Kaffeekirsche

Ausbildung und Qualitätstraining für Kaffeefarmer:innen in Äthiopien

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Es gibt verschiedene Wege, Kaffeefarmer:innen zu unterstützen. Im Laufe unserer Geschichte und Projektarbeit haben wir gelernt, dass Qualitätstrainings eine effektive Maßnahme sind, denn durch die Steigerung der Kaffeequalität können die Kooperativen höhere Preise verlangen und dadurch auch über den Projektzeitraum hinaus Löhne steigern. So haben wir in die Ausbildung und das Training von Farmer:innen in Äthiopien investiert.

Das Ausbildungs- und Qualitätstrainings-Projekt ist organisch aus unserem mehrgliedrigen WaSH-Projekt gewachsen, das aus sauberer Trinkwasserversorgung, Hygienetrainings und dem Bau und der Renovierung von Sanitäranlagen besteht. Alle diese Aspekte sind eng miteinander verknüpft und tragen maßgeblich zusammen zu einer Verbesserung der Lebensqualität in ländlichen Regionen Äthiopiens bei.

In Kürze

  • Projektvolumen: 340.000 €
  • Umsetzungszeitraum: 2017-2020 (Verlängerung beantragt)
  • Projektstandort: Jimma, Äthiopien
  • Kooperativen: 15 Kooperativen in den Woredas Seka, Mana, Goma, Gera und Gumay
  • Geo-Koordinaten: 36.81 oE bis 36.47 oE; 7.56 oN bis 7.91 oN
  • Begünstigte: ca. 10.000 Menschen
Besprechung

Warum war dieses Projekt so wichtig?

Der Preis des Kaffees wird auf Basis der Qualität festgelegt. Diese wird in Cuppings von unabhängigen Experten der äthiopischen Kaffeebörse evaluiert. Je höher die Kaffeequalität ausfällt, desto höher ist auch der Verkaufspreis und analog dazu erzielen die Farmer:innen höhere Einnahmen. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, mit euren Spendengeldern von 1 € pro verkauftem Kilo Kaffee 10.000 Kaffeefarmer:innen und deren Familien im Kaffeeanbau und der Qualitätsverbesserung zu fördern.

Denn zuvor waren sie nicht in der Lage, ihr Potenzial voll auszuschöpfen, obwohl die Region Jimma in Äthiopien beste Voraussetzungen bietet: Die natürlichen Gegebenheiten wie Anbauhöhe, Bodenqualität und Klima begünstigen eine hohe Kaffeequalität. Der Zusammenschluss in Kaffeekooperativen ist in dieser Region üblich. Die Kaffeefarmer:innen nutzen eine gemeinsame zentrale Aufbereitungsstation und haben gemeinschaftlich einen besseren Marktzugang.

Leider fehlte es an technologischer Ausstattung, Zugang zu professioneller Beratung im Kaffeeanbau und einem Austausch zur Qualitätsverbesserung unter den Kooperativen. Diese Schwierigkeiten gepaart mit der wachsenden Bedrohung durch den globalen und regionalen Klimawandel, der sich auf den Kaffeeanbau und auf alle natürlichen Ressourcen in der Region auswirkt, führen zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen und sogar zur Bedrohung der Existenz der Farmer:innen und ihrer Familien.

Wie wurde dieses Projekt umgesetzt?

Im Rahmen des BMZ-Projekts haben wir Qualitätstrainings für neun Kooperativen organisiert und einigen davon auch neue Washing Stations aufgesetzt. Mit einem Extra-Budget haben wir, unabhängig von dem BMZ-Projekt, sechs weitere Kooperativen ausbilden lassen.

