Auf dem Hügel
#Kaffeewissen

Die Enttäuschung: Fairtrade im Wandel der Zeit

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Stephan Eicke

Ein Beitrag von Stephan Eicke in der Kategorie #Kaffeewissen vom 28. Februar 2022

Das grün-blau-schwarze Logo ist in weniger als zwei Jahrzehnten zu einem der bekanntesten Siegel überhaupt geworden. Während zahlreiche Organisationen Mitglied des Fairtrade-Verbandes sind, haben wir uns entschieden, auf andere Art Handel zu treiben. Warum?

Wir betreiben direkten Handel mit Kooperativen und Produzent:innen. Das hat verschiedene Gründe: Wir können enge Beziehungen zu ihnen pflegen und sind nicht auf die Vertrauenswürdigkeit von Vermittler:innen angewiesen. Das bedeutet, dass wir in den Ursprungsländern bei der Umsetzung von Projekten mit anpacken und lokale Gemeinden unterstützen können.

Den Preis können wir mit den Farmer:innen selbst aushandeln, basierend auf ihren Angeboten. Im Schnitt der letzten Jahre liegt der von uns gezahlte Einkaufspreis in Ilketunjo (Region Limu, Äthiopien) im Vergleich 88 % über dem Weltmarktpreis und 56 % über dem Fair Trade Mindestpreis von 1,60 EUR (inkl. Prämie). Kurz: Sowohl Produzent:innen als auch wir verfügen über größere Kontrolle.

In den vergangenen Jahren ist Fairtrade zunehmend in Kritik geraten. Schauen wir uns die Organisation(en) also einmal näher an.

Eine Geschichte

1985 setzten sich die beiden in Mexiko lebenden Niederländer Frans van der Hoff und Nico Roozen an einen Tisch, um die Antwort auf eine brennende Frage zu finden: Wie können Kaffeeproduzent:innen in der Region ihre Ernte zu Preisen exportieren, die ihnen erlauben, in Würde zu leben und gleichzeitig ihre Umwelt zu schützen? Die Antwort: durch “Fair Trade”.

1988 wurde das Label Max Havelaar gegründet, “ein neues Siegel für Kaffee, das garantieren sollte, dass dieser direkt von demokratisch verfassten Kleinbauernorganisationen stammte — und zwar zu einem Preis, der deren gesamte Produktionskosten deckte.” Am 15. September desselben Jahres wurde der erste Kaffee mit dem Max Havelaar-Label in Supermärkten eingeführt.

Max Havelaar, beziehungsweise die Idee dahinter, wurde schnell populär. Zahlreiche weitere Organisationen bildeten sich, aus denen 1997 eine Dachorganisation entstand, bevor 2002 das offizielle, heute noch gültige Fairtrade-Siegel eingeführt wurde.

Die Idee des fairen Handels zu eben jenen Bedingungen war allerdings weder neu noch “innovativ”, wie Roozen und van der Hoff in ihrem Buch “Fair trade: het verhaal achter Max Havelaar-koffie, Oké-bananen en Kuyichi-jeans” behaupten. Solidarischer Handel — der Export von Waren aus der dritten Welt zu menschenwürdigen Preisen — war bereits ab 1946 von TTV (Ten Thousand Villages) und später von Oxfam betrieben worden, wenn auch in kleineren Dimensionen.

Zertifiziert

Aufbau von Fairtrade

Seit 2002 wird das Zertifizierungssystem “Fairtrade” durch den FLO-Cert kontrolliert, dem Internationalen Dachverband der nationalen Siegelorganisationen. Jedes Unternehmen kann eine Mitgliedschaft in einem Fairtrade-Verband beantragen. Aktuell (02/2022) umfasst Fairtrade International 25 nationale Fairtrade-Organisationen, drei Produzentennetzwerke und sieben Marketingorganisationen.

Fairtrade ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzent:innen und Arbeiter:innen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel seinen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fair-Handels-Organisationen engagieren sich (gemeinsam mit den VerbraucherInnen) für die Unterstützung der Produzent:innen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.

