Cupping Lab für 3.500 Kaffeefarmer in D.R. Kongo

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Mit deinem Kaffee unterstützt du 3.500 Kaffeefarmer:innen im Osten Kongos dabei, die Qualität ihrer Kaffees zu steigern und höhere Löhne zu erzielen! Gemeinsam haben wir ein “Cupping Lab” finanziert, das den Farmer:innen dabei hilft, die Qualität ihrer Kaffees zu evaluieren und langfristig zu verbessern.

Als wir im April 2018 vor Ort waren, haben wir festgestellt, dass die beiden Kooperativen Kawa Kabuya und Kawa Kanzururu bisher nicht in der Lage sind, ihre Kaffeequalitäten selbst einzuschätzen. So können sie keine gezielten Verbesserungen vornehmen und verpassen die Chance, besonders hohe Qualitäten zu separieren und hohe Erlöse dafür zu erzielen.

Was ist ein Cupping Lab? So bezeichnet man den Ort, an dem der Geschmack von Rohkaffees getestet und bewertet wird. Dies findet in sogenannten Cuppings statt – daher auch der Name. Wie ein Cupping abläuft, erfährst du hier ›

In Kürze

  • Projektvolumen: 32.500 €
  • Projektstandort: Nord-Kivu, D.R. Kongo
  • Kooperativen: 70 Mikro Washing Stations in den Kooperativen Kawa Kabuya und Kawa Kanzururu
  • Geo-Koordinaten: S 00°25.448’ E 29°14.336’
  • Begünstigte: ca. 3.500 Kaffeefarmer:innen
  • Umsetzungszeitraum: 2019-2021

Warum ist das Projekt so wichtig?

Wie die meisten Kooperativen im Osten Kongos ist auch Kawa Kabuya in kleinere Micro Stations unterteilt, die jeweils eigenen Kaffee produzieren. Vor dem Export wird dieser gesammelt und als Ganzes über die Kooperative verkauft. Jedoch schwankte die Kaffeequalität innerhalb der unterschiedlichen Micro Stations, sodass die Qualität der “guten” Kooperativen beim Export unter dem Mischen der Kaffees litt und letzten Endes eine Durchschnittsqualität erreicht wurde. Durch den Aufbau eines lokalen Cupping Labs können die Kooperativen nun zwischen den einzelnen Kaffees differenzieren.

So können Kaffees mit einem höheren Qualitätsniveau für einen besseren Preis verkauft werden und die gesamte Kooperative steigert ihre Einnahmen

Der Vergleich von Micro Stations erleichtert es den Farmer:innen, ihr Wissen untereinander weiterzugeben und sich auszutauschen. Aufgrund der Ergebnisse im Cupping Lab kann die Kooperative gezielte Trainings abhalten, um die Qualität an den schwächeren Mikro Washing Station zu verbessern.

Von dem Cupping Lab profitiert nicht nur unsere Partnerkooperative Kawa Kabuya, sondern auch die benachbarte Kooperative Kawa Kanzururu. So haben ca. 3.500 Farmer:innen Zugang zu besseren Trainingsmöglichkeiten erhalten.

Wie wurde das Projekt umgesetzt?

Wir stehen bereits seit mehreren Jahren in engem Kontakt mit der NGO Rikolto, die im Kongo aktiv ist. Im April 2018 lernten wir uns persönlich während unseres Aufenthalts in Nord-Kivu kennen. Wir waren so begeistert von ihrer Arbeit vor Ort, dass wir uns dazu entschlossen, den Aufbau des Cupping Labs gemeinsam durchzuführen. Rikolto hat die Kooperative vor Ort bei den notwendigen Baumaßnahmen und bei dem Import des notwendigen Labor Equipments unterstützt. Dazu zählten eine Sample Röstmaschine, Kaffeemühlen, Heißwassergeräte, Waagen, Tassen, Cupping Löffel, etc. Als Notstromaggregat wurde ein Solar Kit bereitgestellt.