Wie so oft im Leben führte eines zum anderen. Das Ausbildungs- und Qualitätstrainings-Projekt entstand aus unserem groß angelegten WaSH-Projekt dank der Unterstützung der Welthungerhilfe als NGO-Partner und Repräsentant vor Ort, und Fördergeldern der Bundesregierung. Als “Value Chain Project” war es zusammen mit WaSH und Bio-Diversität Teil des BMZ-Gesamtkonzepts, das durch die Welthungerhilfe ermöglicht wurde. Unser Geschäftsführer und Coffee Circle-Mitbegründer Martin Elwert war eng involviert.

Stephan Eicke: Martin, bevor es zu verwirrend wird: Schlüssel doch bitte kurz die diversen Teilaspekte des BMZ-Projektes auf.
Martin Elwert: Am Anfang stand das WaSH-Projekt, das wir finanziert und später gemeinsam mit der Welthungerhilfe ausgeführt haben. Wir hatten knapp 720.000 Euro investiert. Die Welthungerhilfe hat dann vorgeschlagen, uns mit diesem Projekt bzw. dem Spendengeld für Fördergelder der Bundesregierung zu bewerben, genauer gesagt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Dieses Fördergeld haben wir bekommen und hatten dadurch ein Budget von knapp 1,6 Millionen Euro. Jetzt hatten wir die Chance, nicht nur das WaSH-Projekt umzusetzen, sondern es zu ergänzen um einen Coffee Value Chain- und einen Biodiversitäts-Teil. Der Value Chain-Teil beschreibt die Ausbildungs- und Qualitäts-Trainings für Farmer:innen. Es hat für alle Beteiligten Sinn gemacht und auch das BMZ überzeugt, denn das Ziel für alle war immer, Ernährungssicherheit zu fördern. Um das zu erreichen, braucht es alle drei Teile: Ausbildung und Training, WaSH und Biodiversität. Es ist sozusagen ein Dreifaltigkeits-Projekt.

Statt 720.000 Euro hattet ihr dank der Förderung dann also eine knappe Million Euro mehr?
Richtig. Wir konnten den Biodiversitäts-Teil ergänzen, weil es wichtig war, die Pflanzenvielfalt zu erhalten, Erosionen vorzubeugen und Bäume zu pflanzen. Die Ausbildung und das Qualitätstraining der Farmer:innen war neben der Biodiversität und den in drei weitere Teilaspekte aufgesplitteten WaSH-Teil das dritte Projekt unter dem BMZ-Banner. Die Welthungerhilfe war der Haupt-Koordinator. Im Rahmen des BMZ-Projekts haben wir Qualitätstrainings für neun Kooperativen organisiert und einigen davon auch neue Washing Stations aufgesetzt. Mit einem Extra-Budget haben wir, unabhängig von dem BMZ-Projekt, sechs weitere Kooperativen ausbilden lassen.

Martin
Martin Elwert

Unsere Kaffees aus Äthiopien

Für Kooperativen sind Washing Stations von entscheidender Bedeutung. Wenn die Kooperative diese besitzt, findet ein wichtiger Teil der Wertschöpfung innerhalb der Kooperative statt und die Kooperative kann eine Einkommenssteigerung erzielen. Natürlich ist eine sorgfältige Arbeitsweise wichtig. Um Wissen zur korrekten Trennung der Bohne von der Kirsche und zur Fermentierung zu vermitteln, werden regelmäßige Trainings abgehalten. Zusätzlich stehen den Kooperativen während der Erntezeit täglich Berater:innen zur Verfügung, die vor Ort assistieren.

Unterstützung erfahren die Kooperativen auch in Bezug auf die Erstellung ihres Business Plans. In diesem muss definiert werden, wie viel Kaffee produziert werden soll und dementsprechend auch, wie hoch der Kredit als Betriebskapital ist, wie viele Drying Beds angeschafft und wie viele Mitarbeiter:innen für die Ernte eingestellt werden müssen. Die Kaffeeproduktion hängt natürlich entscheidend von den Kaffeepflanzen selbst ab. Trotz der idealen ökologischen Gegebenheiten für den Anbau in der Region, waren die Kaffeepflanzen kaum produktiv. Weil sie alt waren und nicht zurückgeschnitten wurden, produzierte eine Kaffeepflanze im Durchschnitt nur 0,5 bis 1 kg Rohkaffee. (Eine gesunde Kaffeepflanze sollte mindestens 2 kg Rohkaffee produzieren.) Zum einen haben die Farmer:innen Trainings erhalten, wie sie ihre Pflanzen zurückschneiden können und zum anderen wurde an Demonstrationsfeldern gezeigt, wie alte Pflanzen durch neue Jungpflanzen ausgetauscht werden können.