In diesem Modell agieren sechs Akteur:innen, die sicherstellen, dass das jeweilige Fairtrade-Produkt erfolgreich — das heißt gewinnbringend für alle Beteiligten — verkauft wird: Produzent:in, Importeur:in/Exporteur:in, verarbeitende Unternehmen, Handels-/Marketing-Unternehmen, Vertrieb, Konsument:in.

Und wie wird kontrolliert, dass sich jedes Glied in dieser Kette an die festgelegten Standards hält? Mitglieder füllen einen Fragebogen aus, in dem sie beweisen, dass sie den 10 Prinzipien von Fairtrade verpflichtet sind. Zusätzlich senden sie — sofern angefordert — entsprechende Unterlagen an die World Fair Trade Organization (WFTO), die als Kontrollorgan fungiert. Nach Auswertung macht die WFTO gegebenenfalls Vorschläge für Verbesserungen oder Korrekturen. Dieser Bericht wird von den jeweiligen Organisationen mit ihren Handelspartner:innen geteilt, die somit die Gelegenheit erhalten, ihn zu kommentieren und die Behauptungen zu bestätigen oder zu widerlegen. [Anna Hutchens: Changing Big Business: The Globalisation of the Fair Trade Movement, Elgar Publishing 2009. Seite 182)

FLO ist der Marketingarm von Fairtrade. Unter anderem stellt die Organisation sicher, dass die Qualität der verschiedenen Produkte gewahrt bleibt. Diese Kontrolle kann vor der ersten Zertifizierung eines/einer Produzent:in oder Händler:in stattfinden, oder jährlich, um das Zertifikat zu erneuern. Entscheidend ist dabei, dass die Rückverfolgbarkeit der Produkte gewährleistet ist.

Bislang klingt doch alles gut, oder?

Kaffeeland Brasilien

Kosten der Fairtrade-Zertifizierung

Aber wie viel kostet so eine Zertifizierung überhaupt? Das kommt darauf an. Beschränken wir uns hier auf die Kosten für Produzent:innen und nehmen Kaffeefarmer:innen bzw. Kooperativen als Beispiel. Da die aktuelle Kostentabelle nicht länger öffentlich einsehbar ist, nehmen wir jene von 2013 zur Hand, die in “The Fair Trade Scandal: Marketing Poverty to Benefit the Rich” abgedruckt ist (Ndongo S. Sylla, Pluto Press, London 2014, S. 48):

Kaffeefarmer:innen, die weniger als 50 Mitarbeiter:innen beschäftigen, gelten als kleine Produzent:innen. Die Zertifizierung kostet sie 1.430 € als Grundkosten plus 525 € als Bearbeitungsgebühr. (Produzent:innen mit mehr als 1.000 Mitarbeiter:innen zahlen für die Zertifizierung 3.470 € Grundkosten.) Für jedes Produkt, das zertifiziert werden soll, fällt eine weitere Gebühr von 180 € an. Ist dafür eine Prozesseinheit von weniger als zehn Arbeiter:innen nötig, werden 210 € draufgeschlagen. So kann es sein, dass Kaffeeproduzent:innen, die Fairtrade-Mitglied werden wollen, fast 2.350 € für die Zertifizierung zahlen müssen. Dazu kommt eine jährliche Gebühr für eine Erneuerung des Zertifikats und weitere Kontrollen.

Gerade für kleine Kaffeeproduzent:innen ist das eine stolze Summe. Diese trägt laut einer Studie der Universität von Hohenheim erheblich dazu bei, dass viele Fairtrade-zertifizierte Farmer:innen ärmer sind als jene, die nicht zertifiziert sind. In einem Bericht der Financial Post wird darauf hingewiesen, dass diese Zertifizierung auch nichts über die Qualität des Kaffees aussagt. Die Gebühren seien “pervers”, so der Autor: “Die Mehrheit der Farmer:innen in der Dritten Welt sind zu arm, um diese Zertifizierungs-Gebühren zu zahlen. Sie sind auch zu arm, um Düngemittel und Pestizide zu zahlen, die ihren Kaffee als zertifiziert organisch disqualifizieren würde. Ihr Kaffee ist automatisch organisch. Aber weil sie die Gebühren nicht zahlen können, damit Zertifizierer zu ihnen fliegen, um ihre Operation zu überprüfen, erhalten sie nicht den Premiumpreis, der für zertifizierten Kaffee gezahlt wird.”