Rikolto und Kawa Kabuya hatten mit einigen Herausforderungen zu kämpfen, das Projekt in dem anvisierten Zeitraum umzusetzen. Zu den blutigen Konflikten im Osten Kongos kamen ein Ebola-Ausbruch und das Coronavirus, das Lieferketten überall auf der Welt durchbrochen hat. Es kommt einem Wunder nahe: Das Lab steht, erste Schulungen für Kaffee Cuppings haben bereits stattgefunden. Einiges ausgewähltes Equipment ist bereits bestellt und auf dem Weg, allerdings noch nicht eingetroffen. Léopold Mumbere von der NGO Rikolto gibt uns einen kleinen Einblick in die bisher geleistete und noch zu leistende Arbeit.

Stephan Eicke: Léopold, was ist passiert?
Léopold Mumbere: Das Cupping Lab steht nun, in Butembo. Der erste Schritt war, ein Stück Land zu kaufen, auf dem wir es errichten konnten. Dieses Land wurde von Kawa Kabuya selbst gekauft. Das war ihr Beitrag zu dem Projekt. Anschließend haben wir das Haus aufgebaut und das Equipment installiert. Es ist mehr als ein Cupping Lab geworden, denn die Kooperative hat die Gelegenheit genutzt und gleich ein Büro eingerichtet. Wir haben verschiedene Händler für das Equipment kontaktiert, in Belgien, Amerika, Kenia. Jetzt haben wir eine Röstmaschine für Kaffee Samples, eine Mühle und verschiedene andere Gegenstände wie Tassen. Einiges Equipment wie Löffel hängt noch an der Grenze fest, ist aber auf dem Weg.

Die Kooperative ist sehr stolz, auch weil es ein Zeichen des Kaffee-Revivals im Kongo ist.

Nachdem wir das notwendige, große Equipment gekauft und eingerichtet hatten, haben wir mit dem Training für lokale Cupper angefangen. Die Kooperative hat einen jungen Mann eingestellt, der sich drei Jahre in Ruanda als Cupper hat ausbilden lassen. Er hat dann all jene Farmer im Cupping ausgebildet, die von der Kooperative ausgewählt worden waren. Im letzten Monat, im Oktober 2021, haben sie das Training durchgeführt. Ursprünglich waren es neun Leute, die ausgebildet wurden. Am Ende sind drei übrig geblieben; drei junge Männer, die im Cupping Lab arbeiten können. Wir sind aber noch nicht am Ziel. Es ist ein Prozess: Diese jungen Männer brauchen Übung, müssen eine Routine entwickeln und Erfahrungen sammeln. Wir müssen sicherstellen, dass die Cupping-Ergebnisse den internationalen Standards entsprechen, dass wir den Ergebnissen trauen können. Daran arbeiten wir gerade. Die Kooperative ist sehr stolz, auch weil es ein Zeichen des Kaffee-Revivals im Kongo ist.

Kaffee aus dem Kongo hatte lange einen schlechten Ruf, wurde international unterschätzt. Das lag auch an den mangelnden Maßnahmen zur Qualitätsermittlung und -sicherung im Kongo. Jetzt, mit einem eigenen Cupping Lab für die Kooperative Kawa Kabuya, ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung getan. Allerdings werden langfristig nicht alle drei Männer als professionelle Cupper in dem Labor arbeiten. Léopold und die Kooperative planen auch aus finanziellen Gründen derzeit mit einer Festanstellung für einen Cupper. Um es mit Léopolds Worten zu sagen: “Zwei sind Reserven.”