In Zusammenarbeit mit dem lokalen Partner CoQua (= Coffee Quality) haben wir ein Team in Äthiopien aufgestellt, dass diese Maßnahmen direkt mit den Kooperativen umsetzt. Es besteht aus lokalen Kaffeeexpert:innen und Agronom:innen, die die Kaffeefarmer:innen trainieren und betreuen. Jede Kooperative hat einen “Assistant Quality Adviser” zugeordnet bekommen, der in dem Dorf der Farmer:innen wohnt und so die Kooperativen rund um das Jahr eng betreuen und schulen kann.

Was hat sich verändert?

Im Februar 2018 war die erste Ernte nach dem Beginn unseres Projekts eingeholt. Martin Elwert und unser Röster Hannes Fendrich waren vor Ort, um sich einen Eindruck von den ersten Schritten zu verschaffen, und tatsächlich konnten bereits erste Verbesserungen festgestellt werden. Durch die Trainings und Washing Stations waren bereits 2018 einige Kooperativen in der Lage, die Qualität ihres Kaffees spürbar zu verbessern. Von den Kaffees Kenissa und Geta Bore waren wir so begeistert, dass wie eine Partnerschaft mit den Kooperativen eingegangen sind und die Sorten in unseren Shop aufgenommen haben!

Das wurde unter anderem durch die neuen Wetmills ermöglicht, die für vier Kooperativen gebaut wurden: Gudina Geta Bore (mit 231 Mitglieder:innen), Burka Bore (260 Mitglieder:innen), Bila Kumo (400 Mitglieder:innen) und Kenissa (290 Mitglieder:innen). Die Qualitätstrainings und Ausbildungen wurden durchgeführt für Gorentu Anode (1186 Mitglieder:innen), Ilketunjo (850 Mitglieder:innen), Wokito Madallu (970 Mitglieder:innen), und Doyo (1.075 Mitglieder:innen). Weitere Trainings für die Verbesserung des Kaffees wurden durchgeführt für Dalecho (1.327 Mitglieder:innen), Kaso Dabo (310 Mitglieder:innen), Qota (267 Mitglieder:innen), Sedi Loya (814 Mitglieder:innen) und Kedamay. Für die Errichtung der Drying Beds wurden 50 Rollen Drahtgeflecht und 50 Webnetze eingekauft und an acht Kooperativen in drei Distrikten verteilt.

Im Distrikt Mana (Doyo Toli) und Gomma (Homa Funtule) haben wir darüber hinaus zwei Baumschulen für nachhaltigen Kaffeeanbau eröffnet. Für Gärtnereien sind Lagerhallen gebaut worden, wo neben Kaffeepflanzen zahlreiche Baumarten angebaut werden, die auf Feldern für landwirtschaftliche Zwecke, zur Aufforstung oder als Schattenspender genutzt werden. Mehrere 150.000 Setzlinge wurden erfolgreich hochgezogen und an die regionalen Bäuerinnen und Bauern verteilt.

