Myanmar — Der langsame Siegeszug des Kaffees gegen alle Widerstände

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Myanmar ist als Exportland vor allem für seine Früchte und seinen Tee bekannt. Tee ist auch nach wie vor das wichtigste Produkt für Farmer:innen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch Kaffee gewinnt zunehmend an Relevanz. Schauen wir uns das Land also einmal genauer an.

Myanmar hat für uns von Coffee Circle eine besondere Bedeutung, denn 2020 verpflichteten wir uns zu einer engen Zusammenarbeit mit Farmer:innen des Landes. Gemeinsam mit unseren Partnern, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Conflictfood aus Berlin, galt es, die Jadae Akha Coffee Group, eine Kooperative im Shan State, bei ihrem Eintritt in den europäischen Spezialitätenmarkt zu begleiten. Dann folgten Covid-19 und der Coup in Myanmar und unsere Pläne mussten vorübergehend auf Eis gelegt werden. Dennoch konnte einiges angestoßen werden, wie du in diesem Bericht nachlesen kannst.

Der Shan State liegt im Osten des Landes. Dort, in Keng Tung, erntet die Jadae Akha Coffee Group ihren Arabica-Kaffee. Ihre Arbeit ist nicht nur aufgrund der volatilen politischen Lage herausfordernd, sondern auch weil die Kooperative geografisch isoliert ist vom Rest des Landes. Dabei verfügt die Region über ideale Bedingungen für den Anbau von hochwertigem Kaffee, Tee und einer Reihe von Kräutern und Gewürzen für Aufgüsse, wie Ingwer. Kaum eine Farm baut ausschließlich Kaffee an. Oft wachsen Tee und Früchte auf demselben Feld.

Die Kooperative existiert bereits seit 1994, baut aber erst seit 2012 Kaffee an. Knapp zwei Dutzend Farmer:innen arbeiten hier, alle gehören der Minderheit der Akha an. Bis heute sind sich Forscher nicht einig, woher diese ethnische Gruppe stammt. Es wird lediglich vermutet, dass sie aus dem tibetischen Hochland gekommen sind, um von dort aus nach Birma, Laos, Thailand, Vietnam und auch Myanmar zu migrieren. Schätzungen zufolge soll es heute noch eine knapp halbe Million Akha geben, von denen die meisten nach wie vor in hochgelegenen Dörfern wohnen (Akha sind in Thailand als Bergvolk anerkannt). Junge Generationen verlassen jedoch zunehmend ihre Familien, die abgeschnitten in hohen Regionen leben, um in dichter besiedelten Gebieten wie Städten ihr Glück zu suchen.

In dieser Dokumentation der DW erhältst du einen Einblick in den Alltag der Akha in Laos.

Die Akha sind ein spirituelles Volk: Zwei Tore vor dem Dorf sollen Geister fern halten. Bestimmte Bäume dürfen nicht gefällt werden, da ansonsten ein Fluch über das gesamte Dorf fallen würde. Ist eine Frau mit Zwillingen schwanger, werden sie und ihre Familie aus dem Dorf verbannt — Zwillinge, so glauben die Akha, seien eine Schöpfung böser Geister. Vater und Mutter dürfen erst in ihr Dorf zurückkehren, wenn sie ihre Zwillinge umgebracht haben. Begräbniszeremonien dauern fünf Tage an. Um sicherzustellen, dass die Familie des Verstorbenen weiterhin in Glück und Reichtum leben kann, wird während dieser Zeit der Kopf eines ermordeten Wasserbüffels auf das Dach geschlagen.

