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So trinkt man Kaffee im … Oman

Zwischen Wüste, Meer und omanischer Gastfreundschaft

Ein kleiner Becher Kaffee, eine Dattel dazu und ein paar Worte mit Menschen, die man gerade erst kennengelernt hat: Auf ihrer Reise durch den Oman begegnete unsere Kollegin Lisa dem traditionellen Qahwa immer wieder. Mal in einem alten omanischen Haus, mal mitten in der Wüste und schließlich ganz zufällig bei einem Abend am Meer.

Qahwa ist im Oman nicht einfach nur ein beliebtes Getränk: Dieser spezielle Kaffee gehört zur Gastfreundschaft des Landes, wie Tom zu Jerry, Ernie zu Bert, oder Deutschland zum Flaschenpfand – und damit zu vielen alltäglichen Begegnungen. Wer im südöstlichsten Staat der arabischen Halbinsel unterwegs ist, bekommt dadurch ziemlich häufig einen ganz unmittelbaren Einblick in das Leben und die Kultur des Landes.

Was ist Qahwa?

Wer beim Wort Kaffee an einen kräftigen Espresso denkt, wird beim omanischen Qahwa eine andere Variante kennenlernen. Er wird aus sehr hell gerösteten grünen Kaffeebohnen hergestellt, was der Flüssigkeit eine blassgold-grüne Farbe verleiht. Typisch ist die kräftige Anreicherung mit frisch gemahlenem Kardamom; je nach Rezept wird Qahwa auch oft mit subtilen Noten von Safran, Rosenwasser, Nelken oder Zimt verfeinert.

Der Kaffee wird ohne Zucker serviert und schmeckt entsprechend würzig.
Zubereitet und serviert wird Qahwa traditionell in der Dallah, einer langhalsigen Kanne. Getrunken wird aus kleinen, henkellosen Tassen, den Finjan. Dazu werden üblicherweise Datteln oder, zu feierlichen Anlässen, omanisches Halwa gereicht: Bei dem traditionellen Nationalgebäck handelt es sich um eine zähflüssige und gelatineartige Süßspeise, die geschmacklich ebenfalls von Rosenwasser, Safran und Kardamom getragen wird. Die Süße gleicht den herben Geschmack des Kaffees aus.

Auch beim Servieren gibt es feste Regeln: Die Tasse wird nur mit einer kleinen Menge gefüllt und traditionell mit der rechten Hand gereicht. Wer keinen weiteren Kaffee möchte, bewegt die Tasse beim Zurückgeben leicht hin und her.

Qahwa im traditionellen Versammlungsraum „Majlis”

Die Idee für diesen Artikel stammt aus einem Gespräch mit unserer Kollegin Lisa. Bei ihren Reisen durch den Oman hat sie die Kaffeekultur des Landes aus erster Hand erlebt und einige besondere Momente mit nach Hause genommen. Eine Station ihrer Reise führte sie in ein altes, traditionelles omanisches Haus. Das Haus verfügt über verschiedene Räume, darunter einen größeren Bereich für Männer und einen für Frauen. Traditionell treffen sich Männer und Frauen dort getrennt voneinander.

Eine wichtige Rolle spielt der Majlis, ein traditioneller kultureller, sozialer und politischer Versammlungsraum in arabischen und islamischen Gesellschaften. Mit Teppichen, Kissen oder niedrigen Sitzgelegenheiten ausgestattet, ist er ein Ort, an dem Gäst:innen empfangen und Neuigkeiten ausgetauscht werden. Meist wird Qahwa zubereitet und Weihrauch sowie Oud verbrannt. Älteste, Richter und Gemeindemitglieder:innen versammeln sich hier, um Streitigkeiten beizulegen, Hochzeiten zu feiern, Beileidsbekundungen auszusprechen und die Geschichte und Poesie der Gemeinschaft an die jüngere Generation weiterzugeben.

Der Kaffee wird dabei frisch über dem Feuer geröstet und in schweren Kupfer- oder Steinmörsern rhythmisch zerstoßen. Das metallische Klingen des Mörsers dient in den Dörfern oft als hörbares Signal für die Nachbar:innen: „Kommt vorbei, bei mir gibt es frischen Kaffee!“ Dieses Klimpern ist Lisa besonders im Gedächtnis geblieben, berichtet sie mir, während sie in Erinnerungen schwelgt.

Es ist eine Erfahrung, die sich gut in die Reise einfügt: Der Oman besteht nicht nur aus beeindruckenden Landschaften und historischen Orten, sondern vor allem auch aus den vielen kleinen Begegnungen unterwegs.

