Unsere Gastautorin Katharina berichtet über die Milchkuhhaltung in Deutschland. Katharina ist für die KUH+DU Kampagne der Welttierschutzgesellschaft verantwortlich und hat zu Beginn dieser Kampagne einen Milchratgeber erstellt, der dir hilft, die "richtige" Milch für dich und deinen Kaffee zu finden.

Die Milch zum richtig guten Kaffee

Kaffee ist ein beliebter Begleiter durch den Tag. Ob als Filterkaffee, Espresso, Milchkaffee oder Cappuccino – er wird in den verschiedensten Varianten angeboten. Für die meisten gehört Milch zum Kaffeegenuss einfach dazu. Die Frage, die ich mir dabei stelle ist: Denkt dabei eigentlich auch jemand an das Tier hinter der Milch – die Kuh? Wie sie lebt? Wo sie lebt? Wie ihr Leben so aussieht? Die Welttierschutzgesellschaft gibt auf diese Fragen mit der KUH+DU Kampagne Antworten. Doch vorher möchte ich auf einige Fakten eingehen.

Ställe statt Weide

Die meisten der 4,3 Millionen Milchkühe in Deutschland leben den Großteil des Jahres über im Stall. Mehr als die Hälfte von ihnen darf sogar niemals auf einer Weide grasen, Tendenz steigend. Das von der Werbung publizierte Bild der glücklichen Kuh auf der Weide ist in der Realität also eine Seltenheit. Und im Stall selbst werden immer noch mehr als eine Million Milchkühe teilweise oder das ganze Jahr über angebunden und können sich nur wenige Zentimeter bewegen. 

Stallsituationen der Kühe

Kuh, wo sind deine Hörner?

Nicht nur männliche Rinder haben Hörner, sondern auch Milchkühe. Allerdings werden den jungen Kälbern innerhalb der ersten sechs Lebenswochen die Hörneransätze ausgebrannt – um spätere Verletzungen in engen Laufställen zu vermeiden. Obwohl der Eingriff für das Kalb schmerzhaft ist, ist eine Betäubung nicht vorgeschrieben.

Jedes Jahr ein Kalb

Kühe geben nicht einfach so Milch. Vorher muss erst ein Kalb geboren werden, das in den meisten Fällen kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt wird. Nur vereinzelte Landwirte praktizieren alternative Formen der Kälberaufzucht und lassen das Kalb mehrere Wochen oder Monate bei der Mutter oder einer Ammenkuh. Um die Milchleistung dauerhaft aufrecht zu erhalten, werden die meisten Kühe jedes Jahr – in der Regel künstlich – besamt. Nach neun Monaten kommt das nächste Kalb zur Welt.

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Wenn Hochleistung krank macht und es keine Mindeststandards für Milchkühe gibt

In den meisten deutschen Kuhställen stehen heute Hochleistungskühe. Statt der täglichen acht bis zehn Liter für ihr Kalb muss eine Hochleistungskuh in Hochphasen bis zu 50 Liter Milch produzieren. Dies wurde nur möglich durch jahrelange Zucht auf Milchleistung und einer nicht artgerechten Fütterung mit energiereichem Kraftfutter, wie Soja und Getreide. Beides zehrt an den Kräften der Tiere und macht sie anfällig für Krankheiten.

Jährlich werden insgesamt rund 1,4 Millionen Milchkühe in Deutschland getötet – das sind 35% aller Milchkühe, jedes Jahr. Hauptursachen sind Fruchtbarkeitsstörungen und andere Erkrankungen. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wo Kühe trotz hoher Leistung gesund sind. Ist eine Kuh erst einmal unfruchtbar oder gibt aufgrund anderer Krankheiten weniger Milch, ist sie für den Milchbetrieb nicht mehr rentabel und wird geschlachtet.

Die Kampagne Kuh+DuDies geschieht nach durchschnittlich 5 Jahren – eigentlich könnten Kühe aber 20 Jahre und älter werden. Doch dazu kommt es kaum. Und obwohl der Tierschutz seit dem Jahr 2002 im Grundgesetz verankert ist, gibt es bis heute keine gesetzliche Haltungsverordnung für Milchkühe, die tiergerechte Mindeststandards vorschreibt.

Diese genannten Zuständen veranlassten mein Team und mich zur der Kampagne KUH+DU, um auf die Missstände aufmerksam zu machen und vor allem Verbraucher darüber zu informieren.

Mit KUH+DU für die Kuh

Um die Lebensbedingungen der Milchkühe in Deutschland zu verbessern, setzt sich die Welttierschutzgesellschaft mit ihrer Kampagne KUH+DU für die Einführung einer Haltungsverordnung, sowie mehr Transparenz für den Verbraucher ein. Um Verbrauchern den Durchblick im Milchmarkendschungel zu erleichtern, wird die Kampagne vom Milchratgeber begleitet. Dieser dient als Erstinformation für Verbraucher und vergleicht sowohl bekannte konventionelle als auch Bio-Milchmarken anhand einiger Haltungsvorgaben für die Tiere.

Kuh plus Du

Aber auch Lehrer können die Milchkuh in den Unterricht bringen. Mit dem Lernset „KUH+DU macht Schule“ werden Schüler im Alter von neun bis zwölf Jahren für das Thema Milchkuh sensibilisiert. Spielerisch lernen die Kinder, wie Kühe in Deutschland leben, welche Bedürfnisse sie haben und wie jeder Einzelne zum Tierwohl beitragen kann.

Das Lernset von KUH+DU

Die Welttierschutzgesellschaft

Pfanzliche Alternativen

Wem der Appetit auf Kuh-Milch gänzlich vergangen sein sollte, muss nicht verzagen. Viele verschiedene Sorten „Pflanzenmilch“ auf Soja-, Reis-, Hafer- oder Mandelbasis warten darauf, ausprobiert zu werden. Sollte dir mal ein Produkt nicht zusagen, versuche das eines anderen Herstellers. Der Geschmack der verschiedenen Marken variiert. Kaffeeliebhaber müssen auch nicht gleich verzweifeln, sollte die Sojamilch mal stocken: Andere Sorten wie beispielsweise Hafermilch lassen sich auch gut in den Kaffee mischen.

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