Fairtrade Preise im Vergleich mit dem Weltmarkt

Kontrolle der Fairtrade-Bedingungen

Leider garantiert diese nicht erstattungsfähige Zertifizierungsgebühr auch keine Zuverlässigkeit, wie ein Bericht der Financial Times 2006 offen legte: Betrug sei keine Seltenheit. Zahlreiche Farmen hätten nicht-zertifizierten Kaffee als zertifiziert beworben. Ein Insider berichtete: Von zehn Farmen, die er besuchte, hätten zehn unzertifizierte Bohnen an Kooperativen als Fairtrade-Produkt verkauft.

Zudem habe mindestens ein Kaffeeverband eine Fairtrade-Zertifizierung erhalten, obwohl ca. 20 % des Kaffees in geschütztem Staatsforst angebaut wurde.

Erntehelfer in der Region Moyobamba in Peru erhielten $3 pro Stunde, schliefen eng zusammengepfercht auf dem Boden einer Holzhütte, nutzten als Toilette ein Loch im Boden. Der Mindestlohn in Peru betrug zu jener Zeit umgerechnet knapp $4,30. Die Kaffeefarm ist Fairtrade-zertifiziert. Dabei sehen deren Standards vor, dass zertifizierte Organisationen ihren Mitarbeitern einen Lohn zahlen, der “in line” ist mit dem Mindestlohn oder dem nationalen Durchschnitt.

Ein peruanischer Kaffeeproduzent hat an die Umsetzung nie geglaubt: “Es gibt keine Möglichkeit, dass ein Kontrolleur in einer abgelegenen Region in einem Entwicklungsland überprüfen kann, wie viel ein kleiner Farmer seinen Hilfsarbeitern zahlt.” Der Managing Director von FLO gab dies zu: “Dieses Problem stellt sich überall. Arme Leute haben Schwierigkeiten, ihre Arbeiter:innen fair zu bezahlen.”

Kaffeeplantage Santuario Sul Brasilien

Unter der Armutsgrenze

Der Bericht in der Financial Post hatte genau auf diese Schwäche des Systems hingewiesen: Durch die Unmöglichkeit der gewissenhaften Kontrolle gelingt es Farmer:innen immer wieder zu tricksen, um ihren Profit zu steigern, den sie nicht verdient haben. Jene, die das nicht tun, verlieren. Wie in so vielen Bereichen des Lebens haben die Ehrlichen das Nachsehen.

Die Studie der Universität von Hohenheim belegt das in ihrem Fazit: “Über einen Zeitraum von zehn Jahren sind Farmer:innen von organischen und nicht-organischen Fairtrade-Produkten ärmer geworden als konventionelle Produzent:innen.” Die Forscher hatten 327 Mitglieder:innen konventioneller, organischer und nicht-organischer Fairtrade-Kooperativen in Nicaragua begleitet und interviewt. Zertifizierte Produzent:innen lebten öfter unter der Armutsgrenze als konventionelle Produzent:innen. Preise für zertifizierte Kaffees können niedrige Produktivität und Kosten für das Aufbereiten des Landes sowie für Arbeiter:innen-Engpässe nicht kompensieren.

Da würden auch die von Fairtrade stolz beworbenen Prämien nicht helfen, wie eine weitere Studie offenlegte: Fairtrade hat es sich zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen für Menschen in Kaffeeregionen mit Sozialprämien zu verbessern. Die Hoffnung war, dass auch Haushalte davon profitieren, deren Mitglieder nicht selbst in der Kaffeeproduktion arbeiten, aber in derselben Region leben. Die Forscher fanden kein Indiz, dass von den Prämien tatsächlich etwas in diese Haushalte übertragen wurde. Dennoch: “Für jene Haushalte, die in der Kaffeeproduktion arbeiten, stellten wir messbare, stark ungleiche Vorteile fest.”