Ein zufälliger Treffpunkt am Meer

Eine der schönsten Geschichten der Reise begann mit einer eher unscheinbaren Entdeckung, erzählt Lisa. Während der Fahrt entdeckte sie mit ihrer Reisegruppe am Meer einige alte Sofas. Die Sitzgelegenheiten sahen so einladend aus, dass sie anhielten, sich setzten und den Sonnenuntergang genossen.
Kurz darauf kam ein Mann in traditioneller Kleidung mit seinem Auto vorbei. Er hielt an, setzte sich auf das gegenüberliegende Sofa und fragte, woher sie kommen.

Im Gespräch erzählte er, dass er diesen Platz selbst nach und nach gestaltet hatte. Zunächst stellte er ein Sofa auf, später kamen weitere hinzu. Mit der Zeit wurde daraus ein Treffpunkt. Am Abend kommen Männer und Jungen hier zusammen, beten gemeinsam und trinken anschließend Qahwa. So auch an diesem Abend. Nachdem sie gemeinsam gebetet hatten, setzten sie sich zu Lisa und ihrer Gruppe. Der Mann schenkte aus einer großen Kanne Qahwa ein und reichte auch ihnen einen Becher.

Es entwickelte sich ein Gespräch über den Oman, die Kultur des Landes und das Leben in Deutschland. Niemand hatte diese Begegnung geplant. Sie entstand einfach daraus, dass zwei Gruppen am selben Ort einen schönen Abend verbringen wollten. Traditioneller Kaffee inklusive.

Eine lange Kaffeetradition

Die Kaffeekultur des Oman ist eng mit den Handelswegen der Arabischen Halbinsel verbunden. Kaffee wurde zunächst im benachbarten Jemen kultiviert, bevor er im 15. Jahrhundert in die Region kam. Als bedeutende Seefahrernation und zentraler Knotenpunkt für den Weihrauch- und Gewürzhandel verbreiteten omanische Händler:innen den Kaffee schnell im ganzen Land. Die grünen Bohnen wurden zu einem begehrten Handelsgut.

Mit der Zeit wurde Qahwa zu einem festen Bestandteil der arabischen Gastfreundschaft. Er bot die perfekte anregende Grundlage für soziale und spirituelle Zusammenkünfte. Für die nomadischen Beduinen war das Teilen von Kaffee essentiell, um Allianzen zu schmieden und Neuigkeiten auszutauschen. Da Ressourcen in der Wüste knapp waren, galt es als die höchste Tugend, einer fremden Person kostbaren Kaffee und nahrhafte Datteln anzubieten. Die Zubereitung, das Servieren und die damit verbundenen Regeln werden bis heute weitergegeben. Der erwähnte Majlis spielt dabei eine wichtige Rolle als Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Austauschs. Aber auch während einer Übernachtung in der Wüste wurde Lisa selbstverständlich Kaffee angeboten.

2015 wurde die arabische Kaffeekultur, an deren gemeinsamer Eintragung Oman beteiligt ist, von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Zubereitung und das Servieren des Kaffees sowie seine Bedeutung für Gastfreundschaft und gesellschaftliches Miteinander.

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Qahwa Ein anderer Blick auf den Oman

Auf ihrer Reise hat unsere Kollegin Lisa Qahwa an ganz verschiedenen Orten erlebt: in einem traditionellen Haus, in der Wüste und schließlich bei einer ungeplanten Begegnung am Meer.

Gerade diese unterschiedlichen Situationen machen die Kaffeetradition greifbar. Qahwa gehört zum Alltag und schafft Gelegenheiten, zusammenzukommen, miteinander zu reden und Gäst:innen willkommen zu heißen.

Wer durch den Oman reist, entdeckt deshalb neben Wüstenlandschaften und Küstenstraßen auch diese kleinen Momente am Wegesrand. Vielleicht steht irgendwo eine Dallah bereit, vielleicht wird eine Dattel gereicht und vielleicht ergibt sich daraus ein Gespräch mit Menschen, denen man wenige Minuten zuvor noch völlig unbekannt war.

Am Ende sind das die Erinnerungen, die Lisa während unseres Gesprächs immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern: spontane Schwätzchen mit Locals und dazu ein Becher Qahwa.

Eine kleine Vokabelliste

Begriff IPA Aussprache
Qahwa
قهوة
[ˈqahwa] KA-hwa
Majlis
مجلس
[ˈmad͡ʒlis] MADsch-lis
Dallah
دلة
[ˈdalla] DAL-la
Finjan
فنجان
[finˈd͡ʒaːn] fin-DSCHAAN
Halwa
حلوى
[ˈħalwa] HAL-wa
Oud
عود
[ʕuːd] UUD

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