In der Kooperative Sediloya

Unsere Arbeit mit World Coffee Research — African Breeders Hub in Ruanda

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Es gibt mehr als tausend Bananensorten, aber nur wenige hundert Arten von Kaffee. Wie kann das sein? Im Wissen über die Kaffeepflanze gibt es noch viele Rätsel und Geheimnisse zu lüften. Bei Bananen ist man da schon deutlich weiter. Die World Coffee Research hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kaffeepflanze unter anderem im Rahmen des Annual African Breeders Hub zu erforschen und weiterzuentwickeln.

Viele unserer Projekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. Unser WaSH-Projekt haben wir beispielsweise mit der Welthungerhilfe umgesetzt. Die Finanzierung des Annual African Breeders Hub wurde von der Organisation World Coffee Research inspiriert. So haben wir Wissensvermittlung durch die Finanzierung des zweiten Annual African Breeders Hub unterstützt, zu dem Züchter:innen aus acht afrikanischen Ländern (Ruanda, Burundi, D.R. Kongo, Uganda, Kenia, Tansania, Malawi und Zimbabwe) aufeinandertrafen.

In Kürze

  • Projektvolumen: 21.900 € (Verlängerung angestoßen)
  • Umsetzungszeitraum: seit 2020
  • Region: Ostafrika (virtuell)
  • Begünstigte: tausende Farmer:innen in Ostafrika
Kaffeekirschen

Warum war dieses Projekt so wichtig?

Klimawandel, neuartige Krankheiten und Ungeziefer machen es der Kaffeepflanze und Farmer:innen schwer. Eines unserer Ziele bei der Konzipierung und Durchführung von Projekten ist Qualitätstraining, in denen Farmer:innen nicht nur nahegebracht wird, wie sie die Qualität ihres Kaffees noch verbessern, sondern auch wie sie die Pflanzen vor Krankheiten und anderen Gefahren schützen können. Dieses Ziel verbindet uns mit World Coffee Research: Hier tauchen Kaffee-Expert:innen und Naturwissenschaftler:innen tief ein in die Materie der Kaffeepflanze und entwickeln innovative Möglichkeiten, um Kaffeefarmer:innen eine nachhaltige Zukunft zu bieten.

Ein Teil der sorgfältigen, umfassenden Arbeit des World Coffee Research liegt im Austausch von Wissen. Das Handwerk des Kaffeeanbaus wird von Generation zu Generation weitergegeben, doch die wenigsten Landwirt:innen können ihre Kaffeesorten exakt benennen. Das mangelnde Wissen über Kaffeevarietäten, und -gattungen macht es für Wissenschaftler:innen und Farmer:innen ungemein schwierig, neue Sorten zu entwickeln, um auf neue Herausforderungen wie den Klimawandel, Dürre oder Schädlinge zu reagieren. Durch den offenen, von World Coffee Research ermöglichten Austausch über Kaffeesorten, Daten und neue Werkzeuge, wird dem Abhilfe geschaffen.

Das notwendige Wissen über Kaffee, Anbau und die Produktion wird unter anderem im jährlichen Breeders Hub übermittelt, der 2019 zum ersten Mal stattfand als Basis für Länder, zusammenzukommen und miteinander zu arbeiten statt sich als Konkurrenten zu sehen.
Begeistert von der Idee und Umsetzung des ersten Annual African Breeders Hub haben wir uns entschlossen, mit eurem Spendengeld von 1 € pro verkauftem Kilogramm Kaffee, den zweiten Breeders Hub 2020 zu finanzieren. Dann kam Covid.

Wie wurde dieses Projekt umgesetzt?

Eine Kooperation wird ermöglicht nicht nur zwischen den verschiedenen Züchtern untereinander sondern auch zwischen den jeweiligen Züchtern und World Coffee Research, deren Research Director und dem Breeding Hub Coordinator.

Jedes Land braucht individuelle, neue Kaffeevarietäten, um Herausforderungen wie Klimawandel und Krankheiten zu trotzen. Doch die Züchtung neuer Varietäten geschieht nicht von heute auf morgen. Neue Varietäten brauchen 20 bis 30 Jahre um zu wachsen. In den meisten afrikanischen Ländern gibt es nur einen qualifizierten, studierten Züchter, der sich auf Krankheiten spezialisiert. Da er aber nicht in Verbindung steht mit den Konsument:innen, verfügt er nicht über das detaillierte Verständnis, den Kaffee in Bezug auf Geschmack und Qualität der Pflanze beurteilen zu können.

