Bäume, Ernährung, Bienenstöcke: Biodiversität in Jimma, Äthiopien

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Im Rahmen der Planung unseres WaSH-Projektes, das wir mit der Welthungerhilfe durchgeführt haben, entwickelten wir zusätzlich Qualitätstrainings für Farmer:innen und stießen dank Fördergelder der Bundesregierung auch einen Biodiversitäts-Plan an, der eine sinnvolle Ergänzung darstellte.

Verschiedenste Aspekte des Lebens sind eng miteinander verzahnt. Oft reicht ein fokussiertes Projekt nicht aus, um einen Unterschied zu erwirken und Verbesserungen zu erzielen. Die Erschließung von Trinkwasserquellen macht nur Sinn, wenn gleichzeitig Hygienetrainings durchgeführt werden. Diese wiederum können nur durchschlagenden Erfolg erzielen, wenn für alle Anwohner:innen Sanitäranlagen zur Verfügung stehen. Qualitätstrainings sind sinnlos, wenn Kaffeepflanzen durch mangelnde Biodiversität nicht optimal wachsen können.

In Kürze

  • Projektvolumen: 500.000 € (plus Fördergelder des BMZ; weitere 700.000 € für Verlängerung bis 2024, verteilt auf drei Teilprojekte)
  • Umsetzungszeitraum: seit 2015
  • Projektstandort: Jimma, Äthiopien
  • Geo-Koordinaten: 36.65oE bis 36.76oE; 7.63oN bis 7.71oN
  • Begünstigte: ca. 10.000 Farmer:innen

Warum ist dieses Projekt so wichtig?

Biodiversität in der Region zu fördern, in der wir auch Qualitäts- und Hygienetrainings in enger Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe durchführen, machte aus den oben genannten Gründen Sinn. Nur wenn Biodiversität vorhanden ist, kann eine ertragreiche und qualitativ hochwertige Ernte möglich sein. Die Qualität des Kaffees kann anschließend durch Trainings und Ausbildungen der Farmer:innen erhöht werden. Als wir 2015 unser dreigliedriges WaSH-Projekt umzusetzen begannen, wurde die Förderung der Biodiversität durch Gelder der deutschen Bundesregierung ermöglicht. Dank des BMZ — des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung — konnten nicht nur Baumschulen aufgezogen und eine halbe Million Bäume gepflanzt werden. Auch konnte die Welthungerhilfe als unser Repräsentant vor Ort Kochkurse für die Bevölkerung veranstalten, Essen ausgeben und über eine ausgewogene Ernährung informieren. Coffee Circle-Mitgründer und Geschäftsführer Martin Elwert hat das Biodiversitäts-Projekt mit angestoßen.

Stephan Eicke: Martin, wie kam es zu dem Biodiversitäts-Projekt?
Martin Elwert: Biodiversität war eine Ergänzung zu unserem WaSH-Projekt. Hier ging es darum, die Pflanzenvielfalt zu erhalten, Bäume zu pflanzen, Erosionen vorzubeugen. Der dritte Teil des BMZ-Projekts — zusammen mit Biodiversität und WaSH — war Value Chain, die Ausbildungen und Trainings für Farmer:innen. Mit der Welthungerhilfe als Partner haben wir dafür Fördergelder des BMZ bekommen, eine knappe halbe Million Euro, die in Biodiversität geflossen ist.

Haben wir das Projekt allein umgesetzt?
Nein, mit HUNDEE, einer lokalen NGO in Äthiopien. Ursprünglich war der Plan, das Projekt mit der Michael Succow Foundation umzusetzen. Succow ist ein berühmter Agrarwissenschaftler, der im Übergangsparlament der DDR gesessen hatte. Er war mitverantwortlich für das Nationalpark-Programm und hat somit eine große Fläche der ehemaligen DDR unter Naturschutz stellen lassen. Succow ist leidenschaftlicher Vogelforscher und ein faszinierender Mensch: Er ist unter strengem Militärschutz in den Nordwesten Äthiopiens gereist, an die sudanesisch-eritreische Grenze, ans Ländereck, um dort zu übernachten und Vögel zu beobachten. Er hat uns dann begeistert davon erzählt, wie er dort schwimmen war und Krokodile gesehen hat.

Warum kam die Zusammenarbeit mit der Michael Succow Foundation nicht zustande?
Als wir Fördergelder der Bundesregierung bekommen haben war die Voraussetzung, den Großteil des Projekts mit lokalen NGOs umzusetzen. Wenn die Regierung Gelder verteilt, kann die Welthungerhilfe Chefkoordinatorin sein, aber der Großteil der Arbeit muss von lokalen NGOs erledigt werden. Das Geld muss in die lokalen Strukturen gegossen werden und soll nicht an die Welthungerhilfe nach Bonn gehen, die vor Ort Menschen anstellt. Zunächst war es für uns eine Herausforderung, eine lokale NGO in Äthiopien zu finden, dann haben wir aber HUNDEE kontaktiert, mit der wir das Biodiversitäts-Projekt umgesetzt haben.

Martin beim cupping in der Rösterei.
Martin Elwert beim Cupping in der Rösterei

Wie wird dieses Projekt umgesetzt?

In vielen Teilen Äthiopiens ist Unterernährung der Bevölkerung nach wie vor ein großes Problem, das besonders für Frauen und Kinder besteht.

