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#Gerüchteküche

Gerüchteküche III: Ist der Coffee Nap effektiver als ein Mittagsschlaf?

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Stephan Eicke

Ein Beitrag von Stephan Eicke in der Kategorie #Gerüchteküche vom 8. April 2022

In unserer Reihe “Gerüchteküche” nehmen wir uns regelmäßig Mythen im Bereich Kaffee an, die sich bereits seit langer Zeit halten. Hier untersuchen wir, ob sie komplett erfunden sind oder ob an ihnen nicht doch etwas dran sein könnte.

Die zwei Mythenkiller:
Stephan, Content Creator, und Jan, Content Strategist

Gerüchte, Mythen, Legenden
über Espressomehl und Kaffeesatz
Lasst uns etwas Wissen spenden,
hier hat alles seinen Platz

Gerüchteküche mit Jan und Stephan

Stephan: Jan, womit beschäftigen wir uns heute?
Jan: Uns hat folgende Anfrage per E-Mail erreicht. Ich fand sie so spannend, dass ich direkt im Laborkittel aus dem Bett gesprungen bin.

Hallo Coffee Cicrle [sic],

Ich halte gerne kleine Mittagsschläfchen. Die sind mal besser, mal schlechter. Manchmal bin ich danach ziemlich groggy, manchmal aber auch sehr erfrischt. Ich glaube, ich habe nach Monaten einen Zusammenhang entdeckt: Ich fühle mich nach dem Nap besser, wenn ich kurz vorher Kaffee getrunken habe. Kann das sein?

Stephan: Ich nappe auch sehr gerne.
Jan: Ihr habt sehr viel gemeinsam.
Stephan: Allerdings trinke ich vor dem Mittagsschläfchen keinen Kaffee. Das widerspricht meinem wissenschaftlichen Verständnis von Koffein, der bekanntlich ein Wachmacher ist.
Jan: Ja, ich wäre auch nicht darauf gekommen, eine Tasse zu trinken, bevor der Sandmann vorbei kommt. Aber lass uns doch mal recherchieren und einen Selbstversuch starten.
Stephan: Ich werde gerne fürs Schlafen bezahlt.
Jan: Ich habe das Gefühl, wir bezahlen dich ausschließlich fürs Schlafen.

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Das Gerücht

Zunächst müssen wir die Ausgangs-Behauptung streng definieren, wenn wir zu einem Ergebnis kommen wollen: In der E-Mail hieß es, die Person fühle sich nach einem Coffee Nap “besser”. Das können wir weder widerlegen noch bestätigen. Formulieren wir es präziser als: Nach einem Coffee Nap ist man konzentrierter und ausgeruhter als nach einem Nap ohne Kaffee oder nach dem Genuss eines Kaffees ohne Nap.

Das könnte stimmen: Koffein wirkt nicht unmittelbar. Somit sollte man zumindest keine Probleme haben, sofort nach dem Genuss einer Tasse Kaffee einzuschlafen. Ob man sich nach dem Nap energischer fühlt, wagen wir auch nicht zu bezweifeln. Doch könnte das nicht auch allein an der kurzen Pause liegen? Wie könnten wir beweisen, dass wir die zusätzliche Portion Energie dem Schuss Koffein zu verdanken haben?

Der Versuch

Ich führe den Test an zwei Nachmittagen durch: Jeweils um 14 Uhr trinke ich eine Tasse Kaffee (300 ml Limu) und lege mich anschließend auf die Couch. Nach ein paar Minuten lege ich vor Müdigkeit mein Buch aus der Hand. Mir fallen die Augen zu. Knapp 20 Minuten später bin ich wieder wach. Das entspricht der Länge meines üblichen Mittagsschlafs, der nie länger als 20 Minuten dauert, in der Tiefe allerdings variiert. Manchmal bleibe ich halbwach im Schlummer, mal drifte ich tiefer ab. An diesen beiden Nachmittagen Ende März schlummere ich angenehm und träume kurz. Ich fühle mich anschließend ausgeruht – allerdings ist es auf der Couch so bequem, dass ich gerne noch etwas liegen bleiben würde, auch wenn ich nicht mehr müde bin.