Während die Farmer:innen der Jadae Akha Coffee Group ausschließlich den Akha angehören, arbeiten auch zahlreiche andere Gruppierungen für das Unternehmen in der Verarbeitung und im operativen Geschäft. Bu Saw und Ko Thar gehören nicht den Akha an, sorgen aber als Managing Director respektive General Manager dafür, dass in der Verarbeitung alle Hände ineinander greifen — ohne Konflikte entstehen zu lassen. “Mitglieder der Akha in unserer Gruppe sind spirituell und beten Götter an”, so Ko Thar. “Aber in unserer Kultur leben Christen, Katholiken, Buddhisten. Es gibt verschiedene Religionen. Daraus entstehen keine Probleme. Bestimmte Bäume dürfen aus religiösen Gründen nicht gefällt werden, aber wir können den Akha beibringen, wie sie Bäume sowohl schlagen und schützen können.” “Es gibt klare Regeln”, ergänzt Bu Saw. “Die Akha haben bestimmte Bäume, die sie anbeten. Diese Bäume können wir nicht anrühren. Wir alle profitieren voneinander: Wir nehmen teil an Gebräuchen der jeweils anderen und lernen voneinander. In unserem Unternehmen fokussieren wir uns auf die Akha und stellen sicher, dass wir in ihre Traditionen nicht eingreifen. Vielleicht ist das unser Geheimnis. Wenn jemand einen Teil seiner Religion in seine Arbeit einfließen lassen möchte, erinnern wir ihn vorsichtig an unser Ziel und unsere Mission.”

“Jadae”, das Wort im Namen der Organisation, bezeichnet — entgegen jeder Vermutung — keine Region. Das Wort stammt aus der Sprache der Akha und bedeutet übersetzt “ein guter Ort” oder auch “ein Land des Sieges” oder “Land der Anmut”. Die Akha glauben, dass der Boden, auf dem sie (unter anderem) Kaffee anbauen, besonders reichhaltig und fruchtbar ist. Ganz offenbar haben sie Recht, denn die schattigen Waldgärten auf 1.200 m Höhe ermöglichen einen reichen Ertrag nicht nur an Kaffee, sondern auch an Tee. Die Kaffeefarm befindet sich in der Upper Pann Lawt, Keng Tung. Sie liegt ca. 8 km von Downtown Keng Tung entfernt. Nach der Ernte werden die Kirschen aufgrund der engen Wege per Motorrad in diese nächstgrößere Stadt transportiert. In Keng Tung befindet sich auch das Büro der Jadae Akha Coffee Group. Mehrere Cafés führen das Produkt der Gruppe.

Bu Saw von der Jadae Akha Coffee Group
Bu Saw von der Jadae Akha Coffee Group

Erfahre in diesem Video-Interview mehr über die Arbeit und Probleme der Jadae Akha Coffee Group. Das Interview führten Hannes Fendrich (Röster bei Coffee Circle) und Stephan Eicke (Content Creator).

Selbst mit der Unterstützung von Conflictfood, der GIZ und uns stellt der Export von Rohkaffee aus Myanmar noch immer eine Herausforderung dar. “Covid hat unsere Arbeit zunehmend erschwert, und die politische Situation wird von Tag zu Tag schlimmer”, teilt Bu Saw. “Aufgrund der wegen Covid verhängten Ausgangssperren ist es schwierig für uns, in die Dörfer zu gelangen, in denen der Kaffee geerntet wird. Wir müssen mit den Farmer:innen besprechen, wie wir ihren Kaffee vom Feld in unsere Produktionsstätte transportiert bekommen. Mit dem Dorfvorsteher werden intensive Verhandlungen abgehalten. Manchmal arbeiten wir bis spät abends, damit die Farmer:innen ihren Kaffee um 20 Uhr nach Keng Tung bringen und rechtzeitig wieder zurückfahren können, bevor die Ausgangssperre greift.”

Angesichts der Umstände läuft es für die Jadae Akha Coffee Group aber zufriedenstellend, wie uns Ko Thar und Bu Saw versichern. Wenn wir den Schilderungen der beiden lauschen, erscheint es uns erstaunlich, dass wir ihren Kaffee überhaupt anbieten können. Denn neben Covid-Beschränkungen haben sie auch mit technischen und politischen Problemen zu kämpfen: In der Provinz fällt oft der Strom aus, teilweise für bis zu 48 Stunden. Das erschwert die Kommunikation mit den Farmer:innen zusätzlich. Wenn es regnet, ist es außerdem schwierig, zu ihnen zu gelangen, denn die Straßen werden rutschig, nahezu unbefahrbar für Motorräder.