Oberstes Ziel des BMZ-Projekts ist die Bekämpfung der Unterernährung durch eine Verbesserung von:
Zugang zu sicherer Wasserversorgung, sanitären Einrichtungen und Hygiene

Verfügbarkeit von nährstoffreichen Nahrungsmitteln

nachhaltiger Nutzung der Waldressourcen

Optimierung der Kapazitäten von Kaffee-Kooperativen

Also zusammengefasst durch eine ernährungssensible Landwirtschaft.

Hier arbeiten wir eng mit der Welthungerhilfe und HUNDEE in Äthiopien zusammen, während die Michael Succow Foundation als Berater fungiert. Zunächst galt es, HUNDEE über unsere Ziele zu informieren und sie entsprechend zu schulen, denn die NGO war ein kleines Unternehmen, das zunächst weder die notwendige Erfahrung noch die erforderlichen Kapazitäten besaß, die verschiedenen Aspekte des BMZ-Projektes unmittelbar tatkräftig anzugehen. Dank enger Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe und mehrerer Schulungen konnten diese Herausforderung jedoch gemeistert und erste Initiativen schnell angestoßen werden.

In vielen Teilen Äthiopiens ist Unterernährung der Bevölkerung nach wie vor ein großes Problem, das besonders für Frauen und Kinder besteht. In Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden haben wir 2020 mit unserem Team vor Ort mit mehr als 940 Frauen Koch- und Ernährungskurse abgehalten. Das Ziel der Kurse ist, Aufklärung und praktische Tipps zu ausgewogener Ernährung zu vermitteln. Einseitige Ernährung und mangelnde Ressourcen führen besonders bei Kindern zu Unterernährung mit gesundheitsschädlichen Folgen. Im Rahmen dieser Kurse wurden mehr als 580 Kinder von geschultem Personal auf Unterernährung untersucht: Wurden kritische Werte festgestellt, erhielten die Kinder und ihre Eltern von Ärzten über den Kurs hinaus Unterstützung und Betreuung. Als direkte Corona-Hilfe wurden im selben Jahr zusätzlich 560 kg Lebensmittel (Bohnenpulver, Gerste, Mais, Fandisha, Kaffee, Öl und Zucker) an die Familien in den Gemeinden verteilt.

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Entscheidend war auch, Strategien zur nachhaltigen Waldnutzung zu entwickeln, die die Gemeinden zum Schutz der Biodiversität umsetzen können. So entstand die Idee für Participatory Forest Management (PFM): Äthiopiens Waldstücke befinden sich seit mehreren Jahrzehnten in großer Gefahr. Immer mehr Gebiete werden in Farmländer umgewandelt. Zu diesem Zweck werden Bäume abgeholzt. Dies hat gleich mehrere verheerende Nachteile für die lokalen Gemeinden. Unter anderem wird es zunehmend schwerer, Holzprodukte zu gewinnen. Gleichzeitig leidet die Bodenqualität, genauer gesagt die Fruchtbarkeit der Erde. Ein Teufelskreis entwickelt sich und immer mehr Bäume müssen gefällt werden. Die Biodiversität leidet enorm.

PFM ist eine Chance, dem entgegenzuwirken: Hier verwalten Einwohner:innen der lokalen Gemeinden den Wald und seinen Bestand zusammen mit dem Forstamt der Regierung. Die Umsetzung gestaltete sich jedoch schwieriger als geplant. Zwar war der Wald als kommunales Land ausgewiesen, die Bäume selbst gehören jedoch der Regierung, sodass ein Eingreifen in die Bepflanzung nicht einfach möglich ist. Unter Beteiligung von WHH, HUNDEE, Expert:innen und der Zielgruppe wurde diskutiert, welche Aspekte der partizipativen Waldbewirtschaftung angepasst und angewendet werden können. Mit weiterer Unterstützung des lokalen Consultant ist geplant, weiterhin Trainings durchzuführen für die Regierungsbeamt:innen und Gemeinden sowie für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen und zusätzlich für den Aufbau von einkommensschaffenden, kommunalen Aktivitäten, die keine Holznutzung beinhalten, wie Bienenzucht und Pflanzung.

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Unsere Kaffees aus Äthiopien

Was hat sich verändert?

Dank der Fördergeldes des BMZ konnten wir vor Ort Bäume pflanzen, Bienenstöcke aufbereiten, Baumschulen eröffnen, Papayabäume hochziehen. Insgesamt haben wir bislang (Stand Dezember 2021) knapp über eine halbe Million Bäume in der Region gepflanzt.

10.000 Kaffeebauer-Familien nutzen ein verbessertes Lebensmittelangebot, verwenden sauberes Trinkwasser und setzen Hygienestandards und gesunde Ernährungspraktiken zur Verbesserung ihrer Ernährungssituation um. Darüber hinaus sind 500 Kaffeebauer-Familien in ressourcenschonenden landwirtschaftlichen Praktiken geschult worden und sind derzeit im Begriff, ihre landwirtschaftliche Produktion durch Obst- und Gemüseanbau zu diversifizieren.

Im September 2021 haben wir einen Vertrag mit der Welthungerhilfe unterzeichnet, in dem wir uns verpflichtet haben, das WaSH-Projekt mit seinen drei Teilprojekten bis zum 31. Dezember 2024 fortzuführen uns mit insgesamt 700.000 € finanziell zu unterstützen. Die Planungs- und Evaluierungsphase ist am 1. September 2021 angelaufen und wird sechs Monate dauern. Über die nächsten Schritte und konkreten Umsetzungspläne werden wir euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

Ein Beitrag von Stephan Eicke
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