Neben dem Selbstversuch stellen wir ausführliche Recherchen an. Mehrere Studien geben unserer oben aufgeführten Behauptung Recht: Nach einem Coffee Nap ist man gleichzeitig konzentrierter und ausgeruhter. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass dies auf das Koffein zurückzuführen ist. Die Studien scheinen eindeutig: Japanische Forscher stellten fest, dass jene Menschen in Gedächtnistests besser abgeschnitten haben, die zuvor einen 15-minütigen Coffee Nap statt nur einen Mittagsschlaf gehalten hatten. Britische Wissenschaftler kamen zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Menschen, die sich einen Coffee Nap gegönnt hatten, begingen in einem anschließenden Fahrtest im Simulator weniger Fehler als jene, die nur Kaffee getrunken, nur einen Mittagsschlaf gehalten oder nur ein Placebo eingenommen hatten.

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Das Fazit

Stephan: Voilá, an dem Gerücht ist etwas dran, wie mein Selbstversuch und mehrere Studien gezeigt haben.
Jan: Ich bin ein bisschen überrascht, weil wir erst vor kurzem in einem anderen Test festgestellt haben, dass Koffein auf uns keine spürbare Wirkung hatte, wenn wir ihn nach 18 Uhr trinken, also ein paar Stunden vor dem Schlafengehen.
Stephan: Die beiden Versuche widersprechen sich aber nicht. Nach der Tasse Kaffee konnte ich problemlos einschlafen – sowohl direkt danach wie bei diesem Versuch oder ein paar Stunden später wie beim letzten. In diesem Test ging es nicht darum, dass Koffein uns am Einschlafen hindert, sondern dass wir uns nach dem Einschlafen und Aufwachen kurze Zeit später erholter und fokussierter fühlen. Das ist definitiv der Fall.
Jan: Wir sollten aber auch darauf hinweisen, dass das individuelle Erlebnis so wie bei allen unseren Tests davon abhält, wie hoch die einzelne Toleranzgrenze für Koffein liegt; das heißt, wie viel Kaffee man gewöhnt ist.
Stephan: Das stimmt zweifellos. Der Effekt ist sicherlich größer für jene, die am Tag sonst nur einen Kaffee trinken als für jene, die pro Tag fünf oder sechs Tassen trinken wie wir.

Die Erklärung

Das eindeutige Ergebnis hängt direkt mit der Wirkung des Koffeins zusammen: Der Stoff braucht nämlich zwischen einer Viertelstunde und 20 Minuten, um durch den Magen-Darm-Trakt und Blutkreislauf zu gelangen. Den Energiekick fühlst du also nicht unmittelbar, nachdem du die Tasse geleert hast. Ganz simpel ausgedrückt: Wenn das Koffein in dein Gehirn gelangt, blockiert es Rezeptoren, die normalerweise mit einem Molekül namens Adenosin gefüllt sind. Wenn Adenosin in hohen Mengen vertreten ist, macht es dich müde. Das Koffein verhindert dies durch das Blockieren der Rezeptoren.

Wenn du erschöpft bist und in der Mittagspause eine kleine Pause brauchst, empfehlen wir dir, diesen Versuch ruhig einmal auszuprobieren: Bereite dir eine Tasse Kaffee zu, leg dich hin, und beobachte, wie du dich 15 oder 20 Minuten später nach dem Aufwachen fühlst. Durch den Mangel an Adenosin – den Müdemacher – solltest du dich merklich frischer fühlen. Vor allem nach einem kurzen Ausflug ins Traumland, bevor die Tiefschlafphase einsetzen konnte.

Ein Beitrag von Stephan Eicke

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