Die Beschaffung des notwendigen Equipments klingt für Europäer haarsträubend und aufwändig, für Léopold und Rikolto war der Transport jedoch Alltag, kaum mehr als ein Schulterzucken wert: Rikolto bestellte kleinere Maschinen in Kigali, Ruanda, die anschließend über eine kleine Insel per Boot nach Goma im Kongo gebracht wurden. Léopold und seine Kollegen von Rikolto machten sich anschließend im Auto auf den Weg nach Goma, transportierten das Equipment nach Butembo. Die schnellste Route von Butembo nach Goma ist in knapp neun Stunden zu bewältigen. Begleitet wurden sie auf einem Teil ihrer Strecke vom Militär, denn der Osten des Kongos ist von blutigen Konflikten geprägt, von Terroristen und Rebellen. Jede Tour muss kurz vorher genau geplant werden, um Streckenabschnitte zu vermeiden, auf denen bewaffnete Kämpfer gesichtet wurden.

Interview mit Léopold Mumbene

In diesem Video spricht Léopold über die Sicherheitsmaßnahmen, die bei einer derartigen Reise getroffen werden müssen.

Besonders im Süden und Osten des Landes kämpfen nicht-staatliche Gewaltgruppen wie die Mai-Mai-Milizen um die Kontrolle wertvoller Ressourcen in der Region. Mehr Informationen über die innerstaatlichen Konflikte im Kongo könnt ihr von der Bundeszentrale für politische Bildung nachlesen.

Was kommt?

Mit dem notwendigen Equipment und dem Training der Cupper ist der Anfang gemacht. Bevor neue Geräte – wie zum Beispiel Schälmaschinen, sogenannte Parchment Hullers – angeschafft werden, arbeiten Rikolto und die Kooperativen an der Ausbildung der Cupper und der Verfeinerung des Cupping-Prozesses. Um möglichst effizient zu wirtschaften, werden größere Maschinen für die Farmer:innen erst bestellt, wenn die Ergebnisse der Cuppings zuverlässig sind und sich die Kooperativen mit ihrem eigenen Kaffee vertraut gemacht haben. Nun, dank des neuen Cupping Labs, können die Farmer:innen an der Qualitätssicherung und -steigerung ihrer Ernten arbeiten.

Stephan Eicke: Es scheint, als habe es trotz der turbulenten letzten Jahre keine schwerwiegenden Verzögerungen gegeben.
Léopold Mumbere: Nein, wir sind zufrieden. Die Farmer:innen haben jetzt das Cupping Lab. Es ist ein Start. […] Wir wollen sie dann mit den jeweiligen Organisationen zusammenbringen, die ihnen dabei helfen, von der SCAA zertifiziert zu werden. Das wird ihrem Kaffee eine internationale Glaubwürdigkeit verleihen und nach außen zu erkennen geben, dass sie vertrauenswürdig sind.

Wie genau gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen den Farmer:innen und den Cuppers?
Es hat sich ein System herausgeschält: Jede Micro Washing Station wird regelmäßig Kaffee Samples ins Labor schicken. Dann wird ihnen Feedback gegeben, indem das Lab seine Ergebnisse mitteilt. Je nach dem Ergebnis können sie dann ihren Preis erhöhen oder heruntersetzen. Wichtiger ist aber, dass sie wertvollen Rat erhalten, wie sie die Qualität ihres Kaffees noch steigern können. So funktioniert es. Wir werden auch regelmäßig die Manager der Washing Stations ins Lab einladen, damit sie ihren eigenen Kaffee testen und Feedback geben können.

Die Micro Washing Stations befinden sich in unterschiedlicher Entfernung zu dem neuen Cupping Lab. Die längste Entfernung beträgt 125 Kilometer, die kürzeste knapp 30. Léopold möchte betonen, dass es bei der finanziellen Unterstützung des Cupping Labs in Butembo nicht nur um die finanzielle Unterstützung des Cupping Labs in Butembo geht: “Coffee Circle kauft nicht nur Kaffee und hat uns bei der Errichtung des Labors unterstützt. Ihr bringt auch andere Kunden zu uns. Das wissen wir sehr zu schätzen. Dadurch werden immer mehr Unternehmen auf den Kongo als Ursprungsland aufmerksam. Es geht um mehr als nur Kaffee.”

Ein Beitrag von Stephan Eicke
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