Freie Marktwirtschaft

Aber wie kann es zu solchen Ungleichheiten und Betrügereien kommen, wenn doch Fairtrade-Produkte so beliebt sind und die Organisation es sich auf die Fahnen geschrieben hat, eine faire Bezahlung der Produzent:innen und ihrer Mitarbeiter:innen sicherzustellen? 2017 feierte Fairtrade einen Verkaufsanstieg ihrer Produkte von acht Prozent. Die Einnahmen aus den Verkäufen lagen bei knapp acht Milliarden Euro (mit einem Premium von 178 Millionen für Farmer:innen und Arbeiter-Organisationen). 2018 lagen die Einnahmen bei fast 10 Milliarden Euro.

Die oben ausgeführten Schilderungen deuten es bereits an: Das fundamentale Problem des Fairtrade-Modells ist, dass es bewusst nach den Gesetzen der freien Marktwirtschaft agiert, wie die Organisation selber zugibt: “Wenn es um nachhaltige Entwicklung geht, kann Handel der bester Diener, aber der schlimmste Meister sein. Deswegen arbeitet Fairtrade auf dem Markt, um den Markt von innen zu verändern.” Wie gut dieses “von innen verändern” in der Regel funktioniert, lässt sich in der Politik regelmäßig beobachten: Ob ein Bernie Sanders die US-Demokraten mehr nach links bewegen möchte oder ein Anton Hofreiter die Grünen zurück zu ihren Wurzeln zu treiben versucht, die Realos setzen sich durch. Alleinige Akteure sind zum Scheitern verurteilt. So auch Fairtrade.

Um ihre Gewinne zu maximieren, betrügen Farmer:innen das System, bezahlen ihre Arbeiter:innen weiter unter dem gesetzlich festgeschriebenen Durchschnitt. Indem Fairtrade einen Mindestpreis für zertifizierte Produkte garantiert, bestärkt es eine Übersättigung des Marktes. Das wiederum senkt die globalen Warenpreise. Als Folge entwickeln Farmer:innen eine immer stärkere Abhängigkeit zu Fairtrade, während jene Farmer:innen, die nicht zertifiziert sind, ebenfalls unter den sinkenden Preisen leiden.

Hinzu kommt, dass kleine Farmen und Kooperativen nicht zertifiziert werden, wenn sie zu wenig produzieren, um den Bedarf des Marktes zu decken. Eine Kooperative, die ausschließlich oder hauptsächlich streng limitierte Kaffees wie unseren Jesus Cardona, Francisco Lopez oder Gedeb anbietet, ist für die Fairtrade-Organisation nicht interessant. Die Mengen sind zu klein. Selbstverständlich gilt das auch für Kooperativen, die low-caf Varietäten anbauen: Die Pflanzen sind so empfindlich, dass sie nur einen geringen Ertrag bringen — zu gering für Fairtrade und die Supermärkte, die beliefert werden müssen.

Der Kaffee wird auf Drying Beds zum Trocknen ausgelegt

Nachteile für arme Regionen

Eine Studie von 2009 erhob noch einen anderen Vorwurf, nämlich dass Fairtrade wohlhabende mexikanische Farmer:innen zulasten von ärmeren Nationen unterstützt. Das hatte einen Hintergrund: Mexiko war der größte Produzent von Fairtrade-Kaffee, machte 23 % des Marktanteils aus. 181 von 300 Fairtrade-Kaffees befanden sich 2002 in Südamerika (mittlerweile ist Kolumbien der größte Produzent von Fairtrade-Kaffee, q.e.d.) und der Karibik. In Mexiko lebten 51 Fairtrade-Produzent:innen, in Burundi kein:e einzige:r, in Äthiopien vier, und in Ruanda lediglich zehn. Das dürfte nicht überraschen, wenn du dir die Zertifizierungsgebühren ins Gedächtnis rufst.

Farmer:innen in Äthiopien oder Ruanda, denen es finanziell nicht so gut geht wie ihren Kolleg:innen in Mexiko oder Kolumbien, erhalten Fairtrade-Gelder und -Premien, solange sie weiterhin jene Produkte liefern, die sie in Armut gefangen halten. Ökonom Paul Collier fasst zusammen, dass Fairtrade den Anreiz mindert, die Ernte zu diversifizieren. Moderne Farmmethoden (Mechanisierung, Pestizide, genetische Modifizierungen) würden zugunsten eines alten Modells — des Ideals kleiner, familienbetriebener Farmen als Idylle — hinten angestellt. Von ihrer Nutzung werde sogar abgeraten. In der Dokumentation “A Bitter Aftertaste” gibt die damalige Sprecherin für Fairtrade, Barbara Crowther, zu, dass die Organisation keinen Grundsatz für Mechanisierung habe.

