Kaffee im Spotlight

Was ist eigentlich Bio-Kaffee?

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Legst du bei deinem Einkauf Wert auf Bio, auf organisch und ohne Pestizide angebaute und verarbeitete Produkte? Entsprechend sollte auch dein Kaffee “bio” sein. Doch wie erkennst du ihn? Das ist nicht immer einfach. Hier erklären wir, was es mit Bio-Kaffee auf sich hat.

Einige unserer Kaffees tragen ein Bio-Siegel, andere nicht. Das heißt allerdings nicht, dass jene Kaffees ohne Zertifizierung nicht biologisch angebaut wurden. Denn mit dem Siegel ist es so eine Sache. Für den Konsumenten ist es nur bedingt aussagekräftig.

Zunächst: Was ist “Bio”? Bei biologischem Anbau wird auf Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger verzichtet. Beim Einkauf, ob im Supermarkt oder in Spezialitätenläden, erkennst du das an dem EU-Bio-Logo und/oder dem Bio-Siegel. Ersteres ist ein grünes Quadrat mit weißen Sternen in Blatt-Form, letzteres ist ein Sechseck mit der markanten Aufschrift “Bio”. Ersteres ist das europäische Siegel, zweiteres das deutsche.

Wer sein Produkt mit dem EU-Bio-Logo ausweisen möchte, muss bestimmte Bedingungen für Herstellung, Verarbeitung, Transport und Lagerung erfüllen. So muss das jeweilige Produkt zu mindestens 95 % aus Bio-Zutaten bestehen und zusätzlich strenge Vorgaben für die verbleibenden 5 % erfüllen. Chemische Düngemittel, Wachstumsregulatoren und Gentechnik sind ausgeschlossen.

Unsere Bio-Kaffees und -Espressos

Das Siegel ist im Bereich Kaffee nicht so aussagekräftig, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Überwacht wird die Einhaltung der Bestimmungen für alle Bio-Produkte in der EU durch die jeweils zuständige Öko-Kontrollstelle, bei Verwendung eines Verbandssiegels zusätzlich durch den jeweiligen Anbauverband. Wir werden von der BCS Öko Garantie kontrolliert. Kund:innen erkennen so, dass bei dem Anbau und der Produktion auf höhere Artenvielfalt, mehr Tierschutz und eine weniger belastende Anbauweise gesetzt wurde.

Ein Bio-Siegel zu beantragen kann für Hersteller:innen (einschließlich Bauer:innen) Sinn machen, denn für den Verkauf zertifizierter Bio-Produkte können sie einen höheren Einkaufspreis verlangen. Im Bereich Kaffee macht dies aus verschiedenen Gründen aber nur bedingt Sinn – und deshalb ist das Siegel im Bereich Kaffee nicht so aussagekräftig, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Äthiopische Waldgärten
Äthiopische Waldgärten

Zunächst einmal hat fast jedes Land ein eigenes Bio-Siegel. (Neben dem Bio-Siegel hat jedes Land zahlreiche weitere Siegel. In Kolumbien beispielsweise gibt es sogar Zertifikate für “kosher” und “bird friendly”.) Um international bio-zertifizierten Kaffee zu verkaufen, würde ein/e Kaffeefarmer:in in Äthiopien mehrere Siegel beantragen müssen. Das kostet Geld: Allein die initiale EU-Zertifizierung schlägt mit 3.000 Euro zu Buche. Importeur:innen oder Röster:innen aus den Vereinigten Staaten interessiert das EU-Siegel allerdings nicht. Vielen Kleinbauer:innen und Kooperativen fehlt bereits das Geld für nur eine Zertifizierung. Mindestens 3.000 Euro (plus zusätzliche Gebühren für Verlängerungen) auszugeben, um Bio-Kaffee nur in den europäischen Raum verkaufen zu können, lohnt sich für die meisten Produzent:innen nicht.

Auch wissen Importeur:innen und Röster:innen, dass das Siegel je nach Region überflüssig ist: Kooperativen in Äthiopien bauen grundsätzlich Kaffee ohne Anwendung von Pestiziden und Herbiziden an. In den Regionen existieren keine Monokulturen, aber eine hohe Biodiversität, die die Chemikalien überflüssig machen. Sollte sich eine Kooperative doch zum Einsatz der Pestizide entscheiden, so sind diese in Äthiopien meist nicht lieferbar oder zu teuer. Diese Kaffees sind “bio” ohne als “bio” zertifiziert zu sein. Der einzige Grund, sich um eine Zertifizierung zu bemühen wäre der oben genannte höhere Einkaufspreis, der für Bio-Produkte verlangt werden kann.

Andere Länder haben andere Herausforderungen: In Kenia beispielsweise wird fast auf jedem Feld mit Düngemitteln und Pestiziden gearbeitet. Die Regierungen werben stark für die Chemikalien. In 2018 beispielsweise wurden 16 Tonnen Pestizide importiert. Durch diese Chemikalien wird die Produktivität angekurbelt, da weniger Pflanzen eingehen. Sollte Kenia auf die Nutzung im Bereich Agrikultur verzichten, werden aufgrund schlechter Ernten die Einnahmen schrumpfen. Ein Thinktank hat ermittelt, dass die kenianische Wirtschaft in solch einem Fall mehr als 1,2 Milliarden Euro verlieren würde.

Ohne Pestizide zu arbeiten wäre auch undenkbar für Kooperativen, die low-caf Varietäten anbauen. Die Pflanzen sind besonders fragil, haben ohne Chemikalien keine Überlebenschance. Selbst mit Pestiziden gehen vor der Ernte knapp 30 % ein. Aber sind solche Giftstoffe nicht schädlich für den menschlichen Körper? Ja, für Erntehelfer und Farmer:innen auf jeden Fall. Auch für Insekten und damit die Umwelt ist die Anwendung kritisch zu sehen. Für den Konsumenten besteht jedoch kein Grund zur Sorge.

Die Giftstoffe, die die Bohnen aufgenommen haben könnten, würden während des Röstens komplett vernichtet. Nach der Röstung können, selbst bei stark pestizid-verseuchtem Rohkaffee, keine Rückstände mehr nachgewiesen werden. Denn unter der Rösttemperatur zersetzen sich diese Chemikalien.

So gilt: Bio-Zertifizierungen können grundsätzlich eine Entscheidungshilfe beim Einkauf sein und je nach Region sowie je nach Hersteller:in die Einnahmen der Produzent:innen steigern. Im Bereich Kaffee ist allerdings zu beachten, dass auch jene Sorten “bio” sein können, die nicht als “bio” ausgezeichnet sind und dass Kooperativen und Farmer:innen je nach Gebiet und Varietät valide Gründe haben, Chemikalien anzuwenden.

Ein Beitrag von Stephan Eicke
Viele Kaffeetassen

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