Diese Züchter aus verschiedenen Ländern werden im Breeders Hub – wie der Name sagt – zusammengebracht. Eine Kooperation wird ermöglicht nicht nur zwischen den verschiedenen Züchtern untereinander sondern auch zwischen den jeweiligen Züchtern und World Coffee Research, deren Research Director und dem Breeding Hub Coordinator. So wird die Zusammenarbeit gefördert. Züchter können sich austauschen und lernen, welche neuen wissenschaftlichen Möglichkeiten und Werkzeuge zur Verfügung stehen, um effizient züchten zu können, um die Bedürfnisse nicht nur der Farmer:innen sondern auch der Konsument:innen (zu denen du gehörst) zu erfüllen.

Das zweite Annual African Breeders Hub sollte als Workshop am 25. und 26. März 2020 in Kigali, Ruanda, stattfinden.Das Event konnte umgesetzt werden, allerdings nicht physisch sondern virtuell, und nicht wie ursprünglich geplant im März 2020 sondern am 12. Mai 2020. Einzelne, individuelle Meetings im Rahmen des Breeder Hubs wurden im April und Mai des Jahres abgehalten.

World Coffee Research Logo

Was hat sich verändert?

Die Arbeit des World Coffee Research ist langfristig, geprägt von Weitblick, entscheidend dafür, dass wir auch in 20 oder 30 Jahren noch Kaffee trinken können. Auch unsere Kollaboration mit der Organisation als starker Partner ist noch lange nicht beendet. Die gemeinsame Ausrichtung des Breeder Hubs war erst der Anfang. Einen Impact in Zahlen anzugeben ist bei derartigen Projekten ein Ding der Unmöglichkeit. Dennoch erhalten wir positive Signale aus verschiedenen afrikanischen Ländern, die ihre Produktivität steigern konnten. Äthiopien beispielsweise exportierte zwischen 2009 und 2011 im Durchschnitt pro Jahr 2,6 Millionen Säcke Kaffee. Zwischen 2019 und 2021 waren es im Durchschnitt pro Jahr bereits 3,8 Millionen.

2021 wurden spezifische Aktivitäten identifiziert, um neue Varietäten großzuziehen, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Regionen zugeschnitten sind. Uganda und Äthiopien waren die ersten beiden Länder, die sich einem sogenannten “breeding programme assessment tool” unterzogen haben: Beide wurden durch unabhängige, wissenschaftliche Auswertungen von der Queensland University in Neuseeland informiert, wie sie ihr Züchtungsprogramm verbessern können. Der Report für Äthiopien wurde von deinen Spendengeldern finanziert, die wir von Coffee Circle für die Analyse aufgewandt haben. Als Resultat hilft World Coffee Research nun Uganda und Äthiopien dabei, Formulare zu erstellen und Anträge einzureichen, um notwendige Fördergelder von Regierungen für diese Verbesserung zu erhalten.

Das Hub selbst befindet sich in Ruanda. Hier arbeiten Wissenschaftler:innen daran, Kreuzungen für Varietäten von Kaffeepflanzen zu erstellen. Diese werden getestet und sorgfältig untersucht, denn verschiedene Länder, die an dem Programm teilnehmen, haben verschiedene Ansprüche und Anliegen, was sie brauchen, um ihre Kund:innen zufriedenzustellen.

Die finanziellen Mittel, die durch die virtuelle Ausrichtung des Breeders Hub gespart werden konnten – knapp 3.500 US-$ – sind in das Rubona Research Centre in Ruanda geflossen in dem das genetische Material sowie lebende Kaffeepflanzen aufbewahrt werden, die intensive Pflege benötigen und regelmäßigen wissenschaftlichen Tests unterzogen werden.

Weiterhin hat World Coffee Research ein Programm in Äthiopien zur Einschätzung der Pflanzenschule in Auftrag gegeben, wo Keimlinge und Pflanzen wachsen, die dann an die Farmer:innen verteilt werden können. Einige dieser Keimlinge sind allerdings nicht gesund. Durch die Einschätzungen soll ermittelt werden, woran das liegt und wie man die Arbeit verbessern, den Wachstum begünstigen und die Gesundheit der Keimlinge sicherstellen kann. Da diese Pflanzen mehr als 30 Jahre lang von Farmer:innen für die Kaffeeernte genutzt werden, ist es wichtig sicherzustellen, dass die stark und gesund sind. Nur so können sie eine große Menge Kirschen tragen und den Farmer:innen ein hohes Einkommen garantieren.

Dieses Programm sollte in Äthiopien bereits vor Monaten angestoßen werden, musste allerdings aufgrund des eskalierenden Tigray-Konflikts pausieren. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit World Coffee Research und werden selbstverständlich auch dich über die weiteren Schritte auf dem Laufenden halten.

Ein Beitrag von Stephan Eicke
World Coffee Research
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