi.

Friedrich der Große

Ab 1766 war es nur noch dem Staat erlaubt, mit Kaffee zu handeln. Der Effekt war: Der Schwarzmarkt boomte. Der König wusste das natürlich, er war nicht blöd. Nur naiv. Als Gegenmaßnahme bestellte er Kaffeeschnüffler ein, knapp 400 ehemalige französische Soldaten, deren Aufgabe war – wie oben beschrieben – Kaffee zu erschnüffeln. Das war notwendig, da Menschen seit den harschen Maßnahmen gegen den Kaffeekonsum ihre Bohnen illegal bezogen. Der Staat verdiente nichts daran, reduzierte aber die Zahl der Abhängigen nicht. Wie der US-amerikanische War on Drugs, quasi.

Kaffeeschnüffler hatten die Aufgabe, diese Menschen ausfindig zu machen, ihren Kaffee zu beschlagnahmen und sie zu verpetzen, damit ihnen die gerechte Strafe zugeführt werden konnte. Schnüffler sahen nichts dabei, Frauen ohne Vorwarnung abzutasten und abzuschnüffeln, mussten keine Konsequenzen fürchten. Wie Donald Trump, quasi.

Historische Karte von Preußen

Friedrich der Große musste schnell feststellen, dass keine seiner Maßnahmen funktionierte, schließlich waren Menschen schon damals leicht korrumpierbar. Viele Kaffeeschnüffler verkauften den Kaffee, den sie beschlagnahmt hatten, einfach heimlich auf dem Schwarzmarkt. Es entstand ein regelrechter Kreislauf. Ein Coffee Circle, quasi.

1781 ging Friedrich der Große einen Schritt weiter: Ab Januar war nicht nur der Handel mit den Bohnen verboten, sondern auch das Rösten. Nur die staatseigenen Röstereien durften Kaffee verarbeiten. Doch auch das half nicht: Menschen begannen einfach, ihre Bohnen auf dem heimischen Herd zu rösten. Wie Mandeln, quasi.

Kaffeebohnen Rösterei

Der Umsatz für Bierbrauer sank kontinuierlich, trotz aller Maßnahmen des Königs. Die Bevölkerung bevorzugte das Getränk, das wach machte, nicht jenes, das sie eher träge werden ließ. Der “alte Fritz” wollte sich aber keine Niederlage eingestehen, und so wurden seine Verbote (und der Job des Kaffeeschnüfflers) erst 1787 von seinem Nachfolger abgeschafft, Friedrich Wilhelm II. So wie die Legalisierung von medizinischem Marihuana erst von der Ampelkoalition in Aussicht gestellt wurde, quasi.

Es gab übrigens noch zahlreiche andere Länder, in denen Kaffee verboten war. In Mekka gab es für kurze Zeit bereits ab 1511 einen solchen Erlass, in Schweden wurde 1756 die Einfuhr verboten, und im osmanischen Reich war man derart verzweifelt, dass man den Konsum des Getränks sogar unter Todesstrafe stellte. Es half alles nichts: Kaffee ist heute eines der beliebtesten Getränke überhaupt. Seit langem ist der Konsum in jedem Land der Erde erlaubt. Bier hingegen ist in einigen Ländern verboten, zum Beispiel in Saudi-Arabien. So wie Homosexualität, quasi.

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