Ketten und einzelne Händler nutzen diese Schwächen des altmodische Fairtrade-Modells aus. Die größte britische Supermarktkette Sainsbury’s, zum Beispiel, stellte im Sommer 2017 ihr eigenes Fair Trade-Label vor, das das etablierte Fairtrade-Logo für bestimmte Tee-Sorten ersetzte. Der Generaldirektor rechtfertigte dies: “Fairtrade hat vielleicht vor 25 Jahren Sinn gemacht, aber wir leben jetzt in einer neuen Welt mit neuer Technologie.”
Sainsbury’s ist damit nicht alleine.

Alternativen zu Fairtrade

Die Motive mögen weniger in der Philanthropie sondern mehr in der Gewinnmaximierung begründet sein. Gleichzeitig wollen Unternehmen nicht mit kontroversen Marken in Verbindung gebracht werden, wenn es sich vermeiden lässt, d.h. wenn es Alternativen gibt. Mondelez in Großbritannien hat das Fairtrade-Label aufgegeben und ein eigenes Zertifizierungsmodell namens Cocoa Life gegründet. Nestlé macht es ganz ähnlich, gründete bereits 2013 Cocoa Plan. Mondelez und Nestlé machen zusammen 40 % des britischen Schokoladenmarktes aus. Starbucks setzt auf CAFE Practices, McDonald’s auf die McCafé Sustainability Improvement Platform, der US-Riese Cargill auf Cocoa Promise. Nur wenige ausgewählte Produkte der genannten Firmen setzen noch auf Zertifizierungsmodellen von Dritten wie Fairtrade, Rainforest Alliance oder UTZ.

Diese Alternativen sind nicht unbedingt besser für Farmer:innen in der dritten Welt. Rainforest Alliance oder UTZ beispielsweise vergeben keine Sozialprämie, mit denen Projekte direkt unterstützt oder angestoßen werden. (Die Sozialprämie von Fairtrade beträgt 0,39 € pro Kilo, allerdings wird keine genaue Angabe zur Spendenverwendung herausgegeben.) Aus diesen Schwächen des fairen Handels ist eine Bewegung gewachsen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, es besser zu machen.

Ist Direct Trade die Antwort?

Fazit

Durch negative Schlagzeilen und vermehrte Studien, die Zweifel daran weckten, Fairtrade würde seine Versprechen einlösen können, hat sich verstärkt Unmut breit gemacht. Die frühe Begeisterung für ein vielversprechendes Modell, das Kapitalismus mit Philanthropie verbindet, hat sich gelegt.

Auch Direct Trade hat seine Schwächen, unter denen Farmer:innen leiden können. Wille Yli-Luoma von Heart Coffee im US-amerikanischen Portland fasste es so zusammen: “Ich kann gar nicht zählen, wie viele Farmer:innen in Kolumbien und Guatemala sich bei mir beschwert haben über Käufer:innen, die bei ihnen auf der Farm auftauchen, für ein paar Tage große Versprechungen machen, ihnen sagen, sie sollen dieses und jenes machen, vielleicht doppelt fermentieren oder honey-processing anwenden.” Sollten diese Experimente Früchte tragen, profitieren alle Beteiligten — doch was, wenn sie nicht funktionieren? Wer trägt die Kosten?

Aus diesem Grund ist es entscheidend, bindende Verträge mit Farmer:innen einzugehen, in denen auf solche Eventualitäten eingegangen wird. Gleichauf entscheidend sind lange, enge Beziehungen zu festen Kooperationspartner:innen, mit denen oben genannte Diskussionen auf Augenhöhe geführt werden. Es ist kein perfektes System, da das Funktionieren eines jeden Modells vom Anstand der jeweiligen Akteur:innen abhängig ist, Menschen aber fehlerhaft und korrumpierbar sind. Dennoch präsentiert sich Direct Trade als eine Chance, die wir nicht verspielen dürfen.

Ein Beitrag von Stephan Eicke

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