Am 1. Februar 2021 wurden die gewählten Mitglieder der Regierungspartei vom Militär in Myanmar entthront. Daraufhin wurde eine Militärherrschaft implementiert und der nationale Notstand ausgerufen. Nicht nur der Handel, sondern alle Bereiche des Lebens in Myanmar wurden dadurch erheblich erschwert. Die GIZ hatte erste Qualitätstrainings für Farmer:innen in der Region angestoßen, musste jedoch kurze Zeit später das Land verlassen. Seitdem versucht die Jadae Akha Coffee Group eigenständig, Seminare und Ausbildungen auf die Beine zu stellen. Erschwert wird dies durch die Wankelmütigkeit der Militärregierung, denn Regeln und Gesetze ändern sich fortwährend, teilweise innerhalb von 24 Stunden, so Bu Saw: “Die Behörden ändern ihre Vorgaben jeden Tag, also müssen wir immer gezielt prüfen, was aktuell gilt. Das macht es unmöglich, langfristig zu planen. Unser operatives Geschäft läuft normal weiter, aber wir können nicht viel tun.”

Die Regierung arbeitet zwar mit der nationalen Kaffeeorganisation, unterstützt allerdings ausschließlich Anbaugebiete im Norden des Landes, die über eine moderne Ausstattung verfügen und mehr Kaffee anbauen können. “Ich habe kürzlich gesehen”, so Bu Saw, “dass der Vertreter einer Regierungsbehörde in den Norden gereist ist, um mit einer Kaffeefarm den Bau einer Fabrik zu organisieren. Wir sind aber zu weit von dieser Region entfernt. Wir erfahren keinerlei Unterstützung der Regierung.”

Der Fokus der Regierung auf die Regionen im Norden ist schädlich für die Jadae Akha Coffee Group, aus Sicht der Behörden aber verständlich. Die Kaffeeproduktion in Myanmar ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, vor allem weil das Potential des Nordens erkannt wurde: Aufgrund der Höhe, des nährstoffreichen roten Bodens und des ausreichenden Niederschlags lassen sich hier hochwertige Arabica-Bohnen in hohen Mengen ernten.

Ko Thar von der Jadae Akha Coffee Group
Ko Thar von der Jadae Akha Coffee Group

Doch in Myanmar wächst nicht nur Arabica. Während diese Pflanze zwei Drittel der jährlichen Ernte ausmacht, bestehen knapp ein Drittel aus Robusta. Ein kleiner Rest besteht aus Liberica und Excelsa, aus besonders widerstandsfähigen Varietäten, die global nur in geringen Mengen auftreten. Ca. 80 % des Kaffees in Myanmar wächst auf kleinen Farmen und wird mit lediglich rudimentären Prozessen verarbeitet, ohne die Zuhilfenahme technischer Maschinen. Beispielsweise werden die Kirschen durch Stampfen geschält.

Mit der Unterstützung von Organisationen wie der GIZ und durch eigene Bemühungen hat die Jadae Akha Coffee Group intensiv daran gearbeitet, weiterführendes Wissen unter anderem durch Qualitätstrainings an Farmer:innen zu vermitteln. Erste Bemühungen haben bereits Früchte getragen, wie ihr euch selber überzeugen könnt, wenn ihr unseren Jadae Kaffee probiert: Der Arabica der Jadae Akha Coffee Group ist ein hochwertiger, vollmundiger Kaffee, der bei unseren Kunden außerordentlich beliebt ist. Wir sind von seiner Qualität so überzeugt, dass wir alles daran setzen, die Zusammenarbeit mit der Jadae Akha Coffee Group trotz aller Widerstände fortzusetzen. Wir freuen uns bereits auf die nächste Lieferung von Rohkaffee.

Trotz aller Herausforderungen sind Bu Saw und Ko Thar optimistisch: 2021 haben sie fünf Tonnen Kaffee produziert. In den nächsten zwei Jahren soll diese Menge steigen. Wir werden sie weiter unterstützen.

Ein Beitrag von Stephan Eicke

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