Cupping

Neben den Trainings zur Erhöhung der Kaffeequalität durch bessere Verarbeitung wurden Farmer:innen auch über Wasser- und Bodenschutzmaßnahmen informiert. Zu diesem Zweck wurde den Kooperativen nicht nur landwirtschaftliches Werkzeug zur Verfügung gestellt, sondern ihnen in Trainings auch handfestes Wissen zu biologischem Bodenschutz, physikalischem Boden- und Wasserschutz und Sanierung und Entwicklung von Gullys nahegebracht. Im Januar 2020 wurden Auffrischungs-Trainings für zehn Farmer:innen in Jimma abgehalten. Diese Farmer:innen sind nun selbst Trainer:innen und vermitteln ihr Wissen über nachhaltigen Anbau und Schutzmaßnahmen für Pflanzen weiter.

Eine Erosionsstelle im Bezirk Seka Chekorsa wurde saniert, indem Dämme zum Schutz errichtet wurden. Darüber hinaus wurden “Waste Canals” gebaut, um das Wasser der Region sauber zu halten. Das unreine Wasser, das sich während des Pulpens der Kaffeekirschen ansammelt, wurde vielerorts einfach in den Fluss geleitet. Dieser wurde dadurch verschmutzt. Waste Canals sind ein Lösungsansatz, um das Wasser nicht direkt in den Fluss zurückzuführen. Stattdessen wird es durch Vetiver Pflanzen — die das Wasser auf natürliche Weise filtern — in Sammelbecken geleitet. So gelangen nur die vorgereinigten Reste zurück in die angrenzenden Flüsse.

Stephan Eicke: Martin, was ist der Stand des Value Chain Projektes?
Martin Elwert: Wir haben es erst vor kurzem [November 2021] verlängert und um Covid-Maßnahmen ergänzt. Sonst wäre es in diesem Sommer abgeschlossen gewesen. Unser Antrag auf Verlängerung wurde vom BMZ genehmigt. Aktuell bereiten wir es auf. Diese Verlängerung macht aus mehreren Gründen Sinn. Wir wollten das Projekt ohnehin fortsetzen, haben aber bewusst nichts überstürzt. Du musst nämlich wissen, dass jegliches Werkzeug, das benötigt wurde — wie Autos und Computer — nach Beendigung eines Projektes an die lokale Regierung fällt.

Ist das üblich?
Bei Entwicklungshilfe ja. Es macht für uns natürlich Sinn, dieselben Autos und Computer weiterhin für unsere Projektarbeit in der Region zu nutzen. Wir wollen nicht alles neu kaufen müssen. Wenn die deutsche Regierung über ein Ministerium Entwicklungshilfe ausgibt, will sie, dass Dinge wie Autos in der Region bleiben. Oft geht es an die Regierung. Das ist auch verständlich, denn was willst du sonst mit den Materialien anstellen? Mit der Verlängerung des Projektes können wir das Material und die eingerichteten Büros für die zusätzlichen Maßnahmen weiter nutzen.

Aufgrund des Ausbruchs von Covid-19 wurden Maßnahmen in das Projekt aufgenommen, die ursprünglich nicht Bestandteil des Plans waren: Zunächst galt es, Aufmerksamkeit für das Virus zu generieren. Zu diesem Zweck wurden Poster gedruckt und Megaphone gekauft, um Menschen auf die Gefahren der Pandemie hinzuweisen. Anschließend besuchten Freiwillige tausende Haushalte, klärten auf und stellten Schutz-Equipment wie Masken und Hygiene-Gegenstände wie Desinfektionsmittel zur Verfügung.

Da das nicht genug war, führten Regierungsvertreter:innen und von der Welthungerhilfe angestelltes Personal Trainings durch. Pro Verwaltungsbezirk in der Region wurden fünf Freiwillige, ein Gesundheitsberater und ein weiterer Ansprechpartner beauftragt, diese Trainings durchzuführen, anschließend die Implementierung der Hygienemaßnahmen zu überwachen und Bewohner:innen bei Fragen zur Seite zu stehen. Auf diese Weise konnten möglichst viele Menschen in den Regionen erreicht werden.

Über weitere Maßnahmen und Pläne für die angestoßene Projektverlängerung werden wir euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

Ein Beitrag von Stephan Eicke
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