Ich, glücklich mit Tamper und SiebträgerEspresso - für viele “aficionados” das wahre Elixier der Lebensfreude - beglückt mit seinem vollen Körper und starken Aromen täglich den Gaumen von Millionen Menschen rund um den Globus. Gekrönt mit einer nussig braunen Crema verführte auch mich der kräftige Italiener eines verschlafenen Morgens. Mit der ersten italienischen Mokka-Kanne kam die Liebe zum Detail. Nun ist das sprudelnde Vergnügen ein treuer Begleiter meines Alltags geworden. Vermittelt ein vollmundiger Kaffee die Eleganz und Geschmeidigkeit eines Wiener Walzers, so entfacht ein erfahrener Barista den feurigen Tango der dunklen Bohne.

Fütterungszeit für die Mahlkönig K30Doch um dem edlen Tropfen den gebührenden Respekt zu erweisen, bedarf es zunächst des nötigen Handwerkszeugs. Glücklich, dass zeitgleich mit meiner Ankunft im Berliner Büro auch der stolze Weg der Aufrüstung beschritten wurde. Angefangen mit dem kleinen Kännchen und nach ersten Schritten auf einer Isomac Venus, wimmelt es hier nun von neuen Lieblingsspielzeugen. Elegante Reg Barber Tamper, eine präzise Mahlkönig K30 und natürlich die majestätische La Marzocco Linea sind Grundpfeiler der Suche nach Perfektion. Und da bin noch ich - Marius, der frischgebackenen Praktikant mit Ambitionen eines Baristas. Doch bevor meine persönliche Reise beginnt, noch zu dem wahren Mittelpunkt - Espresso.

 

Unser Prachtstück: Die La Marzocco Linea EspressomaschineErst Anfang des 20. Jahrhunderts begann Espresso seinen Siegeszug in den belebten Mailänder Caffè-Bars als man nach schnelleren Zubereitungsarten suchte, ohne dabei die geliebte Fülle an Aromen einbüßen zu müssen. Seinen Ursprung hat das Wort vom italienischen esprimere (= ausdrücken). Namensgebend ist dabei weniger die spezielle Zubereitung als vielmehr der Anspruch, den Espresso ausdrücklich auf Anfrage des Gastes herzustellen. 1901 gelang dem Ingenieur Luigi Bezzera die erste Serienproduktion einer Espressomaschine und ermöglichte somit unter hohem Druck die volle Kraft der Kaffeebohne in kürzester Zeit zu extrahieren. Auch der Rest Südeuropas entdeckte schnell den Flair des heißen Getränks, wo heutzutage noch viele Touristen ungläubig vor der kleinen, dickwandigen Tasse sitzen, wenn sie gewohntermaßen einen Kaffee bestellen.  

Doch spätestens mit dem Auftauchen großer Kaffeehausketten, wie Starbucks und Co., wandelte sich die Erscheinung enorm. Befand er sich schon zuvor in einer innigen Liasion mit luftigem Milchschaum, meist als Cappuccino zum Frühstück oder Latte Macchiato für Kinder, so machte er nun ganz neue Bekanntschaften. Sirup, Aromakonzentrate, Gewürze und Sojamilch - der Drang nach Experimenten kennt keine Tabus. Wirre, englische Getränkenamen vermitteln "Lifestyle" und die kräftigen Aromen des Espressos tauchen nur noch im Beigeschmack auf. Auch der Bedarf an professioneller Ausrüstung und der geschickten Hand des Baristas bei der Zubereitung verblasst langsam als besonderes Merkmal des Espressos. Nun halten immer mehr Pad- und Kapselmaschinen Einzug in die heimischen vier Wände. Der Sortenvielfalt scheint hier keine Grenzen gesetzt zu sein, doch bleibt das wirkliche Geschmackserlebnis hier regelmäßig auf der Strecke.

Italienische Lebensfreude beim gemeinsamen EspressoUnter dem Banner der "Third Wave" sprießen erneut Cafés mit fauchenden Siebträgermaschinen und ehrgeizigen Baristas aus dem Boden. Es gibt sie also wieder, die Rückbesinnung auf die Essenz des Espressos, wie sie berauschend die Sinne umschmeichelt und uns ein leichtes Lächeln auf die Lippen zaubert. 

Bildquelle:

http://michaeljondral.blogspot.com/2011/04/warum-wir-italien-lieben.html